Klima-Protest in Bremen und Bremerhaven: So verlaufen die Demo-Routen

Nach einer Corona-Pause geht der globale Klimastreik von Fridays for Future in die nächste Runde. Im Land Bremen mit neuem Konzept.

Demonstranten laufen auf einem Weg neben einem Kanal entlang.
Einer der Demonstrationszüge der Klima-Aktivisten startet in der Nähe des Bremer Flughafens. Bild: Radio Bremen | Jens Otto

Die Corona-Pandemie hat nicht nur das öffentliche Leben, sondern auch die globalen Klimastreiks von Fridays for Future lahmgelegt. Nach einer mehrmonatigen Pause wollen die Organisatoren jetzt wieder im großen Stil auf die Straße. Am Freitag haben sie deshalb weltweit zum Protest aufgerufen. Auch in Bremen wird ein sogenannter Sonnenmarsch organisiert. Corona-konform und mit Hygiene-Konzept. Und in Bremerhaven wird ebenfalls protestiert.

Mehrere Demonstrationszüge zu unterschiedlichen Aspekten

Damit sich nicht zu viele Menschen in einem einzigen Umzug ansammeln, laufen mehrere kleinere Proteste parallel. In Bremen werden sechs verschiedene Demonstrationszüge um 10 Uhr an verschiedenen Standorten starten und sich in Richtung Osterdeich bewegen. Jeder von ihnen ist einem eigenen Thema gewidmet.

Die Treffpunkte sind die Kreuzung Waller Ring/Waller Heerstraße, die Mercedesstraße, der Hastedter Osterdeich, die Kreuzung zwischen Schwachhauser Heerstraße und Unter den Eichen, der Park am Flughafen und der Nelson-Mandela-Park hinter dem Hauptbahnhof. In der Mercedesstraße wollen die Teilnehmer eine Fahrraddemo organisieren.

Demonstrations-Routen in Bremen

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Verkehrsbehinderungen ab 10 Uhr erwartet

Erwartet werden nach Angaben der Veranstalter insgesamt zwischen 3.000 und 6.000 Teilnehmer. Zwischen 10 und 13 Uhr kann es also in Bremen zu Verkehrsbehinderungen rund um die Demonstrationsrouten kommen. Allerdings könnten sie von kürzerer Dauer sein als bei einer einzelnen Großdemo, prognostiziert die Polizei Bremen.

Da es sich [dieses Mal] um kleinere Gruppen handelt, dürften die Einschränkungen jeweils temporär sein.

Polizei-Pressesprecher Nils Matthiesen
Nils Matthiesen, Sprecher der Polizei Bremen

Die BSAG rechnet nach eigenen Angaben mit "gravierenden Störungen" im Betriebsablauf. Noch ist es unklar, welche Linien davon betroffen sein werden. Wie schon bei vorherigen Demonstrationen stellt das Verkehrsunternehmen einen Bus für mobilitätseingeschränkte Menschen zur Verfügung, der laut aktuellem Plan von der Bürgerweide starten sollte.

Die Abschlusskundgebung soll gegen Mittag auf den Osterdeichwiesen stattfinden. Dort wird eine sehr heterogene Gruppe von Rednern das Wort ergreifen. Erwartet werden unter anderem Menschen aus der Krankenpflege, Teilnehmer von der Initiative "Seebrücke Bremen" und den Bündnissen "Ende Gelände" und "Justice for Mohamed". Dazu soll eine Grußbotschaft von der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts aus der Antarktis ausgestrahlt werden. Neben umweltpolitischen Themen wird also auch über soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Fragen diskutiert.

Die Auswirkungen der Pandemie werden bei den Sicherheitsvorkehrungen sichtbar: Auch bei der abschließenden Kundgebung auf den Osterdeichwiesen soll auf eine räumliche Trennung der verschiedenen Demonstrationszüge geachtet werden. Es gelten zudem Maskenpflicht und die üblichen Abstandsregeln.

