"Gorch Fock" verlässt nach turbulenter Sanierung Bremer Lürssen-Werft

Schulschiff "Gorch Fock" wird nach turbulenter Sanierung ausgedockt

Audio vom 1. September 2021
Die "Gorch Fock" in Vegesack
Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner
Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Sechs Jahre lang wurde der Großsegler der Marine unter anderem in Bremerhaven und Bremen saniert – und von Skandalen begleitet. Heute hat das Schiff die Werft verlassen.

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" hat am Mittwochvormittag die Bremer Lürssen-Werft in Lemwerder verlassen. Das Manöver lief planmäßig gegen 9:30 Uhr an und verlief ohne Zwischenfälle. Begleitet von etlichen Schaulustigen am Weserurfer fuhr der Dreimaster zügig in Richtung Nordsee ab. Gegen Mittag könnte das Schiff auf seinem Weg dann Nordenham und Bremerhaven passieren. "Wir sind unglaublich stolz darauf, dieses besondere Schiff nun auf die Zielgerade gebracht zu haben und in wenigen Wochen unserem Kunden zu übergeben", sagte Tim Wagner, Geschäftsführer der Lürssen-Werft. "Gorch Fock"-Kommandant Nils Brandt ergänzte: "Wir freuen uns auf die erste Seefahrt im Rahmen der Werftprobefahrt und die ersten richtigen Eindrücke auf dem 'neuen' Schiff."

Die Sanierung des deutschen Segelschulschiffs "Gorch Fock" – eine Serie voller Pleiten, Pech und Pannen. Doch jetzt will die Marine nach vorne gucken und setzt auf eine neue Ära. Denn die Sanierung des Dreimasters ist nach sechs Jahren endlich abgeschlossen.

"Gorch Fock" soll schwierige Zeit hinter sich lassen

Alle technischen Anlagen sollen auf der Weser und der Nordsee geprüft werden. Einen Tag später wird der Dreimaster dann in Wilhelmshaven erwartet. Der Kapitän der "Gorch Fock", Nils Brandt, hofft, dass es nun positiv in die Zukunft geht: "Das verdämmert jetzt so langsam hinten raus und wir gucken nach vorne", so Brandt. "Aber es gibt Phasen, die ich gerne aus meiner Biografie streichen würde." Nun soll die schwierige Zeit endlich abgehakt werden – auch für die Mannschaft der "Gorch Fock". Sie ist in einer schwimmenden Kaserne in Lemwerder, dem Wohnschiff "Knurrhahn", untergebracht.

Ich habe Zwischenziele definiert, um der Besatzung einfach Perspektive zu geben. Ich habe sie aus meiner Sicht, mit meinen Worten informiert, damit sie auch gegenüber ihren Familien und Angehörigen letztendlich wissen, was ich denke, und was für uns wichtig ist. Und ich glaube, das hat geholfen, dass die Besatzung nicht marodierend durchs Schiff gezogen ist, sondern letztendlich immer dem Schiff und uns die Treue gehalten hat.

Nils Brandt, "Gorch Fock"-Kapitän

Sanierung der "Gorch Fock" kommt Neubau gleich

Die "Gorch Fock", vor 63 Jahren bei Blohm und Voss in Hamburg erbaut, steht für Tradition in der Marine. Nun soll das Schiff nach dem Ausdocken in Lemwerder ganz geschmeidig die Weser entlang in Richtung Bremerhaven gleiten. Die Sanierung kommt einem Neubau gleich. Die Außenhaut zum Beispiel wurde zu 80 Prozent ausgetauscht. Die Gesamtkosten haben sich mit 135 Millionen Euro mehr als verzehnfacht. Die damalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen musste die Kostenexplosion der Sanierung erklären – und sicherte Aufklärung zu.

Wir haben zwei Untersuchungsgruppen. Die eine kümmert sich als Task Force in dem Beschaffungsamt, wo das Marinearsenal ist, um dort aufzuklären. Und in dem auch der Mitarbeiter beschäftig war, gegen den der Korruptionsverdacht vorliegt, um hier die ganzen Kostengerüste zu klären, die Entwicklungen, die Berechnungen und dergleichen.

Ursula von der Leyen, frühere Verteidigungsministerin

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt weiterhin, wo Millionenbeträge aus der Sanierung geblieben sind. Im Fokus dabei offenbar Beteiligte des damaligen Generalunternehmers Elsflether Werft. Die Werft war in die Insolvenz gerutscht, nachdem ihr die Marine den Geldhahn zugedreht hatte. Die Bremerhavener Bredo-Werft arbeitete als Subunternehmer und versuchte noch, von der Marine 10,5 Millionen Euro für Arbeit und Material zurückzubekommen. Doch das Landgericht Bremen wies eine entsprechende Klage ab. Letztlich konnte die Bredo die Situation durch eine gute Auftragslage abfangen, so Geschäftsführer Dirk Harms.

Offizielle Übergabe der "Gorch Fock" am 30. September

Im Herbst 2019 übernahm dann die Lürssen-Werft erst die insolvente Elsflether Werft und dann die Sanierung des Schiffes. Doch die Negativschlagzeilen rissen nicht ab. Aktuell klagen Umweltschützer gegen die Verwendung von angeblich illegal geschlagenem und eingeführten Tropenholz. Das Kostendebakel bei der "Gorch Fock" – für manchen ist es zu einem Sinnbild für leichtfertigen Umgang mit Steuergeld geworden. Das will die Marine jetzt überwinden. In Feierstimmung ist sie allerdings offenbar noch nicht. Man wolle erst mal abwarten, so ein Sprecher, bis das Schiff am 30. September offiziell übergeben ist.

Rückblick: Die Wiederauferstehung der Gorch Fock – Schulschiff ist ausgedockt

Video vom 10. März 2021
Das Segelschulschiff Gorch Fock bei Lürssen in Lemwerder.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 1. September 2021, 7:35 Uhr