Fragen & Antworten

Von wegen Plastikmüll: Dieser neue Tiefkühlbeutel kommt ins Altpapier

Frosta und Iglo produzieren Tiefkühlprodukte in Bremerhaven. Statt auf Plastik setzen sie vermehrt auf nachhaltige Verpackungen. Kunden müssen sich auf höhere Preise einstellen.

Zwei Arme halten eine Pastik- und eine Papier-Verpackung nebeneinander.
Die neuen Beutel sind mit dem Papiermüll recycelbar. Bild: Frosta
Was ist neu?
Frosta tauscht in seinem Sortiment seit Januar bis Jahresende Stück für Stück Plastikverpackungen gegen selbstentwickelte und zum Patent angemeldete Papierbeutel aus. Damit ist das Unternehmen nach eigenen Angaben die erste Tiefkühlmarke, die diesen Schritt unternimmt. Anders als im Trockensortiment gab es demnach diese Möglichkeit im Tiefkühlbereich bisher nicht. Auch Iglo führt derzeit nachhaltigere Verpackungen in den Tiefkühlregalen ein: Fertiggerichte gibt es nun in Schalen aus Pappe statt wie bisher PET-Verbundmaterialien oder Aluminium. Bis 2022 sollen alle Verpackungen auf Papierbasis angeboten werden.
Zwei Arme halten eine Pastik- und eine Papier-Verpackung nebeneinander.
Bisher waren Frosta-Tiefkühlprodukte in Plastik verpackt (rechts), seit Anfang des Jahres wird auf Papierbeutel umgestellt. Bild: Frosta
Was steckt hinter der Idee?
Die Umstellung erfolgt bei Frosta vor allem, weil nach wie vor relativ wenig Plastik recycelt wird. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Felix Ahlers zu buten un binnen. Die Quote bei Papier sei mit über 80 Prozent im Vergleich zu den 25 Prozent beim Plastik deutlich höher. Dadurch könne außerdem weniger Plastik im Meer landen, schreibt Ahlers im Firmenblog.
Was muss das neue Material können?
Die technische Schwierigkeit bestand laut Ahlers darin, ein Feuchtigkeit und Fett abweisendes Papier zu finden, das das Produkt schützt. Die Lösung bestehe aus zwei Papierschichten, die mit pflanzlichem Kleber verklebt sind. Auch wenn die Produkte einmal antauen, sollen die Beutel halten.
Vergleich Plastik-EinsparungDurch die Umstellung spart Frosta künftig 40 Millionen Plastikbeutel jährlich, das entspricht nach eigenen Angaben der Menge an verkauften Packungen. Oder anders: 320 Tonnen Kunststoff im Jahr. Iglo gibt an, mit dem Schritt jährlich rund 250 Tonnen Aluminium einzusparen. = 320t Plastikbeutel 3,5 ausgewachsene Blauwale
So viel Tonnen Gewicht an Plastik werden eingespart
Ein Produktfoto zeigt ein Fischgericht mit Pappschale.
Bild: Iglo
Was ist anders als bei anderen Tiefkühlverpackungen?
Die Iglo-Schale besteht nach Unternehmensangaben zu 95 Prozent aus Pappe und hat eine backpapierartige Oberfläche. Dadurch lasse es sich einfach im Altpapier entsorgen und stelle einen Unterschied zu anderen papierbasierten Backofenschalen dar. Diese gelten aufgrund ihrer Beschichtung als Verbundmaterialien und könnten nicht recycelt werden. Anders als Aluminiumschalen können die Fertiggerichte nun auch in der Mikrowelle zubereitet werden.

Der Frosta-Papierbeutel ist laut Ahlers komplett ungebleicht und unbeschichtet. Es handele sich um Papier aus reiner Naturfaser, die aus zertifiziert nachhaltigen, wieder aufgeforsteten Baumbeständen stammen. Dieser nachwachsende Rohstoff sei in jedem Fall besser als Erdöl basiertes Plastik, das beim Verfeuern zu CO2 werde. Aufdrucke bestehen aus wasserbasierten Farben, wodurch die Beutel recycelbar bleiben.
Wie lief die Entwicklung?
Drei Jahre hat Frosta in die Entwicklung der Papierbeutel gesteckt, laut Ahlers hat dies wegen der komplexen Anforderung so lange gedauert. Iglo hat nach eigenen Angaben mit seinen Verpackungslieferanten zusammengearbeitet und das neue Material zunächst zwei Jahre lang getestet.
Was ist der Effekt der Umstellung?
Durch die Umstellung spart Frosta künftig 40 Millionen Plastikbeutel jährlich, das entspricht nach eigenen Angaben der Menge an verkauften Packungen. Oder anders: 320 Tonnen Kunststoff im Jahr. Iglo gibt an, mit dem Schritt jährlich rund 250 Tonnen Aluminium einzusparen.

So viel Tonnen Gewicht an Aluminium werden eingespart

Vergleich Aluminium-EinsparungDurch die Umstellung spart Frosta künftig 40 Millionen Plastikbeutel jährlich, das entspricht nach eigenen Angaben der Menge an verkauften Packungen. Oder anders: 320 Tonnen Kunststoff im Jahr. Iglo gibt an, mit dem Schritt jährlich rund 250 Tonnen Aluminium einzusparen. = 250t Aluminium-Schalen 2,5 ausgewachsene Blauwale
Welche Nachteile gibt es?
Zwar glaubt Ahlers, dass die Preissprünge aufgrund der vorherigen Investition in die Entwicklung nicht riesig werden. Dennoch ging das Unternehmen von etwa 20 Cent mehr pro Beutel aus. Der Vorstandsvorsitzende ist sich allerdings sicher, dass alle auch einen finanziellen Beitrag leisten sollten, um umweltfreundlicher zu leben. Weitere Nachteile zählt Ahlers im Firmenblog auf: Die neuen Beutel sollten wegen Rissgefahr nicht zu lange im Eiswürfelfach gelagert werden, ihre Optik ändert sich von weiß zu braun und Produktfotos aus Wasserfarben wirken darauf weniger brillant. Für Ahlers lohnenswerte Risiken.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier Läuft, Bremen Vier, 15. Januar 2019, 12:15 Uhr