125 Jahre Fischereihafen Bremerhaven: Wie viel Fisch steckt noch drin?

125 Jahre Fischereihafen Bremerhaven

Das Archivbild vom April 1989 zeigt deutsche Fischer, die auf einer Kaianlage im Fischereihafen von Bremerhaven ihre Schleppnetze flicken.
Bild: DPA | Ingo Wagner
Bild: DPA | Ingo Wagner

Raue Arbeit auf dem Meer, Fischverkauf an Land: Der Bremerhavener Fischereihafen steckt voller Geschichten. Anlässlich seines 125. Jubiläums schauen wir zurück.

Bremerhaven hat nicht umsonst den Beinamen "Fischtown": Schon im 19. Jahrhundert war im heutigen Stadtteil Geestemünde ein bedeutender Umschlagplatz für Fisch. Einige der ersten deutschen Fischdampfer wurden hier in Dienst gestellt: die "Diana" und die "Reform". 1896 wurde der Fischereihafen feierlich eingeweiht – das war vor ziemlich genau 125 Jahren.

In 125 Jahren kann sich eine Menge verändern. Im Fischereihafen dreht sich aber nach wie vor ganz viel um Fisch. Und natürlich darum, was man damit machen kann, zum Beispiel Bremerhavener Fischsuppe. In die kommen zu Seefisch, Muscheln und Krabben auch etwas Olivenöl, Sahne, Knoblauch und ein Hauch Cayennepfeffer und Kurkuma. Oder: Pochierten Schellfisch im Süßkartoffelnest mit Senfsauce.

Bremerhavener Fischsuppe zum Nachkochen

"Jetzt wird der Fisch vorsichtig in den Sud gelegt und für circa sieben bis acht Minuten im Sud gegart. Für die Senfsauce schneiden wir ein wenig Schnittlauch, etwas Butter auflösen, Fischbrühe dazugeben, Sahne dazugeben, etwas von dem Dijonsenf, mit Zitrone, Salz und Pfeffer abgeschmeckt" – und am Schluss mit Schnittlauch verfeinern. So schlägt es jedenfalls Sebastian Uecker vom Seefischkochstudio in seiner Video-Anleitung zum Nachkochen vor.

Der Blick auf die Schiffe im Bremerhavener Fischereihafen. Auf der linken Seite die grüne "Gera" auf der Rechten die weiße "Line Hinsch".
Der Blick auf den Bremerhavener Fischereihafen. Auf der linken Seite der historische Fischtrawler "Gera", auf der Rechten die weiße "Line Hinsch". Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Auch das Seefischkochstudio gehört zum Fischereihafen. Schon seit 1927 wirbt es für Fisch als Nahrungsmittel, zum Beispiel in den 1950er Jahren mit Postkarten und dem Slogan "Heute gibt es Fisch". Dieses Motto hat das Seefischkochstudio im Jubiläumsjahr wieder aufgenommen. Bis zum Jahresende gibt es an jedem Freitag – dem klassischen Fischtag – ein neues, nicht ganz so klassisches Rezept.

Im Hafen dreht sich nicht mehr alles um Fisch

Wie damals wird auch heute noch im Fischereihafen Fisch umgeschlagen. Aber anders als früher, erklärt Petra Neykov, Chefin der Fischereihafenbetriebsgesellschaft (FBG). "Es hat sich sicher viel verändert. Ursprünglich war es ja tatsächlich ein Standort, an dem Fisch angelandet wurde, über viele Jahrzehnte. Dann gab es den Niedergang der großen deutschen Hochseefischerei, seitdem kommt der Fisch hier schwerpunktmäßig über Container, über Lkw, hier in den Fischereihafen. Aber wir haben eine niederländische Reederei, die tatsächlich hier an der Labradorpier heute auch noch Fisch löscht."

Im Fischereihafen sitzen einige der größten deutschen Fischverarbeiter, unter anderem werden hier Fischstäbchen für den deutschen und den europäischen Markt hergestellt. Längst sind im Fischereihafen aber auch Metallbaufirmen, Forschungsinstitute, ein großer Holzhandel und ein Fliesenwerk ansässig, bis vor einigen Jahren boomte hier auch die Windenergie. Wie viel Fisch steckt eigentlich noch im Fischereihafen? Wenn man nach den Mitarbeitern geht: Etwa 50 Prozent, erklärt Petra Neykov.

Eine dynamische Entwicklung haben wir mitgemacht, Bremerhaven erfindet sich immer neu, durch alle Krisen, durch die diese Stadt gegangen ist. Dasselbe gilt für den Fischereihafen. Also: Die Veränderung ist die Regel, die gestalten wir, und das wird auch in den nächsten 125 Jahren sicherlich der Fall sein.

Petra Neykov, Geschäftsführerin der FBG Bremerhaven
Eine Frau steht vor dem Hafenbecken im Bremerhavener Fischereihafen. Hinter ihr das Schiff "Line Hinsch".
Petra Neykov im Bremerhavener Fischereihafen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Vieles von der alten Tradition sei aber noch erhalten, sagt sie – und zeigt auf die Fischräucherei hinter ihr. In den alten Altonaer Öfen wird dort heute noch geräuchert wie vor hundert Jahren, und ähnlich lange scheint sich der Räucherduft in den Kleidern und Haaren zu halten, wenn man dort zum Beispiel eine Kiste Fisch gekauft hat. Gerade kommt ein kleines Motorboot angetuckert und macht vor dem historischen Fischtrawler "Gera" fest – ein echtes Postkartenmotiv. Petra Neykovs Lieblingsplatz ist aber ein anderer: "Mein Lieblingsplatz im Fischereihafen ist hinter der Halle X, am Wasser, weil – da ist es wirklich ganz ursprünglich, da kommt fast nie jemand hin."

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Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 26. September 2021, 11:40 Uhr