So bringen Bremer Kirchen ihre Gottesdienste "nach Hause"

Zusammenkünfte aller Glaubensgemeinschaften sind durch die Corona-Krise untersagt. Doch die Bremer Gotteshäuser wollen ihre Gemeinden trotzdem zusammenbringen.

Eine fast leere Kirche mit zwei männlichen Gäste.
Auch die Kirchen stehen leer aufgrund der Corona-Pandemie. Bild: Radio Bremen

Durch die Corona-Krise ist auch das Kirchenleben stark eingeschränkt. Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen sind vollständig untersagt – genau wie die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften. Wie gehen die Bremer Kirchen und Glaubensgemeinschaften mit dieser Situation um? Wie bleiben die Gemeindemitglieder in Kontakt, wenn sie sich nicht jeden Sonntag in der Kirche treffen können? Vor allem digital, sagt Sabine Hatscher, Pressesprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche. "Aber auch per Videokonferenz und mit dem guten alten Telefon."

Trauerfeiern finden weiterhin statt – nur in kleinerem Rahmen

Im Gegensatz zu Taufen und Trauungen, die derzeit ausgesetzt sind, musste für Trauerfeiern eine Lösung gefunden werden. Im Rahmen der staatlichen Anordnungen sind Zusammenkünfte von bis zu sechs Personen unter freiem Himmel erlaubt. Die Bremische Evangelische Kirche bietet deshalb eine geistliche Begleitung der Beisetzung auf dem Friedhof an. Die Angehörigen entscheiden selbst, wer die sechs Personen sind, die daran teilnehmen dürfen.

Vorher ist ein Trauergespräch möglich, sofern nur ein bis zwei engste Angehörige daran teilnehmen und es in großen Räumen mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Abstand stattfindet – zur Not auch telefonisch.

Durch die Corona-Umstände ist nun die übliche Reihenfolge aus Trauergespräch, Trauerfeier und Beisetzung nicht möglich. Deshalb bieten wir auf Wunsch eine nachgelagerte Trauerfeier beziehungsweise einen Gedenkgottesdienst zu einem späteren Zeitpunkt an.

Sabine Hatscher, Pressesprecherin Bremische Evangelische Kirche

Wo bekommt man Seelsorge und Beratung?

Trotz der Einschränkungen für persönlichen Kontakt ist die Bremische Evangelische Kirche auch aus der Ferne ganz nah bei den Menschen. Für alle, die sich in dieser kritischen Zeit sorgen oder jemanden brauchen, der ihnen zuhört, sind die Seelsorgerinnen und Seelsorger auch auf Distanz weiterhin erreichbar. Unter www.kirche-bremen.de ist eine Liste aller Seelsorge- und Beratungsangebote aufgebaut, die regelmäßig aktualisiert wird.

Angebote der St.-Martini-Kirche Bremen

Die St.-Martini-Kirchengemeinde wird vorerst ausschließlich online Gottesdienste anbieten. Am Sonntag, 22. März, gab es ab 10 Uhr eine Live-Übertragung des Gottesdienstes, die über das Internet, Radio HCJB, Kurzwelle oder das Telefon verfolgt werden konnte. Der Livestream wra auf der Webseite der Gemeinde und auf der Facebookseite verfügbar. Die Zuschaltung über Facebook war auch ohne Login möglich. Am 25. März wird zudem um 19:30 Uhr die Bibelstunde, am 27. März um 18 Uhr die Passionsandacht und am selben Tag um 19:30 Uhr die Junge Gemeinde übertragen.

Eine Seelsorge ist außerdem weiterhin möglich unter der Telefonnummer 0421/324835. Hier können sich Gemeindemitglieder auch melden, wenn sie beispielsweise Hilfe beim Einkaufen brauchen.

Angebote der Unser Lieben Frauenkirche

Sebastian Renz von der Unser Lieben Frauenkirche verweist auf das übergreifende Angebot der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK). "Wir befinden uns im permanenten Austausch mit der BEK und anderen Gemeinden, sodass es mittlerweile ein übergreifendes Alternativangebot zu bestimmten Dingen gibt, die nicht mehr wie gewohnt stattfinden können", sagt er.

Besucher begutachten die Innenarchitektur der Liebfrauenkirche in Bremen.
Aktuell herrscht Leere in der Liebfrauenkirche. Bild: Radio Bremen | Merle Strudthoff

Davon abgesehen hat Renz zusammen mit Kollegen und Kolleginnen der St.-Ansgarii-Kirche einen Gottesdienst im kleinen Format aufgenommen, der über einen Youtube-Link online zu hören sein wird.

Ansonsten läuft aktuell so viel wie möglich über das Telefon. Für die Telefonseelsorge sei das Personal durch die BEK aufgestockt worden, so Renz. Gemeindemitglieder, die Hilfe brauchen, können sich laut Renz wie üblich über das Telefon melden oder die Diakonie Bremen kontaktieren.

St. Petri Dom bleibt vorerst geöffnet – aber nur zum stillen Gebet

Der St.-Petri-Dom bleibt vorerst montags bis samstags weiterhin geöffnet – allerdings nur zum stillen Gebet und persönlichen Einkehr von 12 bis 14 Uhr. Ein Pastor oder eine Pastorin ist vor Ort ansprechbar. Kerzen können am Gebetskerzenleuchter entzündet werden. Auf die Einhaltung der besonderen Hygiene-Vorschriften und des Mindestabstands von zwei Metern wird am Eingang ausdrücklich hingewiesen.

