Jüdische Gemeinde nach Angriff in Halle: "Das Angstgefühl wird größer"

  • Jüdische Gemeinde bestürzt über Angriff auf Synagoge in Halle
  • Stellvertretender Vorsitzender wünscht mehr Unterstützung
  • In Bremen ist Antisemitismus laut Vorsitzender kein großes Thema
Der Davidstern, auf der Dachspitze der Synagoge der bremischen jüdischen Gemeinde.

Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Bremen sind entsetzt über den Angriff auf eine Synagoge in Halle. "Unsere schlimmsten Befürchtungen sind zu einem nächsten Schritt gekommen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde, Grigori Pantijelew, am Donnerstag im Gespräch. Er sei tief bewegt, aber gerade in dieser Situation tue es gut, so viel Solidarität zu erfahren – Solidarität, die er sonst manchmal vermisse. Besonders für junge Jüdinnen und Juden wünsche er sich mehr Solidarität.

Bald treffen wir uns wieder bei Gedenkritualen und die meisten bleiben beim Erinnern bei den toten Juden. Aber wieso gibt es wenig Unterstützung für die Lebenden?

Grigori Pantijelew, stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen

Vorsitzende fühlt sich noch sicher in Bremen

"Das Angstgefühl wird größer", sagte auch Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. In Bremen fühle sie sich aber noch sicher – trotz antisemitischer Schmierereien an der Synagoge oder am Friedhof.

Es ist nicht mehr geworden. Ich habe wirklich das Gefühl, Bremen ist eine Insel, wo man sich noch sicher fühlen kann.

Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen

Antisemitismus auch in Bremen

Laut Verfassungsschutzbericht wurden 2018 in Bremen 15 antisemitische Straftaten registriert. 2017 waren es 17 und 2016 waren es sechs. Bei den meisten Fällen handelte es sich um Sachbeschädigungen sowie antisemitische Schmierereien, hieß es aus der Innenbehörde. Tätliche Übergriffe seien aus den letzten Jahren in Bremen nicht bekannt.

Aber trotzdem: "Bremen ist nicht aus der Welt. Was in der Nachbarschaft passiert, berührt uns genauso", sagte Noa. In Halle hatte ein Mann am Mittwoch eine Synagoge angegriffen und zwei Menschen erschossen. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass er aus rechtsextremen Motiven heraus gehandelt hat.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 9. Oktober 2019, 21 Uhr