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Das sind die schrägsten Namen der Bremer Friseursalons

Jeder zwölfte Friseursalon in Bremen und umzu trägt ein Wortspiel im Namen. Teils "hairlich" und verlockend, teils "verhairend" und haarscharf daneben.

Friseursalon im Schnoor
Einen Salon "Schnipp Schnapp" gibt es im Bremer Schnoorviertel – und einen auch in Bremerrhaven.

Vier Haareszeiten, Schnittstelle, Hairliner's: Die mit Abstand meisten Namesschöpfungen für Friseursalons in Bremen und umzu beinhalten das Wort Haar, gefolgt von Schnitt und Hair. Wie auch im Rest der Republik – das kam bei der Auswertung von über 20.000 Salon-Namen durch das Nachrichtenmagazin Spiegel heraus. Kopfgeld, Kopfgärtner und Querkopf: Regionale Friseure zeigen besonderes Köpfchen beim Erfinden von Salonnamen. In Bremen steht mit Cutting Crew auch eine Kultband aus den 80er Jahren für den Namen Pate. Skurril liest sich Cut’n Esch – in Kattenesch.  

Dirty Barber, Kammkunst und Hauptsache in Bremerhaven

Auch in Bremerhaven sind Friseursalons mit Wortspielereien im Namen längst etabliert. Und auch hier überwiegen – wie im Rest der Republik – die haarigen Neuschöpfungen: Hier findet man die Haarprofis, den Haarpalast, den Hair-Port und sogar eine Haar-Praxis. Bremerhavens Friseurinnungs-Vorstand Stefan Hartmann nennt seine drei Salons schon seit inzwischen 17 Jahren Haarscharf. Dahinter stecke keine ausgebuffte Marketingstrategie einer Werbeagentur, sondern schlicht die Verwandtschaft.

Auf meinen Namen hat mich Schwiegervattern gebracht.

Stefan Hartmann, Friseurinnung Bremerhaven

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"Namen aus der Hölle"?

Auch wenn sich beim Markenfachmann Dayen Hegemann von der Bremer Neuromarketingagentur Red Pepper bei einigen solcher "Namen aus der Hölle" die Nackenhaare aufstellen, hat er auch durchaus anerkennende Worte: "Ich finde es schon spannend, was da für Wortkreationen rauskommen. Friseursalons haben es eben auch echt schwer."

Haare schneiden ist halt Haare schneiden. Da macht der kreative Name manchmal schon einen wichtigen Unterschied. Ob das immer gelungen ist? Na ja, da mache ich mal ein Fragezeichen dran.

Dayen Hegemann, Red Pepper

Tradition versus "Krehaartivität"

Friseur-Salon in Stuhr
Oft wird die der Phantasiename noch mit dem Namen des Friseurs garniert. Manchmal fehlt der auch ganz.

Seit 25 Jahren ist Heiko Klumker selbstständiger Friseur. Seit rund 15 Jahren beobachtet er, wie immer mehr Kolleginen und Kollegen ihre Kreativität in phantasievolle Salonnamen stecken. Open Hair, Haarimpulse, Haircutter, Salonfähig, Heinrich Hair, Haarpunzel, Crehaartiv oder FriSir – der Rechtschreibung werden da so manche Locke gezwirbelt. "Vielleicht wollen die damit moderner erscheinen und sich von der Masse absetzen", mutmaßt der Obermeister der Friseurinnung Bremen. Für ihn selbst ist das kein Thema. Seine Kunden kommen zu Heiko: "Ich wollte, dass sie wissen, zu wem sie gehen und wer der Inhaber ist. Bei "Zauberhände" kann das jeder sein. Ich will, dass die Kunden einen Bezug haben zu mir."

Für Neuromarketingexperte Dayen Hegemann ist das "Warum", die Motivlage, entscheidend: "Die Frage ist ja: Was drückt der Name für mich aus? Was bedeutet mir der Friseurtermin? Gehe ich da hin, um mir fix die Haare schneiden zu lassen – oder ist das für mich ein Wellnesstermin und verbindet mich mit meinem Friseur eine persönliche Beziehung? Und letztere tun oft gut daran, keinen Phantasienamen zu wählen."   

Gute Namen sind "Kopfsache"

Friseur Headhunter im Bremer Viertel
Headhunter war in den 90er Jahren Vorreiter für "to go"-Friseurangeboten.

