Interview

Klinikberater über die Geno: "Es gab erhebliche Management-Fehler"

Bremens kommunaler Klinikverbund versinkt in einem Millionen-Defizit. Der unabhängige Krankenhaus-Berater Hans-Georg Güse sieht die Probleme vor allem bei der Geno selbst.

Klinikum-Berater Hans-Georg Güse im Gespräch mit Felix Krömer im buten un binnen Studio.
Herr Güse, ist es für einen kommunalen Versorger möglich, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen und gleichzeitig kostendeckend oder gar gewinnbringend zu arbeiten?
Grundsätzlich ist das sicher sehr schwierig, aber nicht unmöglich. Es gibt etliche Beispiele aus Hannover oder Minden, die auch relativ große kommunale Kliniken haben, bei denen es funktioniert – auch bundesweit. Es sind etwa 50 Prozent der kommunalen Kliniken, die Defizite machen, die anderen machen es nicht. Das, was auch hier in Bremen immer angeführt wird, dass es sich um einen schicksalhaften Verlauf handelt, das muss man sehr in Frage stellen.
Ist es denn so schlimm, dass die Geno Verluste macht? Könnte man nicht sagen, dass wir dafür überall Krankenhäuser haben, in denen wir gut aufgehoben sind.
Das ist ein politischer Beschluss, wenn wir immer "zubuttern". Der alte Bremer Senat hat der Geno 205 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Liquidationshilfen der Geno liegen bei 62,5 Millionen Euro, für das Vorjahr sowie für dieses Jahr. Im Prinzip ist schon eine ganze Menge zugeschossen und Teile der Defizite sind bereits bearbeitet worden. Aber der letzte Risikobericht beschreibt, dass sie mindestens 30 Millionen Euro pro Jahr an Liquidationshilfen brauchen, ohne Investitionen.
Für wie stichhaltig halten Sie denn die Argumente der Geno?
Das ist ein subjektiver Eindruck von mir. Ich kennen viele Krankenhäuser, wo die Prozesse eben nicht im Griff sind, wo Berater geholt werden müssen. Ich bin nicht in der Geno beschäftigt, aber ich war 20 Jahre ein Kind der Geno und es schmerzt mein Herz, dass die Geno nun diesen Verlauf nimmt. Ich hätte es gerne anders und ich weiß aus meinen Erfahrungen, dass es auch anders geht.
Welche Fehler wurden aus Ihrer Sicht bei der Geno gemacht?
Ich denke, dass es erhebliche Management-Fehler gegeben hat, die auch zu Defiziten geführt haben. Es ist bei allen Geno-Mitarbeitern, von Direktionen bis hin zu Abteilungsleitungen, bekannt, dass ständig rein und raus entschieden worden ist; man etwas ausprobiert hat und dann wieder davon abgesehen hat.
Was sollte die Geno tun, um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen?
Im Augenblick geht es nicht so sehr um den Abbau von Doppelstrukturen – sondern sie bauen angeblich wieder Doppelstrukturen auf. Sie wollen die Neurologie und die Kardiologie auf zwei Krankenhäuser verteilen sowie die Psychiatrie zu einer eigenen Einheit machen, damit quasi eine fünfte Klinik entwickeln. Das sind Strukturen, die absolut in die Kosten gehen werden.
Bekommt die Geno genug Rückendeckung, um auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen oder lässt die Politik dies nicht zu?
Dazu kann ich nur sagen, dass die frühere Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt die Geno in den letzten Aufsichtsratsitzungen gestützt hat. Es haben seltenst Interventionen stattgefunden. Diesen Vorwurf kann man der Politik nicht machen. Ich denke, dass es an der Geno selbst liegt, an der Situation etwas grundsätzlich zu ändern.

Was sich Bremens Geno von Hannover abgucken kann

Felix Krömer steht mit zwei zweiteren Personen in stiriler Kleidung vor OP-Besteck.

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Autor

  • Felix Krömer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Oktober 2019, 19:30 Uhr