Mittelschiff des Bremer St.-Petri-Doms.
Auch im St. Petri Dom sind keine Besucher mehr zu Gottesdiensten zugelassen. Bild: Radio Bremen | Janine Horsch

Außerdem gibt es eine tägliche zehnminütige Telefon-Andacht aus dem Dom unter der Nummer 36 50 444. Für ein persönliches Telefongespräch können Gemeindemitglieder die 36 50 415 wählen. Christian Gotzen von der Domgemeinde verweist zudem auf die Viertelfreunde: Unter der Nummer 43 48 39 46 können Hilfsbedürftige ein persönliches Gespräch und Hilfe anfragen.

Das Domgeläut wird weiterhin um 18 Uhr erklingen. So können Gläubige zur selben Zeit in Verbundenheit miteinander beten, ohne im direkten Kontakt zu stehen, heißt es.

Propsteikirche St. Johann läutet die Glocken

Auch in der Propsteikirche St. Johann muss man einen Kompromiss zwischen geistlicher Nähe und ausreichendem Schutz vor Ansteckung finden.

Wir ermutigen die Menschen, auch zuhause zu beten.

Bernhard Stecker, Propst der St. Johann Kirche

"Gemeinsam mit der evangelischen Kirche läuten unsere Glocken um 12 Uhr und laden zu einem Gebet ein, ganz gleich wo man sich zurzeit befindet", erklärt Stecker. Zusätzlich bleibt die Kirche auch vorerst geöffnet, damit Gemeindemitglieder für sich allein beten können.

Telefonisch bleibt die Gemeinde weiterhin erreichbar. Dafür wurde das Angebot telefonischer Beratung ausgebaut: so zum Beispiel die "Offene Tür" des Katholischen Gemeindeverbandes. Sie ist jetzt von zehn bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr erreichbar unter der Nummer 0421 324272 erreichbar. Weiterhin besteht das Angebot der Telefonseelsorge. Außerdem gibt es ein ausgebautes Online-Angebot der Kirche.

Lighthouse nutzt Whatsapp

Auch das Lighthouse hat vorgesorgt: So produziert Johannes Müller zusammen mit der Matthäus-Gemeinde sogenannte "Prayer to go": Jeden Tag gibt es eine sechs- bis siebenminütige Whatsapp-Sprachnachricht mit Andacht, Gebet und Segen aufs Handy geschickt. Wer Interesse hat, sendet einen "Daumen hoch"-Emoji an +49 163 1812879.

Als zweites Format gibt es von Montag bis Freitag eine Livestream-Sendung via YouTube mit Andacht, Liedern und Gebet plus Infos zur Lage.

Bremische Evangelische Kirche liefert Andacht fürs Sofa

Die Bremische Evangelische Kirche kümmert sich auch gemeindeübergreifend um ein digitales Seelsorge- und Gottesdienst-Angebot. So wurden unter dem Hashtag "Sofakirche" digitale Andachten zum Zuhören entwickelt.

Der Deutschlandfunk übertrug zudem am Sonntag, 22. März einen Rundfunkgottesdienst aus der Evangelisch-Freikirchlichen Auferstehungskirche in Bremen-Lesum. Die Predigt hielt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

Ab dem 29. März wird dann jeden Sonntag um zehn Uhr auf der Website der BEK ein Video-Gottesdienst ausgestrahlt.Von montags bis samstags um 5:55 Uhr gibt es zudem die Morgenandacht auf Bremen Zwei zum Anhören und auch als Podcast. 

Außerdem produzieren verschiedene Gemeinden eigene Audios und Videos, die ebenfalls auf der BEK-Website verfügbar sein werden. Im Altenpflegeheim der Inneren Mission am Kirchweg wird zudem jeden Donnerstag um zehn Uhr für die Bewohner ein Audio-Gottesdienst übertragen. St. Ansgarii zeichnet Kurzgottesdienste (etwa 30 Minuten) auf und sendet jeden Sonntag um zehn Uhr auf dem Youtube Kanal "St. Ansgarii Bremen".

Angebote von Moscheen und Synagogen

Auch Moscheen und Synagogen schränken den Betrieb im Land Bremen ein. Der Zentralrat der Juden weist darauf hin, dass viele jüdische Gemeinden aktuell Hilfe beispielsweise beim Einkaufen anbieten. Mitglieder können sich bei Bedarf an ihre Glaubenshäuser wenden.

Angebote in Bremerhaven

Die Evangelisch-reformierte Kirche zeichnet derzeit für jeden Sonntag in einer anderen Kirche eine Andacht ohne Besucher auf. Ab Samstagabend steht das Video eines Kurz-Gottesdienstes aus Bremerhaven auf "reformiert.de" zur Verfügung. Für die kommenden Sonntage sind weitere Internet-Beiträge aus wechselnden reformierten Kirchen geplant.

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Autoren

  • Annelie Sturhann
  • Madita Thomas
  • Elena Pintus

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. März 2020, 19:30 Uhr