Bremens Gesicht der Corona-Krise: Wer ist eigentlich Lukas Fuhrmann?

Pressesprecher im Gesundheitsressort? Normalerweise eher eine der entspannteren Aufgaben. Lukas Fuhrmann hatte den Posten gerade angetreten, da brach die Pandemie los.

Video vom 19. Januar 2021
Der Pressesprecher der Gesundheitssenatorin Lukas Fuhrmann im Interview.
Bild: Radio Bremen

Der 28-Jährige ist eigentlich gelernter Kinderkrankenpfleger. Nach seiner Ausbildung im hessischen Wiesbaden kam er nach Bremen, studierte Politik- und Sozialwissenschaften und wurde schließlich Pressesprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke). "Normalerweise spielt das Gesundheitsressort eine kleine Rolle", so Fuhrmann.

Dementsprechend seine Erwartungen an den neuen Job. Neben der Pressearbeit wollte er vor allem an gesundheitspolitischen Sachthemen mitarbeiten und interne Abläufe verbessern. Doch dann kam die Pandemie und für den frischgebackenen Pressesprecher Lukas Fuhrmann änderte sich auf einen Schlag alles. Mittlerweile ist er zu einem der Gesichter der Pandemie geworden und muss täglich dutzende Presseanfragen beantworten.

Gefragter als der Bürgermeister

Flipchart mit Begriffen wie "Analyse" in einem Büro.
Bild: Radio Bremen

Bei buten un binnen ist er mindestens so häufig im Programm wie der Bürgermeister. Beinahe täglich steht er in Hemd und Jacket vor dem Siemens-Hochhaus, um Fragen zur aktuellen Pandemie-Lage zu beantworten. Eine ungewohnte Rolle, an die er sich erst gewöhnen musste.

Das ist am Anfang alles sehr befremdlich gewesen.

Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts

Der Rummel war für ihn gewöhnungsbedürftig: "Vor allem, dass ich nun auch in der Öffentlichkeit erkannt und angesprochen werde." Die täglichen Auftritte im Fernsehen gaben ihm mit der Zeit Routine, mittlerweile habe er sich an die Aufmerksamkeit gewöhnt.

Ein Schock-Moment: Bremens erster Corona-Toter

Die Anstrengung aber ist geblieben. Vor allem, wenn er den Eindruck hat, zu Unrecht in Kritik zu geraten. Es ist vor allem ein Moment, der ihm besonders im Kopf geblieben ist. Der Moment, als der erste Bremer an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben war. Plötzlich war er da: Bremens erster Corona-Toter. Für ihn ein Wendepunkt. "Das war ein Schockmoment – auch für die Bremer Öffentlichkeit". In diesen Tagen habe er gemerkt, dass diese Pandemie wirklich gefährlich ist.

Nichts hat so große Auswirkungen auf seinen Alltag wie die Pandemie. Tägliche Überstunden, wenig Urlaub und das schnelle Einarbeiten in komplexe Sachverhalte bestimmen den Arbeitsrhythmus des 28-Jährigen. Impfstoffbeschaffung, Testkapazitäten, vulnerable Gruppen – all das muss er auf dem Schirm haben und Journalistinnen und Journalisten Rede und Antwort stehen. Ungenauigkeiten oder gar falsche Angaben können zu großer Verunsicherung führen, das weiß auch Fuhrmann.

Mit diesem Druck umzugehen ist tatsächlich schwierig.

Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts

Tomte hilft beim Abschalten

Ein Stapel blauer medizinischer Einweg-Masken liegen auf einem Schreibtisch.
Das gehört zum Job: Der Maskenvorrat ist stets griffbereit. Bild: Radio Bremen

Weil die Tage lang und voll sind, hilft ihm meistens der Weg zur Arbeit und wieder nach Hause, um ein wenig abzuschalten. Meisten geht er zu Fuß. Und wenn nicht gerade das Telefon klingelt, dann hört er Musik. Aktuell viel von der Hamburger Indie-Rock-Band Tomte.

Für 2021 wünscht er sich zwei Dinge: Als Pressesprecher des Gesundheitsressorts in erster Linie, dass die Pandemie bald vorbeigeht. "Ganz persönlich wünsche ich mir ein wenig mehr Entlastung", fügt er noch an. Und die hat er jetzt bekommen. Das Gesundheitsressort hat eine zusätzliche Mitarbeiterin angestellt, die Fuhrmann entlasten soll. Die Pandemie wird ihn weiter beschäftigen. Wann sein Berufsalltag wieder ruhiger wird, lässt sich heute noch nicht sagen.

Autor

  • Torben Ostermann Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Januar 2020, 19:30 Uhr