Immer mit Haltung: Zum Geburtstag von Maren Kroymann

Die Schauspielerin und Satirikerin hat etliche Preise gewonnen – unter anderem mit der Radio Bremen-Produktion "Kroymann". Wir feiern sie zum 70. mit einem Porträt.

Maren Kroymann
In ihrer Rolle als "Kroymann" nimmt sie das Verhältnis von Frauen und Männern, Jungen und Alten oder Politik und Gesellschaft auf die Schippe.

Sie selbst hat ihr Wirken einmal als "emotionale Archäologie" bezeichnet; als Aufarbeitung von Kindheit und Jugend in der jungen Bundesrepublik. Aufgewachsen ist sie in einem wohlbehüteten Akademikerhaushalt im schwäbischen Tübingen und war geprägt als jüngstes von fünf Kindern und einzigem Mädchen der Familie Kroymann.

Dass im deutschen Fernsehen endlich eine feministische Position von einer Frau besetzt werden musste, sei längst überfällig gewesen. Das Bild der Frau sei meist von einer Industrie bestimmt, die von Männern dominiert werde.

Wir wollen in die Lage kommen, das Bild, das wir von uns vermitteln, selber zu gestalten.

Maren Kroymann

Als junge Frau war sie auf dem besten Weg, Lehrerin zu werden. Abitur, Kirchenchor, Studium, Auslandsaufenthalte, Staatsexamen. Den vorgezeichneten Weg verließ sie jedoch zu Beginn der 80er Jahre, um jene archäologische Arbeit in ihrem Inneren zu betreiben.

Ohne Absicht Feministin von Anfang an

Alles fing mit ihrem ersten Soloprogramm an, das den Titel trug "Auf du und du mit dem Stöckelschuh". Darin befasste sie sich mit dem Frauenbild der 50er Jahre anhand von Schlagern. Damals sei ihr gar nicht so bewusst gewesen, dass sie auf dem besten Weg war, eine feministische Kabarettistin zu werden. "Ich dachte, ich mal so einen bunten Abend und zeig mal, was ich so denke", sagt sie rückblickend auf diese Rolle.

Aber genau daraus entwickelte sich ihre Karriere. Ihre inhaltliche Ausrichtung war von Beginn an eine feministische. Und das blieb auch so in ihren Fernsehrollen so. Mit der Sendung "Nachtschwester Kroymann" brachte sie ihr satirisches Potenzial bereits von 1993 bis 1997 zur Entfaltung. Maren Kroymann begann zwischen Kabarett und Schauspiel zu changieren. In Serien spielte sie starke Frauen wie "Vera Wesskamp"; auf der Bühne persiflierte sie die anderen wie Verona Feldbusch und Hera Lind.

Die mehrfach Preisgekrönte hat es über all die Jahre ihres Schaffens zu einer einflussreichen und wegweisenden Kabarettistin geschafft. Das zeigen jüngere Kolleginnen wie Hazel Brugger oder Carolin Kebekus. Sie hat sich aber auch ebenso eindrucksvoll in einer von Männern dominierten Branche etablieren können. Weil sie vor allem eines hat: Haltung.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 19. Juli 2019, 7:50 Uhr