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Giftige Schädlinge: Erobern Eichenprozessionsspinner Bremen?

Video vom 13. Juli 2021
Ein Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma in Schutzkleidung, saugt Eichenprozessionsspinner vom Stamm einer Eiche ab.
Bild: DPA | Friso Gentsch
Bild: DPA | Friso Gentsch

Eichenprozessionsspinner und ihre mit Gifthaaren besetzten Raupen fühlen sich jetzt offenbar auch in Bremen und dem Umland wohl. Das sollte man über die Schädlinge wissen.

Ein erstes Nest entdeckten die Behörden auf dem Gelände der Huchtinger "Oberschule zu Bremen" Mitte Juni. Wenig später fanden sie dort weitere Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS). Zuletzt beseitigten Schädlingsbekämpfer den EPS auch auf dem Grundstück eines Arster Autohauses.

Zwar handele es sich bei diesen ersten Funden des EPS auf Bremer Gebiet noch um Einzelfälle, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. Von einer Häufung der Bestände könne nicht die Rede sein. Dennoch ist offensichtlich: Die gefährliche Raupe, die ursprünglich aus Südeuropa stammt, ist inzwischen auch in Bremen sowie im Bremer Umland angekommen – und wird wohl auch bleiben.

Warum ist der Eichenprozessionsspinner ein Problem für uns?
Es handelt sich beim EPS nicht um einen gewöhnlichen Pflanzenschädling. Die Gifthaare der EPS-Raupe können bei uns starke Hautausschläge, Reizungen der Augen und der Atemwege verursachen, teilen der Pflanzenschutzdienst Bremen und das niedersächssische Gesundheitsministerium mit. Ein Windstoß reiche manchmal, um Härchen der Raupe aus dem Baum zu pusten.

Auf unbedeckten Körperregionen können sich die Härchen mit Widerhaken festhalten. Am Auge löst ihr Gift schmerzhafte Bindehautentzündungen aus. Werden die Härchen eingeatmet, reizen sie Rachen und Atemwege und können sogar zu Luftnot führen.

Auch Wild- und Haustiere reagieren empfindlich auf die Gifthaare. Die Haare können auf ihrem Fell haften bleiben und so an den Menschen weitergegeben werden.
Raupe des Eichenprozessionsspinners auf einem Blatt..
Der Wind kann die giftigen Haare der Eichenprozessionsspinner in einem Umkreis von bis zu 100 Metern verbreiten. Bild: DPA | Blickwinkel/AGAMI/H. Bouwmeester
Wo kommt der Eichenprozessionsspinner her, und wo kann er in Bremen vorkommen?
Der EPS stammt aus Südeuropa. Die Klimaerwärmung begünstige die Vermehrung der wärmeliebenden Insekten, teilt das niedersächsische Gesundheitsministerium mit. Daher könne man die Tiere inzwischen auch in Norddeutschland antreffen, wenn auch noch nicht so häufig wie in südlicheren Regionen.

ESP leben ausschließlich in Eichen, vorzugsweise in freistehenden Bäumen, die viel Sonne abbekommen. Die Raupen schlüpfen im Mai und verstecken sich tagsüber in Nestern. Abends wandern sie als Prozession vom Nest in die Baumkrone und fressen die Blätter. Kommen sie in Massen vor, können sie die ganze Krone kahlfressen.

Die Verpuppung der Raupen zu Faltern findet ebenfalls in den Nestern statt. Im Spätsommer schlüpfen die fertigen Falter aus den Puppen. Sie legen im Umkreis von zwei Kilometern erneut Eier an Eichenzweigen ab.
Nest des Eichenprozessionsspinners an einer Baumrinde.
Tagsüber und zur Verpuppung verstecken sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners oft in ihren Nestern. Bild: DPA | Bildagentur-online/Ohde
Wie verhalte ich mich, wenn ich glaube, dass ich die Raupen von EPS in einem Baum entdeckt habe?
Dann sollte ich meine Entdeckung dem Pflanzenschutzdienst des Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienstes des Landes Bremen (LMTVET) melden. Die Rufnummer lautet: 361-89204. Ich kann stattdessen auch beim Gesundheitsamt unter der Nummer 361-15131 anrufen.

Das Gesundheitsamt, das Veterinäramt und Umweltbetrieb Bremen werden dann prüfen, ob es sich bei meiner Entdeckung tatsächlich um den EPS handelt und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen, sagt Fuhrmann.

Auf keinen Fall solle ich mich dem befallenen Baum nähern oder gar selbst versuchen, etwas gegen die Raupen zu machen.
Was unternehmen die Ämter, wenn sie die Raupen als EPS identifiziert haben?
Dann beauftragen die Ämter Spezialfirmen, die die Raupen beseitigen, erklärt Fuhrmann. Hierbei kämen verschiedene Verfahren infrage. In Bremen hätten die Mitarbeiter der beauftragten Unternehmen die Raupen bislang stets mit speziellen Saugern von den Bäumen abgesaugt und anschließend verbrannt.

Es gibt aber auch Schädlingsbekämpfer, die die Nester mit einer Art Schaumreiniger mit einem Wasserstrahl bespritzen. Die Tiere werden dann bei 97 Grad quasi gekocht: ein Verfahren, das dieser Tage auch im niedersächsischen Umland Bremens zum Einsatz kommen wird.
Wie verhalte ich mich, wenn ich Kontakt zu den Brennhaaren des EPS hatte?
Wenn ich mit den Härchen in Kontakt gekommen bin, sollte ich zum Arzt gehen. Bei schweren allergischen Reaktionen mit Asthma und Atemnot sollte ich sofort den Rettungsdienst rufen.

Auf keinen Fall soll ich kratzen, weil ich dadurch die Gifthaare tiefer in die Haut treiben könnte. Die Augen sollte ich mit viel Wasser spülen. Kontaminierte Kleidung sollte ich schnell wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen. Es empfehle sich außerdem, zu duschen und die Haare zu waschen, teilt das niedersächsische Gesundheitsministerium mit.
Falter des Eichenprozessionsspinners auf einem Blatt.
Im Spätsommer wird aus den Raupen des EPS ein solcher Falter wie auf diesem Foto. Bild: DPA | WILDLIFE/D.Harms
Was unternimmt Bremen, damit sich die EPS nicht weiter bei uns verbreiten?
Dass EPS in Bremen, Bremerhaven und umzu auch künftig immer mal wieder zu sehen sein werden, wird sich kaum verhindern lassen, glaubt Gesundheitsressort-Sprecher Fuhrmann. Es handele sich dabei um eine Folge des Klimawandels. Allerdings werde Bremen etwas gegen die Schädlinge unternehmen.

So planten die Behörden, jene Bäume, an denen EPS in diesem Jahr aufgetreten sind, im kommenden Jahr mit einem speziellen Bacillus zu besprühen. Dies mache man üblicherweise im März und im April, also ehe die Raupen des EPS schlüpfen.

Es handelt sich bei dem betreffenden Bacillus um ein so genanntes Fraßgift, das über den Darmtrakt der Tiere wirkt und sie so vernichtet. Tatsächlich empfiehlt auch das Umweltbundesamt ausdrücklich den Einsatz des "Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki" im Kampf gegen EPS in Siedlungsgebieten.

Juni: Nest von Eichenprozessionsspinnern in Bremen entdeckt

Video vom 17. Juni 2021
Für den Menschen giftige Eichenprozessionsspinnerrauben an einem Eichenbaum.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Juli, 19.30 Uhr