Neue Perspektive: So werden Geflüchtete in Bremen zu Altenpflegern

Die Stadt Bremen und die Bremer Heimstiftung wollen geflüchtete Menschen für die Altenpflege gewinnen. Dazu haben sie ein Pilotprojekt mit 15 Schülern gestartet.

Altenpfleger Walid Kheder bei der Arbeit
Mit Fingergymnastik sorgt der angehende Altenpflegehelfer Walid Kheder aus dem Irak bei den Bewohnerinnen des Stiftungsdorfs der Bremer Heimstiftung für willkommene Abwechslung.

Walid Kheder sieht seine Zukunft in der Altenpflege. "Wenn mich ein Heimbewohner anlächelt und sagt: 'Hallo, Du bist ja wieder hier!', dann freue ich mich einfach“, berichtet der 23-jährige Iraker in leicht gebrochenem, aber doch verständlichem Deutsch. Seit Oktober des letzten Jahres nimmt Kheder an einer in Bremen bislang einzigartigen Einstiegsqualifizierung teil: Er ist einer von 15 Geflüchteten, die die Bremer Heimstiftung gemeinsam mit dem Aus- und Fortbildungszentrum für den bremischen öffentlichen Dienst (AfZ) zu Altenpflegehelfern ausbildet.

Statt der üblichen zwölf Monate dauert dieser Kurs in der Altenpflege Bremen-Ost der Bremer Heimstiftung 15 Monate. Denn die Ausbildung der Geflüchteten ist an intensiven Deutschunterricht gekoppelt. Idealerweise soll jeder Teilnehmer des Kurses bis zum Jahresende das Sprachniveau "B 2" erreichen, also die deutsche Sprache selbstständig anwenden können. Das ist das erklärte Ziel.

Vom Helfer zur Fachkraft

Den Geflüchteten, die das schaffen, wollen die Bremer Heimstiftung und das AfZ den Weg zu einer Karriere in Bremen ebnen: "Wir hoffen, dass möglichst viele der Schüler im Anschluss an den Kurs auch noch die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegefachkraft absolvieren wollen“, erklärt Kursleiterin Hemavathany Steinfatt. "Und wer erst einmal eine examinierte Altenpflegefachkraft ist, dem eröffnen sich noch weitere Perspektiven“, versichert die Dozentin der Bremer Heimstiftung – und verweist auf ihren eigenen Werdegang.

Es sind sehr dankbare, hilfsbereite Menschen.

Hemavathany Steinfatt, Kursleiterin bei der Bremer Heimstiftung, über die Teilnehmer des Einstiegskurses.

Steinfatt ist vor 34 Jahren aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen und beherrschte zunächst nicht ein einziges Wort Deutsch. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wisse sie sehr gut, wie wichtig es ist, dass man möglichst schnell die Sprache eines Landes lerne, sagt sie. Obwohl Steinfatt schon unzählige Pflegekräfte aus vielen Ländern für die Heimstiftung ausgebildet hat, ist die Situation auch für sie neu. Denn noch nie unterrichtete sie einen Kurs, der sich ausschließlich aus geflüchteten Menschen zusammensetzt. Die Schüler dieses Kurses stammen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Guinea, Senegal und aus dem Irak. Doch bei allen Unterschieden hätten ihre Kursteilnehmer eines gemein, versichert Steinfatt: "Es sind sehr dankbare, hilfsbereite Menschen. Die Gruppe gibt ihnen Mut." Zudem, versichert Steinfatt, seien alle Schüler des Kurses hochmotiviert.

Walid Hderi Kheder stammt aus dem Irak. Im Herbst 2014 fühlte er sich seines Lebens nicht länger sicher. Kheder floh nach Deutschland. Über Oldenburg kam er 2016 nach Bremen. Später machten ihn Freunde aus der Evangelischen Kirche auf eine Jobmesse im Metropol Theater aufmerksam. Dort überzeugte ihn eine Mitarbeiterin der Bremer Heimstiftung von der neuen Ausbildung für Geflüchtete zur Altenpflegehilfskraft.

Die meiste Zeit seiner Ausbildung arbeitet Walid Kheder im Stiftungsdorf Rablinghausen der Bremer Heimstiftung. Dort leitet ihn die Pflegefachkraft Vesna Reich-Emden an. "Walid ist sehr ehrgeizig. Ich kann mir gut vorstellen, dass er uns länger erhalten bleibt und eine Altenpflegefachkraft wird", schwärmt Reich-Emden.

Auch die Bewohner des Stiftungsdorfs sind überzeugt davon, dass Walid Kheder in der Altenpflege gut aufgehoben ist. "Er ist immer sofort da, wenn man ihn braucht", schwärmt etwa Ingrid Mester.

"Multinationalität ist in Pflegeberufen völlig normal"

"Wüsste ich nicht, dass es sich bei Walid um einen Geflüchten handelt, hätte ich es gar nicht gemerkt", versichert Doris Paul, Hausleitung des Stiftungsdorfs Rablinghausen. Ohnehin sei Multinationalität in den Pflegeberufen vollkommen normal:

Das Personal unseres Stiftungsdorfs stammt aus Deutschland, Polen, Russland, Ghana, Spanien, Vietnam, Tschechien, Rumänien und von den Philippinen.

Doris Paul, Hausleitung des Stiftungsdorfs Rablinghausen

Dass die Bremer Heimstiftung dem Fachkräftemangel in der Pflege unter anderem mit der Hilfe von Geflüchteten bekämpfen will, ist in ihren Augen nur folgerichtig: "Die Geflüchteten brauchen genauso eine Perspektive, wie wir Arbeitskräfte brauchen", so Paul.

Bislang ist das Projekt nur ein Test. Die Chancen, dass es fortgesetzt oder ausgebaut wird, seien allerdings gut, lässt Sandra von Atens aus dem AfZ durchblicken: "Wir wünschen es uns", sagt sie.

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. Januar 2019, 23:30