Fragen & Antworten

Häfenfusion von Bremerhaven und Hamburg: So laufen die Verhandlungen

Häfenfusion von Bremerhaven und Hamburg: So laufen die Verhandlungen

Audio vom 22. August 2021
Das Luftbild vom 27.01.2017 zeigt das Containerterminal an der Stromkaje in Bremerhaven (Bremen).
Bild: DPA | Ingo Wagner
Bild: DPA | Ingo Wagner

Der Welthandel ist auch durch die Corona-Pandemie in einem gewaltigen Umbruch. Da wird es zunehmend schwieriger, in den Häfen einfach so weiterzumachen wie bisher.

Eine Kooperation der Häfen von Bremerhaven und Hamburg gerät deshalb immer mehr in den Fokus. Aber die Diskussion ist nicht einfach – denn keine der beiden Seiten will an Einfluss verlieren.

Warum wird über eine mögliche Zusammenarbeit der Häfen in Hamburg und Bremerhaven gesprochen?
Weltweit schließen sich Häfen zusammen, und es gibt neue große Reeder-Allianzen. Sie haben eine andere Marktmacht und können somit auch Preise vorgeben. Das erhöht den Druck auf die einzelnen Häfen wie zum Beispiel Bremerhaven und auch Hamburg. Sie haben in den vergangenen Jahren an Marktanteil verloren. Das niederländische Rotterdam und das belgische Antwerpen liegen aktuell in Europa vorne.

Letztlich geht es auch darum, dass der Kostendruck steigt – und die Häfen zum Beispiel durch Automatisierung der Container-Abfertigung schneller arbeiten müssen. In Hamburg sind Teile des Hafens schon mit automatischen Containertransport-Systemen ausgerüstet, aber in Bremerhaven noch gar nicht. Hier soll in den nächsten Jahren umgebaut werden.
Wie könnten die Häfen besser zusammenarbeiten?
Diskutiert wird über eine größere Spezialisierung der deutschen Seehäfen. Das könnte so aussehen, dass an einem Standort mehr Autos umgeschlagen werden, am anderen dafür mehr Container. Aber hier will natürlich kein Hafen den Kürzeren ziehen und etwas abgeben. Deshalb ist es ein schwieriger Prozess bis zu einer Neuorganisation der deutschen Häfen.

Marktanteile der Nordrangehäfen im Containerumschlag 2020

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Was wäre denn eine Lösung?
Vorstellbar ist zum Beispiel, dass die ganz großen Containerschiffe künftig nur noch am Tiefwasserhafen Wilhelmshaven abgefertigt werden. Dafür müssten aber die sogenannten Hinterlandverkehre – also die Straßen- und Bahnverbindungen – weiter ausgebaut werden. Und es bräuchte eine neue Struktur, um zu klären, welche Waren wie weiter transportiert werden. Denn die Flüsse wie Elbe und Weser können aus Umweltschutzgründen und mit Blick auf den Klimawandel bald nicht weiter vertieft werden. Das heißt, dass für die ganz großen Containerschiffe die Zufahrt immer problematischer wird.
Wie ist der Stand bei den Verhandlungen zwischen Bremen und Hamburg?
Es verhandeln die Hafenunternehmen Eurogate aus Bremen und die Hamburger Hafen und Logistik (HHLA). Eurogate gehört zum Logistik-Konzern BLG – und an dem hält die Stadt Bremen die Mehrheit. Bei der HHLA ist die Stadt Hamburg Mehrheitsaktionär. Darum geht es hier also nicht nur um Entscheidungen von Vorstandsmitgliedern der Unternehmen. Die verhandeln auch schon seit fast einem Jahr. Und viel tut sich da offenbar im Moment gar nicht mehr.

Darüber, dass die Häfen enger zusammenarbeiten sollen, gibt es ja schon seit Jahren Debatten. Aber wie das konkret aussehen soll, da gehen die Meinungen weit auseinander. Keine Seite will an Einfluss verlieren. Deshalb ist es offenbar auch schwierig, dass sich die Vorstände der Hafenunternehmen aus Bremen und Hamburg einigen. Letztlich geht es auch um ihre Macht und um Jobs.

