Gewerkschaft: Lehrermangel an Bremerhavener Schulen ist dramatisch

  • Lage ist laut GEW schlimmer als vom Schulamt dargestellt
  • Es fehlten 100 statt 40 Lehrer
  • Gewerkschaft: Massiver Unterrichtsausfall zu erwarten
Eine Federmappe liegt auf einem Tisch in einem menschenleeren Klassenzimmer.
Schon bei der nächsten Grippewelle wird es zahlreiche Unterrichtsausfälle geben, prognostiziert GEW-Chef Bernd Winkelmann. Bild: DPA | Fabian Sommer

40 von 1.196 Lehrerstellen in Bremerhaven sind nicht besetzt. Das hatte das Schulamt vor zwei Wochen mitgeteilt. Die Lehrergewerkschaft GEW hat sich bei ihren Gewerkschaftsmitgliedern über die aktuelle Situation in den Schulen informiert und kommt zu dem Ergebnis: Es fehlen deutlich mehr als 40 Lehrer. Die GEW erwartet massiven Unterrichtsausfall.

Aktuell habe Bremerhaven einen Versorgungsstand von 96,6 Prozent, sagt GEW-Chef Bernd Winkelmann. Damit liege Bremerhaven hinter Bremen, denn da seien es immerhin 99,2 Prozent. Eigentlich müsse aber eine Versorgungsquote von 105 Prozent angestrebt werden. Diese Quote soll sukzessive erreicht werden, das steht im Koalitionsvertrag der rot-grün-roten Landesregierung.

Winkelmann hat ausgerechnet: Bei einer Versorgungsquote von 105 Prozent würden in Bremerhaven 100 statt 40 Lehrer fehlen. Und die würden auch jetzt schon gebraucht. Mehr als 100 Prozent seien nötig, um die Unterrichtsversorgung auch bei Krankheitsfällen sicherzustellen.

Schulamt begrüßt Anhebung der Quote

Das Bremerhavener Schulamt würde eine Anhebung der Versorgungsquote auf 105 Prozent begrüßen, teilte Schuldezernent Michael Frost auf Nachfrage von buten un binnen mit. Diese Quote gelte allerdings noch nicht. "Insofern kann es jetzt nicht Gegenstand unserer Berechnung sein", so Frost. Die aktuelle Stellenzuweisung für Lehrkräfte für Bremerhaven ist in der Zuweisungsrichtlinie des Senats geregelt. Aus dieser ergibt sich ein Stellenkontingent von 1.196 für Bremerhaven, erklärte Frost. Weitere Qualifizierungsprogramme für Quereinsteiger würde das Schulamt ebenfalls begrüßen.

Schon jetzt Notlösungen in den Schulen

Bei der aktuellen Versorgungsquote könnten Unterrichtsausfälle gar nicht vermieden werden. Spätestens bei der nächsten Grippewelle ist laut Winkelmann mit massiven Ausfällen zu rechnen. Aus den Schulen käme schon jetzt die Rückmeldung, dass Doppelbesetzungen in Inklusionsklassen oft nicht möglich seien. Ganz im Gegenteil: Einige Lehrer würden sogar zwei Klassen parallel betreuen oder zusätzliche Stunden übernehmen. Zudem komme es vor, dass eine Klasse geteilt und auf zwei andere aufgeteilt werde, um Unterrichtsausfall zu vermeiden.

Die Situation in den Schulen zeigt, dass wir die 105 Prozent lieber heute als morgen brauchen.

Bernd Winkelmann, GEW-Chef

Quereinsteiger besser ausbilden

Mehr als die Hälfte der neu eingestellten Lehrer in Bremerhaven sind Quereinsteiger. Für diese neuen Kollegen fordert die GEW eine bessere Unterstützung. Bisher gebe es nicht für alle ausreichende Qualifizierungsmöglichkeiten. Aktuell würden nur etwa zehn Prozent eine tarifrelevante Qualifizierung absolvieren.

Um den Lehrermangel zu beheben, sei eine bundeslandübergreifenden Initiative der Kultusminister notwendig. Für das Land Bremen fordert er als ersten Schritt die Aufstockung der Ausbildungskapazität an der Uni Bremen, insbesondere in den Bereichen Sonderpädagogik, Naturwissenschaften sowie Musik und Sport.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 29. August 2019, 23:30 Uhr