Wie läuft es wirklich? Bremer Gastronomie zieht erste Bilanz

Seit einer Woche dürfen Gaststätten und Kneipen in Bremen wieder öffnen. Allerdings erschweren erhebliche Auflagen den Neustart. Ein Problem für viele Gastronomen.

So lief die erste Woche nach dem Neustart der Gastronomie in Bremen

Video vom 25. Mai 2020
Tische, die nicht besetzt sind, in einer Gastronomie in Bremen.

"Der Anfang war zart und schleppend", berichtet Katja Laukant vom Enchilada an der Bremer Schlachte. Auch, wenn sich die Belegung im Laufe der Woche gesteigert hat, ist der aktuelle Umsatz noch deutlich zu niedrig. "Der Donnerstag und der Samstag waren okay, aber die anderen Tage war es viel zu wenig." Auch im Haus am Walde findet man deutliche Worte für den nicht zufriedenstellenden Start: "Bescheiden – selbst die wenigen Tische, die wir noch haben, sind alles andere als voll", klagt Kellner Shane. Den meisten Bremer Gastronomen geht es in diesen Tagen so.

Die Nachricht vom Restaurant im ostfriesischen Leer, in dem sich elf Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben, macht die Situation nicht unbedingt einfacher.

Die Angst hält viele Menschen noch zuhause, glaubt Shane vom Haus am Walde: "Bei den Gästen ist es auf jeden Fall ein Faktor, dass die sagen, nee, wir warten lieber noch ab. Und gerade so eine Sache macht sie auch nochmal ein bisschen vorsichtiger." Auch die Regel, dass nur zwei verschiedene Haushalte gemeinsam an einem Tisch sitzen dürfen, macht den Restaurantbesuch unattraktiver, glaubt Shane.

Draußen geht es besser

Klar ist: Draußen geht es besser als drinnen. Auch Ines und René haben sich im Haus am Walde bewusst für den Außenbereich entschieden, "um drinnen nicht mit Mundschutz sitzen zu müssen und weil hier draußen die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, deutlich geringer ist." Auch Katrin könnte sich einen Restaurantbesuch im Innenbereich aktuell noch nicht vorstellen: "Ich habe da kein gutes Gefühl, weil ich mir denke, dass das Personal ja trotzdem von Tisch zu Tisch läuft. Deshalb würde ich da jetzt nicht so gerne reingehen und dann in so einer Wolke sitzen." Auch im Litfass im Bremer Viertel läuft der Betrieb im Außenbereich deutlich besser, erzählt Kellner Markus. Neben dem geringeren Risiko fühlt sich auch der Aufenthalt auf der Terrasse einfach mehr nach einem normalen Kneipenbesuch an: "Draußen ist es ein bisschen lockerer, man muss sich nicht unbedingt eintragen in eine Liste. Die Leute wollen einfach nur ein paar Bier trinken und nicht ihre Daten preisgeben."

Höherer Personalaufwand

Doch nicht nur weniger Gäste, auch der deutlich erhöhte Aufwand macht das Geschäft derzeit unlukrativer. Denn der Personalaufwand ist kaum niedriger. Trotz Einschränkungen auf der Karte, muss mehr Zeit für Reinigungsarbeiten eingeplant werden: Im Enchilada wird jeder Tisch, jeder Stuhl, jede Speisekarte nach der Nutzung desinfiziert, die Toiletten stündlich gereinigt, jeder Gast an den Platz begleitet. Und: die Kellner dürfen nur einen Tisch zur Zeit bedienen, sagt Katja Laukant: "Wenn die Kellner jetzt fünf Tische bedienen, dürfen sie nicht die Getränke für fünf Tische auf dem Tablett haben, sondern sie laufen für jeden Tisch extra. Das ist natürlich deutlich aufwendiger."

Noch Hoffnung

Trostpflaster ist für Katja Laukant, dass die Gäste bisher viel Verständnis zeigen und eigentlich nie über irgendwelche Regeln diskutiert werden muss: "Die Leute sind wahnsinnig verständnisvoll, haben das alles ausgefüllt, haben sich an die Regeln gehalten, haben die Maske aufgesetzt an den Punkten, wo man das muss. Das ist sehr angenehm."

Und trotz allem ist man im Enchilada nach wie vor froh, wieder öffnen zu dürfen, und voller Hoffnung auf die kommenden Wochen: "Wir hoffen natürlich, dass es sich nach und nach mehr lockert, dass das gut läuft, dass die Leute mutiger werden und sich auch trauen, wieder zu kommen."

So sind Bremer Restaurants und Hotels neu gestartet

Video vom 18. Mai 2020
Hinter eine Bar steht eine Frau und schenkt ein Glas ein. Sie trägt einen Mundnasenschutz.

Autorin

  • Katharina Mild

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Mai 2020, 19:30 Uhr