Grippe und Co.: Sich krankmelden geht auch per E-Mail

Erkältung oder Fieber: Jetzt häufen sich die Krankheitsfälle. Nur für Krankmeldungen sofort zum Arzt zu gehen, ist laut Bremer Hausärzteverband nicht immer sinnvoll.

Eine Frau liegt krank im Bett und putzt sich die Nase, auf dem Nachttisch stehen Medikamente.
Am besten im Bett bleiben: Wer krank aufwacht, sollte unter anderem wegen der Ansteckungsgefahr nicht zur Arbeit gehen. Und auch nicht unbedingt sofort zum Arzt. (Symbolbild) Bild: DPA | PPE

Die Grippewelle ist in Bremen noch nicht angekommen. Das dürfte auch am Wetter liegen, sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbands Bremen. Influenza-Viren verbreiten sich am schnellsten in geschlossenen Räumen. Und bei den eher milden Temperaturen bleiben die Fenster länger offen. Auch die Zahl der Erkältungen ist laut Mühlenfeld "durchschnittlich für Anfang Februar".

Doch was tun, wenn es einen doch erwischt hat? Muss man sich gerade am Anfang der Krankheit trotz heftiger Symptome wie Husten und Fieber zum Arzt schleppen, um die Krankschreibung zu holen? Oder darf man erstmal im Bett bleiben? Die Antwort hängt von den jeweiligen Absprachen und dem Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab, erklärt Ingo Kleinhenz, Rechtsberater bei der Arbeitnehmerkammer Bremen.

Gescannte Krankschreibung per E-Mail sollte akzeptiert werden

"Gesetzlich ist man erst dazu verpflichtet, eine Krankschreibung vorzulegen, wenn die Krankheit länger als drei Tage andauert", sagt er. Erst am vierten Tag muss demnach die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dem Unternehmen vorliegen. Doch dem Arbeitgeber stehe frei, andere Fristen zu setzen und gleich am ersten Tag ein Attest zu verlangen. Dies dürfte jedoch laut Kleinhenz auch papierlos erfolgen.

Ich würde sagen, dass es schon ausreicht, die gescannte Bescheinigung per E-Mail zu schicken und das Original dann nachzureichen.

Ingo Kleinhenz, Rechtsberater bei der Arbeitnehmerkammer Bremen

Solche Fristen haben für den Hausarzt Mühlenfeld jedoch weniger mit medizinischen Gründen als vielmehr mit der Bürokratie zu tun. Nicht immer sei es die beste Wahl, gleich am ersten Tag in die Arztpraxis zu gehen. Vor allem im Fall von normalen Erkältungen. Man riskiert dann, andere – vielleicht chronisch kranke – Patienten im Wartezimmer anzustecken.

Es ist tatsächlich nicht immer sinnvoll, sich direkt am ersten Tag zum Arzt zu schleppen.

Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbands Bremen

Deutsches System reformbedürftig

Für den Hausarzt Mühlenfeld könnte eine grundsätzliche Umstellung des Systems Sinn machen. In anderen Ländern wie den Niederlanden gebe es zum Beispiel üblicherweise keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vom Hausarzt. Der Beschäftigte meldet sich mündlich krank, etwa am Telefon, und wird dann an den arbeitsmedizinischen Dienst übergeben. Von digitalen Krankschreibungen, wie ein Hamburger Start-up sie anbietet, hält der Bremer Mediziner jedoch nicht viel. Um sie zu bekommen, müssen Patienten mit leichten Beschwerden nur einen Online-Fragebogen über die Symptome ausfüllen, der einem Arzt weitergeleitet wird. Die Krankschreibung kann dann für 14 Euro als PDF-Datei online heruntergeladen werden.

Krankschreibung per Whatsapp: Experten sind skeptisch

Die größte Gefahr bei Ferndiagnosen sei laut Mühlenfeld, dass Krankheiten übersehen werden. Sich online krank melden zu können, ohne wirklich krank zu sein, sieht der Arzt als nebensächliches Problem. "Blaumachen kann man schließlich auch in unserem System", sagt er. Etwa, wenn ein Patient Symptome vortäuscht oder sich bei verschiedenen Ärzten krankschreiben lässt.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
"Gelber Schein" per Internet: Die neue Geschäftsidee ist umstritten. Bild: Radio Bremen

Rechtsexperte Kleinhenz ist ebenfalls skeptisch. "Ich sehe diese Art der Online-Krankschreibung sehr kritisch. Aus meiner Sicht ist das bedenklich. Denn eine Krankschreibung darf nur aufgrund ärztlicher Untersuchung erfolgen", sagt er. Doch das Unternehmen teilt auf seiner Webseite mit, dass ihre digitalen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bundesweit gültig seien. Bis zu drei Tage könnten sich Arbeitnehmer damit krank melden. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hatte jedoch vor wenigen Monaten gegen den Anbieter geklagt.

Man darf früher zurück zum Arbeitsplatz

Ärzte dürfen laut Kleinhenz eine Krankschreibung bis zu drei Tage rückwirkend ausstellen, wenn sie die Krankheit überprüft haben. Umgekehrt gilt: Ist man früher als gedacht wieder gesund, darf man gleich wieder arbeiten gehen. Denn die angegebene Arbeitsunfähigkeitszeit ist lediglich eine Prognose des Arztes. Problematisch könnte sein, wenn der Arbeitnehmer krank arbeiten geht und Fehler macht.

Man hat dann keine guten Karten, wenn man sagt: 'Ich war krank und konnte mich nicht konzentrieren.' Denn der Arbeitgeber könnte antworten: 'Wieso haben Sie sich dann nicht krankschreiben lassen?'

Ingo Kleinhenz, Rechtsberater bei der Arbeitnehmerkammer Bremen

Müssen Arbeitnehmer aber den ganzen Tag zu Hause bleiben, wenn sie wegen einer Erkältung nicht am Arbeitsplatz erschienen sind? Nicht unbedingt, sagt Kleinhenz. Das sei vom Fall zu Fall unterschiedlich. Grundsätzlich dürfe man alles tun, was der Genesung nicht schade. Daher könnte man eventuell einen kleinen Spaziergang machen. Sport sollte auf jeden Fall davor mit dem Arzt besprochen werden. Im Allgemeinen gilt: Alles hängt vom jeweiligen Krankheitsbild ab.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 7. Februar 2020, 23:30 Uhr