5G: So könnte die A27-Region Vorreiter bei schnellem Mobilfunk werden

Von Bremen über Bremerhaven bis Cuxhaven: Die Region will an einem Modellprojekt des Bundes teilnehmen. Ob Wirtschaft, Freizeit oder Mobilität: Diese Bereiche sollen profitieren.

Ein Mann klettert auf einem Sendemast.
Bremen und Niedersachsen wollen beim leistungsfähigen 5G-Mobilfunkstandard vorneweg gehen. Bild: DPA | Stefan Sauer

Wenn das mobile Internet richtig schnell ist, läuft vieles besser: Tourismus, Industrie 4.0, Logistik und autonomes Fahren – aber auch die Landwirtschaft oder das Rettungswesen. In der Region Bremerhaven-Bremen könnte das superschnelle Internet bald kommen. Entlang der Autobahn 27 soll das Modellprojekt "A27 Bremen-Niedersachsen" entstehen, um Anwendungsbereiche für den schnellen Netzstandard 5G zu testen.

Der Bremerhavener Wirtschaftsausschuss hat sich am Dienstag mit einer Beteiligung der Stadt an dem Projekt beschäftigt. "Im Rahmen der '5x5G-Strategie' der Bundesregierung sollen zunächst 50 Bewerbern die Kosten einer Konzepterstellung bezahlt werden", erklärt Frank Bittner von der Universität Bremen. Er ist als Forschungsmanager für Industrie- und Mobilfunk an dem Projekt beteiligt.

Beteiligte müssten Projekt kofinanzieren

Sollte der Zuschlag vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bis Jahresende kommen, wird das Konzept bis Ende März 2020 erarbeitet und dem Ministerium erneut vorgelegt. Damit will sich der Kooperationsverbund – bestehend aus Bremen, Bremerhaven und den Landkreisen Cuxhaven und Osterholz – um Mittel in Höhe von bis zu acht Millionen Euro bewerben, die die Regierung für fünf Regionen bereitstellt. Die vier Städte und Kreise müssten dies mit je einer Million Euro mitfinanzieren.

Hafen und Logistik als regionales Merkmal

Mehr Produktivität, eine effizientere Nutzung von Ressourcen und geringere Emissionen versprechen sich die Initiatoren laut der Vorlage für den Wirtschaftsausschuss. Menschen, die entlang der A27 wohnen, würden durch leistungsfähigeren Mobilfunk profitieren. Damit will sich die Region bei der 5G-Einführung weit vorne einreihen.

Bereits Anfang 2019 hatten die Initiatoren schriftlich Interesse beim BMVI bekundet. "Konkrete Anwendungen, Potenziale und Alleinstellungsmerkmale der Region würde im nächsten Schritt mit dem Konzept ausgearbeitet", sagt Bittner. Hafen und Logistik spielten dabei eine zentrale Rolle. Der zunehmende Kosten- und Zeitdruck in den Häfen erfordert laut Ausschusspapier dringend mehr Digitalisierung und zuverlässige Kommunikationsmöglichkeiten mit großen Datenpaketen.

Rettungszentren wären 5G-Anwender

Ein weiteres wichtiges Thema der Region sei das Rettungswesen. Dies betreffe Wattwanderer und Freizeitskipper ebenso wie Containerschiffe und Windparks. Das Maritime Sicherheitszentrum in Cuxhaven und die Zentrale der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen sind zwei wichtige, potenzielle 5G-Anwender. Im Bereich der fortschrittlichen Industrie 4.0 zähle eine echtzeitfähige Kommunikation sowie Vernetzung zwischen Mensch und Maschinen, aber auch Geräten untereinander. Autonomes Fahren sei ein Thema, das neben öffentlichen Straßen vor allem Hafengebiete und ihren enormen Warenumschlag betreffe – und für die 5G nötig sei.

Wir hoffen am Ende eine der fünf geförderten Regionen in Deutschland zu sein.

Frank Bittner, Universität Bremen

Den Tourismus sieht Bittner zwar nicht als wichtigste treibende Kraft des Projekts, jedoch ebenso wichtigen Standortfaktor. Hier geht es beispielsweise um moderne Freizeittechnologien wie Virtual-Reality-Brillen in Museen. Auch die Idee der Smart City wird in dem Magistratspapier zur 5G-Initiative genannt. Sie bezieht sich auf Bereiche wie intelligente Mobilität, digitale Verwaltung oder Green Economy.

Als besonderer Baustein gilt hier das nachhaltig ausgerichtete Bremerhavener Gewerbegebiet "Lune Delta", wo sich entsprechende Unternehmen ansiedeln und das Gebiet zum Smart-City-Hotspot machen könnten. "Bei dem 5G-Modellprojekt geht es darum, auszuprobieren und zu forschen", fasst Bittner die Pläne zusammen. "Wir hoffen am Ende eine der fünf geförderten Regionen in Deutschland zu sein."

Rückblick September: So könnte 5G die Bremer Wirtschaft verändern

Video vom 5. September 2019
Ein Mitarbeiter von Ubimax testet die Funktionen einer Datenbrille

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Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Nachrichten, Bremen Eins, 10. Dezember 2019, 19.00 Uhr