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Darum müssen Fahrschüler in Bremen wochenlang auf die Prüfung warten

Darum müssen Fahrschüler in Bremen wochenlang auf die Prüfung warten

Audio vom 30. Juli 2021
Ein Mann mit gelber Weste und ein Jugendlicher sitzen mit Maske im Auto.
In Bremen und Bremerhaven kann es derzeit mit der Führerscheinprüfung dauern. (Symbolbild) Bild: DPA | Oliver Dietze
Bild: DPA | Oliver Dietze

Zu den Träumen vieler junger Menschen zählt: endlich den Führerschein in Händen zu halten. Genau das ist im Land Bremen aktuell aber schwierig – es gibt Stau bei den Prüfungen.

Wie lange beträgt momentan die Wartezeit?
Es kann derzeit wochenlang dauern, sagt Klaus Lüttig aus dem Vorstand des Landesfahrlehrerverbandes Bremen. "Wartezeiten von fünf, sechs, sieben Wochen müssen in Theorie und Praxis im Moment einkalkuliert werden", so Lüttig. Normal wären demnach etwa zwei Wochen. Problematisch für die Fahrschülerinnen und Fahrschüler ist, dass sie beim Warten weiter in der Praxis bleiben müssen. Und das ist auf die Dauer mit zusätzlichen Kosten verbunden.
Woran liegt diese Verzögerung?
Es kommt gerade einiges zusammen. Zum einen: Corona. Durch die Pandemie konnten im letzten Jahr deutlich weniger Prüfungen absolviert werden, die mussten nachgeholt werden. Außerdem sind Führerscheine gerade besonders beliebt. So nimmt es jedenfalls der Vorsitzende des Landesfahrlehrerverbandes, Michael Kreie, wahr. Aktuelle Zahlen dazu gebe es allerdings erst Anfang kommenden Jahres. Aus Gesprächen mit Schülern hat der Fahrlehrer herausgehört, dass während der Pandemie zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel lieber gemieden werden. Daher bekäme das Auto derzeit einen anderen Stellenwert. Das merkt Kreie auch daran, dass viele seiner Fahrschüler jetzt wieder älter wären und den Führerschein mit Mitte 20 machen.
Es gab auch Veränderungen im Prüfungsverfahren, welche?
Für weitere Verzögerungen sorgt, dass die Dauer der praktischen Prüfungen um zehn auf 55 Minuten verlängert worden ist. Es können also weniger Prüfungen am Tag abgelegt werden. Laut Kreie wurde die pädagogische Umsetzung verändert und ein längeres Feedbackgespräch eingeführt. Außerdem gab es eine Vereinheitlichung des Fahraufgabenkatalogs.

Im Land Bremen ist zudem immer wieder die Terminvergabe für die Prüfungen neugeregelt worden, berichtet Kreie. Es sei eine gewachsene Gesamtsituation, die nun auf einem emotionalen Höhepunkt angelangt sei. Nach Gesprächen mit dem für die Prüfungen zuständigen TÜV und der Mobilitätsbehörde solle das Verfahren zum August erneut angepasst werden. Nun bleibe abzuwarten, ob sich der Knoten damit löse. Hinzu kommt – vermutet zumindest Fahrlehrer Lüttig – dass der TÜV aktuell zu wenig Prüfer hat.
Ist eine Lösung für den Prüfungsstau in Sicht?
Laut eines Sprechers des TÜV werde daran gearbeitet. Im Moment würden Urlaube verschoben und die Prüfer auch mehr an Samstagen arbeiten. So will der TÜV in absehbarer Zeit wieder zu einer Art Normalzustand kommen. Der Fahrlehrerverband fordert jetzt, dass der TÜV mehr Prüfer einstellt. Die entsprechende Ausbildung dauert allerdings rund zwei Jahre. Die Fahrlehrer befürchten daher, dass die Situation noch länger angespannt bleiben könnte. "Mit der Pandemie und der erhöhten Nachfrage hat keiner gerechnet", sagt Kreie. "Das haben wir alle nicht kommen sehen, nun müssen wir uns arrangieren."

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Autoren

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 29. Juli 2021, 16:15 Uhr