Infografik

Pink statt Blau - wo Frauen mehr bezahlen als Männer

Für Frauen ist der Friseurbesuch oder der Einkauf in der Drogerie oft teurer. Doch wer benachteiligt wird, könnte eigentliche Schadensersatz fordern.

Zwei Rasierer, die unterschiedlich viel kosten.

12,50 Euro: So viel zahlen Frauen im Schnitt mehr, wenn sie den gleichen Kurzhaarschnitt wie ein Mann haben wollen. Das ergab eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Und das sogenannte "Gender-Pricing" gibt es nicht nur beim Friseur.

Gerrit Cegielka von der Bremer Verbraucherzentrale kennt die Bereiche, in denen Frauen mehr zahlen müssen. "Weit verbreitet sind unterschiedliche Preise bei Kosmetikartikeln", sagt er. So kosten Nassrasierer für Frauen im Schnitt 3 Prozent mehr als Männerrasierer. Ohne, dass sich die Produkte wirklich unterscheiden: Selbe Klingenzahl – aber halt pink statt blau.

Gender-Pricing PARFUM KURZHAARSCHNITT TEXTILREINIGUNG TAGES-/NACHTCREME INKONTINENZHILFEN NASSRASIERER Hier zahlen Frauen mehr: Quelle: „Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland“, Antidiskriminierungsstelle des Bundes Hier zahlen Männer mehr: + 3% + 24% + 28% + 40% + 79% + 43%

Wer benachteiligt wird, kann Schadensersatz fordern

"Unterschiede werden sogar bei der Textilreinigung gemacht, da kann das Reinigen einer Damen-Bluse schon mal teurer sein als die Reinigung eines Herren-Hemdes", sagt Cegielka, der die Preisunterschiede für ungerechtfertigt hält. "Während sich Verbraucherinnen und Verbraucher an unterschiedliche Preise beim Friseur offenbar 'gewöhnt' haben, ist die Dienstleistung einer Reinigung doch wohl identisch, egal ob Herrenhemd oder Damenbluse gereinigt werden."

Da kann das Reinigen einer Damen-Bluse schon mal teurer sein als die Reinigung eines Herren-Hemdes.

Gerrit Cegielka, Verbraucherzentrale Bremen

Dabei ist die sogenannte "geschlechterbezogene Preisdiskriminierung" durch das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verboten. Laut Cegielka wäre ein Vertragsschluss zu einem günstigeren Preis oder sogar eine Schadenssatzzahlung an den Käufer möglich. Und das in fast allen Bereichen: "Auch bei Angeboten von Läden aller Art, Diskotheken, Restaurants, Hotels, Fitness-Studios,  Kreditinstituten, Versicherern, Taxen und Mietwohnungen", so Cegielka. Einzige Voraussetzung: Es gibt keine rechtfertigende Begründung für den unterschiedlich hohen Preis.

"Mädchen freuen sich nicht nur über rosafarbenes Spielzeug"

Jedoch gebe es dazu noch keine Rechtssprechung. "Da gilt wohl der uralte Grundsatz: Wo kein Kläger, da gibt es auch kein Urteil und damit auch keine Rechtsentwicklung", sagt Cegielka. Die Problematik des Gender-Pricings sei den meisten nicht bewusst und die Rechtsschutzansprüche aus dem Gesetz erst recht nicht.

Der beste Weg, dem Gender-Pricing aus dem Weg zu gehen, ist daher wohl das eigene Kaufverhalten zu ändern: "Es spricht bei Produktidentität auch nichts dagegen, als Frau auch mal zur blauen Variante zu greifen", findet Cegielka. Und: "Auch Mädchen freuen sich nicht nur über rosafarbenes Spielzeug."

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. September 2019, 19:30 Uhr