Fragen & Antworten

Wasserkrise: So bedroht Trockenheit das Grundwasser in Niedersachsen

Historisch niedrige Grundwasserstände und Dürre geben auch im Bremer Umland Grund zur Sorge. Niedersachsen schlägt mit einem Sonderbericht Alarm: Es drohe eine Wasserkrise.

Vier junge Menschen sitzen auf einer vertrockneten Wiese.
Dürre hat dem Grundwasser in großen Teilen Norddeutschlands zugesetzt. Bild: DPA | Christoph Hardt

Die beiden Trockenjahre 2018 und 2019 sowie der extrem trockene April diesen Jahres geben laut Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) großen Grund zur Sorge um das Klima und das Wasser. Der Klimawandel sei angekommen und erste Anzeichen einer Wasserkrise seien vorhanden. Laut des nun veröffentlichten Sonderberichtes des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sind die Grundwasserstände teilweise deutlich gesunken. Auch die Regionen um Bremen und Bremerhaven seien betroffen.

Wie ernst ist die Lage?
Sehr ernst, sagen die Experten des NLWKN. Demnach nehme die Trockenheit immer mehr zu, Grundwasserstände waren 2019 so tief wie in den letzten 30 Jahren nicht. Bei 41 Prozent der Messstellen in Niedersachsen ist der mittlere Jahresschnitt unterschritten worden und das Grundwasserdefizit werde sich 2020 fortsetzen. Laut Umweltminister Lies sei es ein Irrglaube, dass noch genug Zeit bestehe. "Viele dachten, nach zwei schlechten Jahren wird's wieder besser. Falsch."
Dem Bericht nach ist der Nordwesten weniger schlimm betroffen. Ist das eine Entwarnung für diese Region?
In den Küstenregionen haben sich die Grundwasserstände über den Winter zwar besser erholt. In den übrigen Landesteilen fiel der Wiederanstieg allerdings nur mäßig aus. Dieses Bild zeigt sich laut Carsten Lippe vom NLWKN auch in den Marsch-, Niederungs- und Geestgebieten rund um Bremen und Bremerhaven. "Im Moment spricht vieles dafür, dass die Grundwasserstände über den Sommer eine ähnliche Entwicklung nehmen werden wie im Vorjahr und auch vergleichbare Tiefstände erreicht werden können. Im vergangenen Sommer hatten das Bremer Umweltressort und Energie-Unternehmen SWB dazu geraten, verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen. Wesentlich für hohen Wasserverbrauch sind Gartenbewässerung und Pools, so Gunnar Meister vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband OOWV. Dies werde durch die Sperrung von Schwimmbädern in der Corona-Krise verschärft.
Wie ist die Situation für die Landwirte und die Natur?
Die Landwirtschaft leidet unter vertrockneten Feldern und Ernteausfällen. Teilweise müssen Felder mit speziellen Anlagen beregnet werden. Und auch der Wald leidet unter der Trockenheit, so die Niedersächsischen Landesforsten. Selbst in 1,80 Meter Tiefe könnten Bäume mit ihren Wurzeln kein Wasser erreichen.
Und was soll getan werden, um die Lage zu verbessern?
Umweltminister Lies fürchtet sogar Verteilungskämpfe ums Wasser und hat sich einen Management-Plan ausgedacht. Dafür stünden im Haushalt drei Millionen Euro bereit. Damit sollen Konzepte erarbeitet werden, um zum Beispiel Wasser besser speichern und wassersparende Technik einsetzen zu können. Die Grünen kritisieren hingegen, dass das Land im letzten Jahr die Wasserkontingente für die Landwirte auf 15 Jahre verlängert habe. Außerdem seien die Nitrat-Werte im Wasser zu schlecht. Düngung von Feldern spiele dabei eine Rolle. Es müsse umgedacht werden – hin zu gesünderen Gewässern.

Steuert Bremen auf die nächste Dürre zu?

Video vom 20. April 2020
Eine Wiese mit einem trockenen erdigen Bereich.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 18. Juni 2020, 15:15 Uhr