Aber auch von den Verantwortlichen in den Rathäusern in Bremen und Hamburg gab es zuletzt immer wieder Aussagen, man dürfe sich von der anderen Seite nicht unterbuttern lassen. Ein Diskussionspunkt ist zum Beispiel, wo der Hauptsitz künftig sein soll – in Bremen oder Hamburg?
Wann könnte denn so eine Kooperation der Häfen kommen?
Eigentlich wollten die Vorstände von Eurogate und HHLA bis zum Herbst eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen soll. Hinter den Kulissen wird aber über den richtigen Kurs gerungen – auch in der Politik. Momentan ist deshalb noch schwer abzuschätzen, wann es soweit sein wird, ob es eine Kooperation oder Fusion wird, ob es also eine ganz neue gemeinsame Hafengesellschaft gibt. Gewerkschafter befürchten dadurch auch einen großen Jobabbau in den Häfen. Unternehmer sehen in einer Neuaufstellung eher, dass bestehende Jobs gesichert werden.
Die Kühne-Holding hat sich ja kürzlich in die Debatte eingeschaltet. Worum geht es da genau?
Der Mehrheitsaktionär des Kühne und Nagel Konzerns, Klaus-Michael Kühne, hat an die Länder Bremen und Hamburg appelliert, bei der Verhandlung über die Hafen-Kooperation nicht auf halber Strecke hängen zu bleiben. Der Milliardär hat auch angeboten, sich an einem neuen Unternehmen zu beteiligen – wenn das überhaupt gewünscht ist. Sein Schreiben an den Bremer und den Hamburger Senat hat etwas aufgewirbelt in der Politik und den Unternehmen.
Luftbild zeigt das Containerterminal Burchardkai, Waltershofer Hafen, Waltershof, Hamburg,
Der größte Seehafen Deutschlands, der Hamburger Hafen, könnte sich demnächst mit den Bremischen Häfen zusammenschließen. Bild: Imago | imagebroker
Wie ist denn Kühne in dem Zusammenhang einzuschätzen?
Er hat Gewicht im Entscheidungsprozess. Denn einerseits ist Kühne und Nagel ein internationales Logistikunternehmen mit Wurzeln in Bremen und Hamburg: Es wurde 1890 in Bremen gegründet, expandierte später nach Hamburg. Inzwischen befindet sich die Deutschland-Zentrale in Bremen, und in Hamburg ist die Europa-Zentrale. Andererseits ist Kühne auch mit 30 Prozent an der Reederei Hapag-Lloyd beteiligt – und die wiederum hat ja schon angedeutet, dass sie künftig mehr auf den Wilhelmshavener Jade-Weser-Port setzten will. Kühne also würde es in Kauf nehmen, wenn sich die Transporte von Hamburg zur Küste verschieben würden. Aus seiner Sicht werden die großen Schiffe bald sowieso hauptsächlich direkt an der Küste abgefertigt, um weite Wege zum Beispiel über die Elbe zu verhindern.
Und wie haben der Bremer und der Hamburger Senat auf den Brief reagiert?
Für Bremen hat Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) Kühne ein Gespräch angeboten. Ein Termin werde abgestimmt, heißt es. Und aus Hamburg heißt es, man sei immer gesprächsbereit. Aus der Politik kommen Forderungen, dass über den Bund und die Länder eine Struktur vorgegeben werden soll. Da ist eine sogenannte Deutsche Bucht AG im Gespräch – sozusagen als Rahmen für eine neue gemeinsame Gesellschaft, die die Unternehmen dann ausgestalten könnten.

Hamburg verhandelt zurzeit übrigens auch noch mit der chinesischen Staatsreederei Cosco über eine intensivere Zusammenarbeit. Da sollen die Gespräche kurz vor dem Abschluss stehen. Ob sich Investoren auch an einer möglichen neuen Gesellschaft für Bremen und Hamburg beteiligen würden, ist noch unklar. Von Eurogate jedenfalls gab es bislang noch keine Stellungnahme zu dem Kühne-Brief. Und der HHLA-Vorstand hat angekündigt, dass er sich bis Herbst eine Entscheidung zur Kooperation von Bremen und Hamburg erhofft.

Mögliche Hafenfusion zwischen Bremen und Hamburg stößt auf Interesse

Video vom 18. August 2021
Im Hintergrund sind Containerbrücken von einem Hafen sichtbar. Davor sind Autos und Lkws zu sehen und Fahnen mit dem Schriftzug "Eurogate".
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 22. August 2021, 12:40 Uhr