40 Millionen Euro Defizit – wie geht's weiter mit dem Sorgenkind Geno?

Der Verlust für das Jahr 2020 liegt doppelt so hoch wie geplant, Corona hat seinen Teil dazu beigetragen. Der Bremer Krankenhaus-Konzern will nun raus aus dem Minus – bis 2024.

Video vom 29. Januar 2021
Der Eingang vom Klinikum Bremen Mitte.
Bild: Radio Bremen

"Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", beschreibt Dorothea Dreizehnter, die Geschäftsführerin des Bremer Krankenhaus-Konzerns Gesundheit Nord (Geno) die Lage. Das hört sich merkwürdig an, wenn man bedenkt, dass die Geno-Verluste für das Jahr 2020 bei mehr als 40 Millionen Euro liegen werden und damit doppelt so hoch ausfallen wie geplant – aber "20 bis 25 Millionen Euro gehen auf Covid" sagt Dreizehnter. Die Seuche macht sich nicht nur auf den Stationen der Krankenhäuser breit, sondern auch in der Bilanz.

Welche Hoffnungen kann man also bedienen? Im politischen Raum ist es schon lange unruhig, wenn die Rede auf die Bilanzen der städtischen Geno kommt. "Eine defizitäre Dauerlösung kann es für die Geno nicht geben", sagt zum Beispiel die Vorsitzende der Gesundheitsdeputation, Ilona Osterkamp-Weber (Grüne), und auch die Opposition fordert ein absehbares Ende der negativen Ergebnisse: "Die freien Krankenhäuser können das doch auch, ich traue das auch der Geno zu", erklärte Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU.

Eine defizitäre Dauerlösung kann es für die Geno nicht geben. Ich glaube immer noch, dass die Geno zu retten ist, aber es muss Umstrukturierungen geben.

Ilona Osterkamp-Weber die Vorsitzende Gesundheitsdeputation der Grünen
Ilona Osterkamp-Weber (Grüne), Vorsitzende der Gesundheitsdeputation

Bremer Gesundheitssenatorin will die schwarze Null – bis 2024

Claudia Bernhard  (Linke) sitzt indes zwischen den Stühlen: Bremens Gesundheitssenatorin ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikkonzerns, sie muss die Interessen der Patientinnen und Patienten ebenso im Blick haben wie die Bilanzen der Kliniken und als linke Senatorin können ihr die Interessen der Beschäftigten auch nicht gleichgültig sein. Bevor die Pandemie ausbrach, war der Krankenhauskonzern ihre größte Sorge; es sind größere dazugekommen, aber kleiner ist die um die Geno deshalb nicht geworden.

Hartnäckig will sie bleiben, mittelfristig soll der Konzern Kurs halten und wie geplant eine Schwarze Null erwirtschaften, ein ausgeglichenes Ergebnis, bis 2024. "Wir sind fest entschlossen, daran festzuhalten", sagt Bernhard. Wie kann das funktionieren? Vom Personalabbau wird in der Geno gesprochen; nicht beim Pflegepersonal, aber bei den Ärzten und in der Verwaltung. Im Durchschnitt hat die Geno in der Zeit von 2017 bis 2020 neue 250 Stellen aufgebaut.

Mehr als doppelt so hohe Kosten für Leiharbeiter

Zwei Frauen in medizinischer Schutzkleidung in einem Labor.
Um weitere Corona-Wellen stemmen zu können, hatte die Geno wieder vermehrt auf Leiharbeiter gesetzt – zu einem hohen Preos. Bild: Imago | Westend61

Plus die Leiharbeit: Personal, das über Zeitarbeitsfirmen kurzfristig unter Vertrag kommt, ist teurer, manchmal deutlich teurer als Tariflohn für die Mitarbeiter. Das Problem ist alt, aber die Pandemie hat noch einmal zusätzlichen Schwung in die Leiharbeit gebracht – in die falsche Richtung. Allein im Jahr 2020 haben sich die Ausgaben für die Leiharbeit gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Von 6,8 Mio Euro auf 15 Mio Euro allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020. "Man wollte sich eben vorbereiten, nach den Pandemie-Bildern aus Italien, man wollte auf eine Katastrophe vorbereitet sein" erklärt Dreizehnter den drastischen Anstieg der Leiharbeit.

Jetzt also Kommando zurück und Personalabbau, "wir sind gespannt", sagt der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Ost, Markus Rohdenburg. "Auf den Stationen geht das nicht, ohne die Leistungen zu reduzieren, die Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Anschlag."  Und wer soll die Arbeit machen, wenn die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter weg sind? "Wir warten auf die Vorschläge der Klinikleitung und der Geschäftsführung", sagt Rohdenburg.

Personalabbau gestaltet sich schwierig

An allen vier Geno-Standorten muss sich etwas ändern; jeder Standort hat seine eigenen Probleme, sagt Bernhard. Und ja, im Grunde müsse jeder Standort auch für sich die schwarze Null erreichen. "Es macht doch keinen Sinn, das für den Konzern zu verlangen und für die Häuser nicht". Auch deshalb sei der Personalabbau schwierig: "Das muss mit Hirn und Verstand gemacht werden – man muss auch auf die Erlössituation schauen".

Zu viele machen derzeit das gleiche an allen Standorten.

Ein Mann mit Brille und roter Jacke steht vor einem Backsteingebäude mit roten Steinen.
Rainer Bensch, Gesundheitspolitiker der Bremer CDU

"Ich glaube immer noch, dass die Geno zu retten ist, aber es muss Umstrukturierungen geben", sagt Osterkamp-Weber. Und so ähnlich sagt das auch die Opposition. "Die Geno kann das schaffen. Seit 30 Jahren werden dort die gleichen Angebote an den Kliniken gemacht; es hat sich aber viel verändert, die Ambulantisierung, die Digitalisierung, zu viele machen derzeit das gleiche an allen Standorten", bemängelt Rainer Bensch.

Müssen also alle Standorte weiter alles vorhalten? Das ist die Kernfrage der Sanierung. Aber die Geno-Geschäftsführerin winkt ab. Dreizehnter wörtlich: "Bis 2024 wollen wir das Ergebnis in der bestehenden Struktur deutlich verbessern, danach wird man sich um die großen Fragen der Medizinstrategie kümmern."

Autor

  • Markus Daschner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Januar 2021, 19:30 Uhr