Warum ein Mann aus Nordholz sich einen Leuchtturm kaufte

Andreas Wunderlich hat sich einen Kindheitstraum erfüllt: Er ist selbst ernannter Leuchtturmwärter. Gekauft hat er den Koloss per Kleinanzeige. Doch was hat er mit dem Turm nun vor?

Ein Teil eines alten Leuchtturms, der auf einen Wagen zum Transport fertig gemacht wird.

Dem Angebot konnte Andreas Wunderlich einfach nicht widerstehen: ein Leuchtturm, elf Meter hoch, rot weiß gekringelt. "Den musste ich einfach haben", sagt der 36-Jährige aus Nordholz mit einem Leuchten in den Augen. Der Schwerlasttransporter biegt um die Ecke der kleinen Dorfstraße, die Deckel der Bierflaschen ploppen auf.  Auf dieses Ereignis muss angestoßen werden, finden auch etwa 20 Freunde und Verwandte von Wunderlich, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Ein Freund hat Wunderlich im Januar auf das Angebot in einem bekannten Online-Kleinanzeigenportal aufmerksam gemacht. Seine Frau Mareike Wunderlich war anfangs nicht so begeistert.

Andreas hat immer so verrückte Ideen.

Ehefrau Mareike Wunderlich

Der Turm soll einen Platz an der Küste bekommen

Derweil hebt der Autokran am Freitagmittag den haushohen rund acht Tonnen schweren Turm vom Transporter. Laschen werden festgezurrt, Andreas Wunderlich legt selber Hand an. Sein Traum: "Der Leuchtturm soll einen Platz an der Wurster Nordseeküste bekommen – natürlich mit Meerblick." Er möchte aus dem ausgedienten Leuchtfeuer eine Unterkunft für Touristen machen. "Oben ins ehemalige Laternenhaus soll ein Bett, ein kleiner Tisch und Stühle um draußen auf der Galerie sitzen zu können", erklärt Wunderlich. Ein Bad soll dann in einem angebauten Häuschen Platz finden.

Vom Bett aus in acht Metern Höhe auf das Meer blicken und den Wellen lauschen, dazu eine Flasche Rotwein für Mareike und eine Flasche Rum für Andreas Wunderlich: So soll die erste Übernachtung in dem Leuchtturm aussehen. Wann und wo genau das sein wird, ist noch unklar. Marcus Itjen (parteilos), Bürgermeister der Wurster Nordseeküste, ist von den Plänen Wunderlichs zwar begeistert, trotzdem müssen für den Start noch einige Dinge geklärt werden. Bis klar ist, wo der Leuchtturm stehen wird, lagert das Stahlungetüm bei Andreas Wunderlich in einer Halle.

Es wartet eh noch viel Arbeit auf Wunderlich. Der Leuchtturm muss ausgebaut werden und braucht unter anderem einen neuen Anstrich. Am liebsten wieder rot-weiß, so wie die Originallackierung, die an vielen Stellen bereits abblättert. Bis Mitte 2012 wies der Turm am Jadebusen als Unterfeuer Eckwarden den Seeleuten den Weg. Fast sieben Jahre fristete das ausrangierte Leuchtfeuer nun sein Dasein in einer Lagerhalle in Wilhelmshaven – bis Wunderlich es nun aus seinem Dornröschenschlaf befreite.

  • Anja Kaiser

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Februar 2019, 19.30 Uhr