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Germania-Pleite: Das sollten Fluggäste wissen

Die drittgrößte Fluggesellschaft am Flughafen Bremen hat Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. Das kommt auf die Germania-Kunden zu.

Ein Flugzeug der Airline Germania auf dem Bremer Flughafen.

Seit Dienstagmorgen starten keine Flugzeuge der Airline Germania mehr. Auch der Bremer Flughafen ist betroffen, von hier aus bediente die Berliner Fluggesellschaft vor allem Urlaubsziele am Mittelmeer und auf den Kanarischen Inseln. Jetzt fallen alle Flüge bis auf Weiteres aus. Nicole Mertgen von der Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt Reisenden, die Tickets für Germania-Flüge haben, sich schnell nach Alternativen umzuschauen.

Welche Fluggäste sind von der Insolvenz betroffen?
Alle von Germania durchgeführten Flüge fallen aus, somit sind auch alle Reisende betroffen, die in Zukunft eine Reise mit Germania geplant hatten. Allerdings haben Pauschalreisende nach der Insolvenz mehr Rechte als Fluggäste, die ihre Flüge selbst gebucht haben. "Reiseveranstalter müssen laut Gesetz immer einen sogenannten Reisesicherungsschein haben und auch in Insolvenzfällen dafür sorgen, dass die Reise stattfindet", erklärt Mertgen. Wer seine Flüge selbst gebucht hat, gilt jedoch als Gläubiger. Er kann im Rahmen des Insolvenzverfahrens versuchen, sein Geld wiederzubekommen. Das ist allerdings ein langwieriger Prozess. Da ein Fluggast außerdem nur einer von vielen Gläubiger ist, kann es auch sein, dass er am Ende leer ausgeht oder nur einen gewissen Prozentsatz erhält. Ein Recht auf Ersatzflüge haben Individualreisende nicht. Sie müssen sich selbst um entsprechende Flüge kümmern.
Wie sollten Fluggäste jetzt vorgehen?
Verbraucherrechtlerin Mertgen empfiehlt möglichst schnelles Handeln. Pauschalreisende sollten sich beim Reiseveranstalter melden, Selbstbucher einen alternativen Flug suchen. "Es gibt sehr viele Geschädigte und alle buchen jetzt um", erklärt Mertgen. "Demzufolge bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt und lassen die Preise von vergleichbaren Flügen steigen."
Andererseits bieten einige Airlines jetzt auch Sondertarife für betroffene Germania-Kunden an. Bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines können Germania-Kunden vergünstigte Tickets bekommen. Innerhalb Europas wollen die Fluglinien bei Verfügbarkeit Tickets für 50 Euro zuzüglich Steuern anbieten. Für Flüge zwischen Deutschland und dem Nahen Osten für 200 Euro zuzüglich Steuern. Dieser Sondertarif gelte bis Ende Februar, so Lufthansa. Die Lufthansa-Tochter Eurowings bietet außerdem für im Ausland gestrandete Germania-Passagiere "mit sofortiger Wirkung stark rabattierte Konditionen" für Rückflüge nach Deutschland mit Eurowings an. Dieses Angebot gilt ebenfalls bis Ende Februar.
Wird es in Zukunft wieder Germania-Flüge geben?
Verbraucherschützerin Mertgen geht davon aus, dass auch in den nächsten Monaten keine Flieger von Germania mehr starten. "Es gibt Fälle, in denen sich nach Insolvenzanträgen noch ein Investor findet, der den weiteren Betrieb möglich macht", sagt sie. "Bei Germania halte ich das aber für unwahrscheinlich, da die Fluggesellschaft schon länger auf Investorensuche war. Man kam aber wohl jetzt zu dem Schluss, dass es nicht weitergeht."

Die Verbraucherschützer fordern in diesem Zusammenhang einen besseren Schutz von Flugpassagieren vor solchen Insolvenzen. Nach wie vor gebe es keine Insolvenzversicherung für Fluggesellschaften, die im Fall einer Pleite einspringt, kritisierte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller. "Trotz der Erfahrungen mit der Insolvenz von Air Berlin haben Bundesregierung und EU nichts unternommen. Das rächt sich nun."

  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 5. Februar 2019, 6 Uhr