Gehen Bremer bald zum Impfen in die Apotheke?

In Zukunft könnte man sich in der Apotheke gegen Grippe impfen lassen – ohne Arztbesuch. Doch der Vorschlag von Gesundheitsminister Spahn kommt nicht überall in Bremen gut an.

Injektion von Medikamenten in einen Arm
Mit dem Vorschlag, Grippe-Impfungen in Apotheken anzubieten, will der Bundesgesundheitsminister die sogenannten Vor-Ort-Apotheken stärken. Bild: Imago | Imagebroker

Die Stirn glüht, der Kopf dröhnt und alles tut weh — wen eine Grippe erwischt, der liegt erstmal flach. Auch wenn die Grippewelle für dieses Jahr vorerst an Bremen vorbeigezogen ist, macht sich die Politik schon jetzt Gedanken über die nächste Saison. Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken oder medizinischem Personal wird jedes Jahr eine Grippe-Schutzimpfung empfohlen — impfen lassen kann sich aber theoretisch jeder. Bislang ging das nur in einer Arztpraxis. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte das ändern.

Ein neues Gesetz soll unter anderem sogenannte Vor-Ort-Apotheken stärken und mehr Menschen zu einer Impfung bewegen. Wer sich gegen Grippe impfen lassen möchte, kann das in Zukunft auch in der nächsten Apotheke tun — so wünscht es sich jedenfalls Jens Spahn. Apothekerinnen und Apothekern würde der Gesundheitsminister damit nicht nur eine zusätzliche, sondern auch eine äußerst verantwortungsvolle Aufgabe übertragen.

Ärzte sollen Apothekenpersonal schulen

Sicher und sinnvoll impfen will gelernt sein, Spahn setzt hier auf gezielte Schulungen durch Ärzte: Patientinnen und Patienten über die Risiken einer Impfung aufklären, die Nadel richtig ansetzen und mit unvorhergesehenen Notfällen umgehen, all das sollen Inhalte der Schulungen sein. Doch wie realistisch ist der Vorschlag, Grippe-Schutzimpfungen von Arzt-Praxen in Apotheken zu verlegen?

Blick in eine Apotheke, in der Kunden stehen
Wenn es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht, könnten in Zukunft auch Apotheken eine Grippeimpfung durchführen. Bild: Patrick Pleul | DPA

Hartwig Meyer ist Rechtsanwalt für Medizinrecht und Erster Vorsitzender des Patientenschutz e.V. und sieht Spahns Vorschlag kritisch. "Er sucht eine pragmatische und einfache Lösung, meiner Meinung nach ist das so aber überhaupt nicht praktikabel", sagt Meyer. Apotheken seien für Impfungen schlicht nicht ausgelegt, es gebe keine sterilen Räumlichkeiten und der Infektionsschutz könne nach derzeitigem Stand nicht gewährleistet werden. Die nötigen Umbaumaßnahmen seien für Apotheker, die ihr Geschäft mieten, zudem äußerst unattraktiv.

Hausärzteverband: Apotheker kennen Krankengeschichte nicht

Für die Bremer Apothekerkammer ist der Vorschlag ebenfalls noch weit weg, in naher Zukunft sei nicht mit impfenden Apothekerinnen und Apothekern zu rechen, so Dr. Isabel Justus. Die Geschäftsführerin der Apothekerkammer kann zwar noch nicht einschätzen, ob diese zusätzliche Dienstleistung neben dem Tagesgeschäft zu leisten sei, erkennt aber gleichzeitig einen Sinn darin. "Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Impfmüdigkeit ist ein niedrigschwelliger Zugang zu Impfungen, wie es die Apotheken bieten würde, sinnvoll", findet Justus.

Der Hausärzteverband Bremen sieht das Impfen dagegen weiterhin im eigenen Arbeitsbereich. "Es steht außer Frage, dass die Apothekerinnen und Apotheker wichtige Kompetenzen haben. Das Impfen von Patientinnen und Patienten zählt allerdings nicht dazu und gehört eindeutig in die (haus)ärztliche Praxis", sagt Dr. Hans-Michael Mühlenfeld. Er könne sich nur schwer vorstellen, wie eine Impfung — ohne das Wissen über eine individuelle Krankengeschichte zu besitzen — von Apothekern sinnvoll durchgeführt werden kann.

In England und der Schweiz impfen Apotheker bereits

Der Vorsitzende des Hausärzteverbands fürchtet außerdem die ganz große Verwirrung. "Es gäbe ein Informationschaos, da letztlich niemand mehr weiß, wer, was, wem geimpft hat — von Unverträglichkeiten und Medikamenteninteraktionen mal ganz abgesehen", so Mühlenfeld. Der Mediziner schlägt stattdessen vor, dass Apotheken die Patientinnen und Patienten in Zukunft stärker zu einer Impfung, beziehungsweise einem Impfpass-Check beim Hausarzt, motivieren könnten.

Sollte der Vorschlag von Jens Spahn tatsächlich umgesetzt werden, rät Isabel Justus bei den Planungen zu einem Blick ins Ausland. "In einigen europäischen Ländern wie Irland, England und der Schweiz werden Impfungen bereits in den Apotheken durchgeführt. Diese Erfahrungen sollten bei der Planung der Modellprojekte unbedingt berücksichtigt werden.“ 

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 11. April 2019, 23:30 Uhr