HAARem, Well-Kamm, HAARnisch oder FÖN-X: Bloß keine alten Zöpfe, – dann lieber an den Haaren herbeigezogen. Bei "headhunter" – da sind sich der Markenspezialist und der Bremer Innungschef einig – ist das Konzept mit dem frechen Namen aufgegangen. 1996 war der Salon Vorreiter der Branche, als er an der Bremer Sielwall-Kreuzung "cut and go" angeboten hat – der schnelle Schnitt für kleines Geld. "Die haben damals in der Tat geschafft, mit dem Namen eine ganz spezielle Kundschaft zu ziehen: einerseits Studenten und Viertel-Publikum, die einfach in Kauf genommen haben, zwei Stunden auf einen billigen Haarschnitt zu warten. Und sie haben damit auch Publikum gezogen, das mit dem Besuch zeigen wollte, wie hip es ist", sagt Markenfachmann Hegemann.

Auch Bremens Friseurinnungsvorstand Klumke räumt ein, dass hier der Zeitgeist getroffen wurde. Und auch den Name Contouren fand er treffend gewählt – denn als Symbol für Profil und Geradlinigkeit stand es sowohl für das Firmencredo als auch für die Charaktereigenschaften des inzwischen verstorbenen Besitzers. Für Bremerhavens Innungsvorstand Stefan Hartmann ist das Haarwerk im Geestland ein gelungenes Namens-Beispiel, weil der handwerkliche Aspekt des Friseurfachs damit klar hervorgehoben werde.

Die "Haarmonie" kann trügen

Friseur in Groß Ippener
Zu den beliebtesten Wortspielen gehört "Haarmonie". Und "Haarscharf" – wie hier in Groß Ippener.

Dass sein Name Haarscharf neben Haarmonie mit zu den meistgenutzten bundesweit zählt, ist für Hartmann kein Problem. Solange es keine gleichnamige Konkurrenz direkt um die Ecke gibt, geht das Konzept für ihn auf. Dayen Hegemann entwickelt selbst für Kunden Firmen- und Produktnamen - und macht auf ein Problem hinsichtlich der Namensrechte aufmerksam: "Ich würde immer dazu raten, den Namen markenrechtlich zu prüfen. Nicht alle Namen sind leicht zu schützen, aber bei der Namensfindung ist es sicher sinnvoll, sich rechtlich beraten zu lassen", sagt Dayen Hegemann von Red Pepper. Insbesondere dann, wenn sich mit den Namen tatsächlich eine echte Markenstrategie verbindet. Heiko Klumker ist da bekennender Traditionalist: Selbst ein Besitzerwechsel wäre für ihn kein Grund, sich dem Trend anzuschließen. Der Name ist für den Innungsvorstand aus Bremen die Visitenkarte: An ihm könne man ablesen, welchen Anspruch der Salon habe, worauf Wert gelegt wird.

Fönfetischisten in Oldenburg und Caract-Hair in Nienburg

Friseur Geheimratseck.
Ein Eckladen in Thedinghausen: Das Geheimratseck. Bild: Geheimratseck

Laut der bundesweiten Spiegel-Auswertung gibt es kein Stadt-Land-Gefälle bei den Coiffeur-Wort-Kreationen. An der Küste gibt es die Kopfgärtner, Haarrausch in Hatten, Sahaara in Wiesmoor, Haarika in Nordenham, Fön-X in Ottersberg, Querschnitt in Lilienthal oder auch das selbstironische Geheimratseck – bezeichnenderweise ein Eckladen in Thedinghausen. Tina Böschen und Heike Kind haben sich vor vier Jahren in Achim als Die Frisetten selbstständig gemacht. Und haben mit dem Namen unter den fast 40 Friseuren in der Umgebung ein echtes Alleinstellungsmerkmal. "Ich fand die Bezeichnung Friseuse oder Friseurin schon immer furchtbar und habe mich immer schon selbst Frisette genannt", sagt Heike Kind. "Und die Kunden finden den Namen auch gut. Mal was anderes eben." Der Idee zu Kamm In entstand vor zehn Jahren im Freundeskreis, sagt Jasmin Lehmkuhl aus Beverstedt. Ihr war wichtig, dass es ein deutscher Name ist. Dass die Doppeldeutigkeit nicht jeder Kunde erkennt, spielt keine Rolle. Sie amüsiert es eher, wenn Neukunden manchmal nach Frau Kamm In fragen.

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  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. Januar 2019, 23.30 Uhr