Bremer JVA hat neues Konzept für Umgang mit Extremisten

Wie geht ein Gefängnis mit Extremisten um? Und wie schafft man es, dass sich Häftlinge nicht radikalisieren? In der JVA werden alle Mitarbeiter entsprechend geschult.

Ein Gefängnis von außen, das von einem Zaun begrenzt wird.

Die JVA Bremen will sich für den Umgang mit gewaltbereiten, politisch oder religiös motivierten Extremisten wappnen. Dazu hat sie gemeinsam mit dem Bremer Justizressort ein Konzept erarbeitet. Ziel ist es, einer möglichen Radikalisierung vorzubeugen bzw. sie einzudämmen, auch im Hinblick darauf, dass betreffende Häftlinge einmal entlassen werden und dann keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen sollen.

Als Teil des Konzepts werden alle 300 Mitarbeiter bis Mai 2019 geschult. "Es hat sich gezeigt, dass zwischen Diskriminierungserfahrungen und Radkalisierung ein Zusammenhang besteht", erläutert Andre Taubert, Teamleiter beim Modellprojekt Legato. Die Mitarbeiter von Legato beraten einerseits die JVA-Mitarbeiter, machen aber auch für Häftlinge Bildungsangebote zu den Themen Demokratie, Staat, Religion und extremistische Bewegungen. Ziel von Legato sei es unter anderem, Mitarbeiter so auszubilden, dass sie für die Gefangenen zu Ansprechpartnern auf Augenhöhe werden, anstatt ihnen mit Vorurteilen zu begegnen, sagt Taubert. "Wichtig in der Arbeit mit den Gefangenen ist es, immer wieder das Gespräch zu suchen", erklärt seine Mitarbeiterin Birgit Hartlage den Ansatz.

Ein "Gefährder" in JVA Bremen inhaftiert

Um zeitnah mitzubekommen, wenn sich ein Gefangener radikalisiert, hat die Bremer Haftanstalt ein Ansprechpartnersystem gestartet: Einem Mitarbeiter sind dabei mehrere Häftlinge zugeordnet, die er beobachtet, erklärt JVA-Leiter Hans Jürgen Erdtmann. Eine auffällige Veränderungwäre zum Beispiel, wenn ein Häftling seine sozialen Kontakte abbricht. Aber auch ungewöhnliche Zeichnungen in der Zelle können Grund sein, den Gefangenen näher zu beobachten. Der JVA-Mitarbeiter dokumentiert, was ihm auffällt. Bei Bedarf wird eine Fallkonferenz der Mitarbeiter einberufen.

Personen, die radikalisiert sind oder zu einer Radikalisierung neigen, werden in der JVA folgendermaßen unterschieden: Als Gefährder gilt, wenn eine extremistische Gesinnung und Gewaltbereitschaft bereits festgestellt sind. Wer erkennbar mit gewaltbereitem Extremismus sympathisiert, wird als Sympathisant eingestuft. Und als Gefährder, wer als besonders anfällig in Erscheinung tritt. Das könnten beispielsweise Gefangene mit einer labilen Persönlichkeit sein, aber auch Menschen, die zum ersten Mal in Haft sind. Laut JVA-Chef Hans Jürgen Erdtmann gilt derzeit ein Häftling in Bremen als Gefährder. Drei bis fünf andere beobachte man derzeit, für sie gebe es noch keine Kategorisierung.

Fester Ablauf soll Suiziden von Häftlingen vorbeugen

Blick in eine karge Zelle mit einer blauen Matratze in der JVA Bremen.
Im Beobachtungsraum der JVA werden Gefangene untergebracht, die als suizidgefährdet gelten.

Wird ein als Gefährder eingestufter Häftling in die JVA Bremen gebracht, so gibt es für die Mitarbeiter einen festgelegten Ablauf. Zunächst werden die Kleidung und alles, was der neue Häftling bei sich trägt, auf gefährliche Gegenstände durchsucht. Bei einer medizinischen Untersuchung werden erste Anhaltspunkte dafür gesammelt, ob der Gefangene möglicherweise gefährdet ist, sich das Leben zu nehmen. Hat der Arzt oder die Ärztin entsprechende Befürchtungen, wird der Anstaltspsychologe miteinbezogen. Um zu beraten, wie man den Gefangenen schützen kann, kommen alle betroffenen Mitarbeiter zusammen, um das zu besprechen.

Für suizidgefährdete Häftlinge gibt es in der Bremer JVA zwei Unterbringungsmöglichkeiten: Den Beobachtungsraum und den besonders gesicherten Haftraum. Beide sind videoüberwacht. Der Beobachtungsraum verfügt über ein Fenster, einen Heizkörper, der sich aus der Zelle regulieren lässt und eine Toilette, bei der der Gefangene die Spülung selbst betätigen kann. Die Möbel bestehen aus Schaumstoff. Im besonders gesicherten Haftraum gibt es kein Fenster, der Gefangene erhält Kleidung aus Papier und kann die im Boden eingelassene Toilette nicht selbst spülen. Wie lange ein Häftling sich in einem der Spezialräume aufhalten muss, hängt immer vom Einzelfall ab, sagt JVA-Leiter Erdtmann.

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  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. April 2019, 19:30 Uhr