Zweigeteilte Aktion in Bremerhaven

In Bremerhaven ist die Demonstration der Fridays-for-Future-Bewegung diesmal zweigeteilt – in eine Fahrrad- und eine Sitzdemo. Um 13 Uhr startet der erste, etwa einstündige Teil am Hauptbahnhof und führt als radelnder Demonstrationszug durch die Stadt zum Theodor-Heuss-Platz. Von 14 bis 15 Uhr findet dort eine Sitzdemo mit Kundgebung statt – auch für alle Teilnehmer ohne Fahrrad.

Demonstrationsroute in Bremerhaven

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Die erwartete Teilnehmerzahl ist diesmal schwer abzuschätzen, sagt die 19-jährige Mitorganisatorin Yette Strauss Suhr. Es sei unklar, ob wegen Corona viele Demonstranten zuhause blieben, die sonst gekommen wären. Und auch, wie die Werbung an den Schulen funktioniert habe. Für die Raddemo sind nun 500 Personen angemeldet, für die Sitzdemo 1.000. Nach Einschätzung der Polizei seien diese Zahlen realistisch. Sie wird die fahrende Demo mit einer Fahrradstaffel begleiten. Sollten es bei der Sitzdemo mehr als 1.500 Menschen werden, müsste sie coronabedingt abgebrochen werden.

Wir hoffen auf viele Teilnehmer, aber nicht zu viele.

Yette Strauss Suhr, Mitorganisatorin

Mit größeren Verkehrsbehinderungen rechnet die Veranstalterin weniger, da sich die Fahrraddemo schneller als eine Fußdemo bewege. Die Route führt vom Hauptbahnhof über die Rheinstraße, Stresemannstraße, Rickmersstraße, Zolltor Roter Sand, Alte Bürger bis zum Theodor-Heuss-Platz. Nachdem für unterwegs bereits Zwischenstopps mit Redebeiträgen zum Thema Nachhaltigkeit geplant sind, sprechen bei der Kundgebung unter anderem der Geschäftsführer des Klimahauses Arne Dunker, Vertreter der Scientists for Future vom Alfred-Wegener-Institut sowie vom Jugendklimarat und der Fridays-for-Future-Bewegung. Außerdem soll das Programm zwischendurch mit einem Quiz zu verblüffenden Klima-Fakten aufgelockert werden.

Wegen der Corona-Pandemie gilt neben der allgemeinen Maskenpflicht ein Mindestabstand von anderthalb Metern unter den Demonstranten. Bei der Sitzdemo soll dies durch Kreidemarkierungen sichergestellt werden. Außerdem dürfen keine Plakate untereinander ausgetauscht werden und es sind diesesmal mehr Ordner im Einsatz.

Wer Krankheitssymptome hat, soll zu Hause bleiben, so Yette Strauss Suhr. "Corona war ein Einschnitt. Wir waren weit vorne im kollektiven Gedächtnis", sagt die 19-Jährige. Dann sei Corona in den Vordergrund gerückt – zurecht. Auch die Zahl der in Bremerhaven im Organisationsteam Aktiven habe sich dadurch verringert. Es sei jedoch wichtig, dass die Menschen begreifen, dass der Klimawandel trotz Corona ein Problem ist. "Denn obwohl unsere Welt gerade den Atem anhält: die Folgen des Klimawandel warten nicht, bis ein Corona Impfstoff fertig ist."

Corona-Krise hält FFF-Bewegung nicht auf

Hauptziel der Demonstration bleibt weiterhin die Einhaltung des 1,5-Grad-Klimaziels. Die Aktivisten und Aktivistinnen fordern bis 2030 für Bremen unter anderem die Klimaneutralität, Energien komplett aus erneuerbaren Quellen und eine "radikale Verkehrswende mit der 'Autofreien Stadt Bremen'". Die Corona-Krise beeinflusst also die Bewegung, wird sie aber offenbar nicht aufhalten. Organisatorin Frederike Oberheim sagt dazu: "Die Klimakrise geht weiter, die Kipp-Punkte kommen immer näher und deshalb müssen wir jetzt Veränderungen sehen."

Wie Bremer Klimaktivisten während Corona virtuell streiken

Video vom 24. April 2020
Die Klimaaktivistin Frederike Oberheim im buten un binnen Studio.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Serena Bilanceri
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. September 2020, 19:30 Uhr