Fragen & Antworten

Fachkräftemangel stellt Gastronomie im Land Bremen vor große Probleme

Audio vom 8. Juni 2021
Eine Kellnerin mit Mundschutz bedient Gäste in einem gastronomischen Garten (Archivbild)
Bild: Imago | Future Image
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Die Gastronomie darf wieder öffnen. Doch was Gäste freut, stellt Betriebe vor ein großes Problem: Es fehlt Fachpersonal. Woran liegt es und was könnte helfen?

Momentan wird wieder einmal deutlich: Jede Medaille hat zwei Seiten. Die Freude über die eingeschränkte Öffnung von Gastronomie und Kneipen ist bei den Menschen nach Monaten des Lockdowns groß. Auf der anderen Seite stehen Gastronomen vor großen Problemen: Es fehlt fachkundiges Personal, um die Kundschaft zu bewirtschaften.

Woher kommt dieser Personalmangel?
Grundsätzlich gibt es laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schon länger einen Fachkräftemangel in der Gastro- und Hotelbranche. Nun kommt erschwerend hinzu: Corona hat die Gastro-Belegschaft in andere Bereiche getrieben. Ein Punkt ist dabei: Die Gaststätten hatten lange geschlossen, dadurch gab es keine Arbeit. Ein anderer Punkt: mit dem Kurzarbeitergeld hätten viele Menschen bei ohnehin niedrigen Löhnen deutlich weniger verdient als in anderen Bereichen – etwa bei Lieferbetrieben, im Lebensmitteleinzelhandel oder bei Drogerie-Ketten.

Beschäftigte haben sich daraufhin oft andere Jobs gesucht und stehen nun nicht zur Verfügung. "Das Gastgewerbe blutet seit Beginn der Pandemie personell aus", sagt Iris Münkel, NGG-Gewerkschaftssekretärin für die Region Bremen-Weser-Elbe. "Dringend gebrauchte qualifizierte Kräfte sind in andere Branchen abgewandert."
Wie könnten Berufe in dem Bereich wieder attraktiver werden?
Ein Hebel ist sicherlich die Bezahlung. Aber das ist laut Münkel noch nicht das größte Problem. Denn viel zu oft würden im Gastro- und Hotelbereich die Arbeitsbedingungen nicht richtig eingehalten. Das Ergebnis sind zum Beispiel zu lange Arbeitszeiten oder zu wenig freie Tage. Jetzt, da coronabedingt weniger Menschen in der Gastrobranche arbeiten, könnte sich das zu einem großen Problem für die verbliebenen Mitarbeitenden entwickeln. Im Land Bremen haben sich laut NGG nach Angaben der Arbeitsagentur zwischen Sommer 2019 und Sommer 2020 rund 14 Prozent der ehemaligen Mitarbeitenden aus diesem Bereich verabschiedet.
Gastro ist ein klassischer Nebenjob-Bereich für Schüler und Studenten – könnte das etwas auffangen?
Ja und Nein. Im Bereich Service, Bedienung oder Kasse ist das für viele Wirte möglich. Laut des Bremerhavener Gastronomen Willy Reinhard läuft das schon ganz gut: "Studenten haben schon immer einen Großteil der Aushilfen im Sommer ausgemacht." Darunter seien viele Quereinsteiger.

Problematischer wird es nach seiner Erfahrung allerdings in der Küche, denn dort braucht er wirkliches Fachpersonal. Und das fehlt. Darum sagt auch Reinhard, dass der Berufsstand attraktiver für qualifizierte Leute gemacht werden muss. Und Münkel gibt zu bedenken: "Wenn die Branche nicht rasch gegensteuert, könnte der von vielen Menschen lang ersehnte Urlaub oder Restaurantbesuch am Personalmangel scheitern."

Sorgen trotz Lockerungen: Bremer Gastronomen plagt Personalmangel

Video vom 29. Mai 2021
Der leere Außenbereich eines Restaurants
Bild: DPA | Lakomski/Eibner-Pressefoto
Bild: DPA | Lakomski/Eibner-Pressefoto

Autoren

  • Patrick Florenkowsky
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Die Vier am Morgen, 8. Juni 2021, 6:40 Uhr