Freimarkt ohne Alkohol? Das sind die Erfahrungen anderer Städte

Für den Freimarkt-Ersatz soll ein Alkoholverbot gelten. Schausteller befürchten weniger Besucher. Ist diese Sorge berechtigt?

Ein Schild weist in der Innenstadt von Kassel auf das Alkoholverbot hin.
Auf dem Ersatz-Freimarkt soll in diesem Jahr kein Alkohol ausgeschenkt werden. Bild: DPA | Uwe Zucchi

Geht es nach dem Bremer Senat soll beim Ersatz-Freimarkt in diesem Jahr kein Alkohol ausgeschenkt werden. Wegen der Corona-Pandemie ist die Veranstaltung, sofern sie denn überhaupt stattfindet, als temporärer Freizeitpark geplant und wird wahrscheinlich auch nicht den Namen "Freimarkt" tragen. Zudem sollen besondere Beschränkungen gelten, etwa was die Anzahl der Besucher betrifft.

Bier und Wein statt Schnaps

Dass in diesem Jahr alles anders ist, dafür haben auch die Bremer Schausteller Verständnis. Das Alkoholverbot aber sorgt bei ihnen für große Verärgerung: "Wir wollen ja kein Saufgelage veranstalten und hochprozentigen Alkohol anbieten, aber Wein und Bier auszuschenken, das sollte möglich sein", sagt der Vorsitzende des Schaustellerverbandes des Landes Bremen, Rudolf Robrahn. Seine Befürchtung: Ohne Alkohol bleiben die Besucher weg und damit auch die Einnahmen:

Die meisten werden sich denken: Wenn ich nicht einmal ein Bierchen oder eine Weinschorle trinken kann, gehe ich da erst gar nicht hin.

Rudolf Robrahn, Bremer Schaustellerverband

Ähnlich sieht das sein Kollege Karlheinz Heine. Der zweite Vorsitzende des Bremer Schaustellerverbandes betreibt selbst zwei Fahrgeschäfte. Im Juli und August war er damit schon auf mobilen Freizeitparks, unter anderem in Koblenz und Paderborn. Auch dort gab es zunächst ein Alkoholverbot. "Und es lief gar nicht gut", sagt Heine.

Verbot wurde zurückgenommen – wegen der Schausteller

Zwei Wochen nach Eröffnung des "Schängellandes" in Koblenz wurde das Verbot von der Stadt zurückgenommen. "Auf Bitte der Schausteller haben wir das geändert", erklärt Stadtsprecher Heiko Breitbarth gegenüber buten un binnen. Allerdings habe man nur den Ausschank von Bier und Wein erlaubt. "Hochprozentiger Alkohol war nach wie vor verboten", sagt Breitbarth.

Genau diese Regelung wünscht sich Heine auch für die Freizeitpark-Variante des Freimarkts: "Nachdem in Koblenz Wein und Bier erlaubt war, lief es deutlich besser, was die Besucherzahlen anging", sagt der Schausteller. Die Stadt Koblenz kann dazu nichts sagen: "Konkrete Besucherzahlen liegen uns nicht vor", so Breitbarth.

Karussells auf dem Tivoli Wunderland in Paderborn.
Beim "Tivoli Wunderland" in Paderborn wurde das Alkoholverbot kurz nach Beginn der Veranstaltung zurückgenommen. Bild: Stadt Paderborn | Besim Mazhiqi

Die gleiche Erfahrung, sagt Schausteller Heine, habe er aber auch beim temporären Freizeitpark "Tivoli Wunderland" in Paderborn gemacht: "Auch dort war die Veranstaltung erfolgreicher, nachdem Bier und Wein erlaubt war." Wie in Koblenz galt auch für den Freizeitpark in Paderborn zunächst ein Alkoholverbot.

"Das wurde allerdings am zweiten Wochenende aufgehoben – allerdings nicht, weil die Schausteller darum gebeten hatten, sondern weil es in Nordrhein-Westfalen eine rechtliche Änderung gab", erklärt der stellvertretende Marktmeister der Stadt Paderborn, Jürgen Klenke. Diese rechtliche Änderung habe nicht nur den Ausschank von Bier und Wein, sondern auch von hochprozentigem Alkohol erlaubt, so Klenke.

"Familienfest, aber kein Kindergeburtstag"

Insgesamt habe beim "Tivoli Wunderland" alles gut funktioniert. Probleme habe es nicht gegeben, sagt der Paderborner Marktleiter: "Von den insgesamt 40 Betrieben gab es aber auch nur einen einzigen Ausschankbetrieb." Auch die Schausteller hätten ihm zurückgemeldet, dass sie mit der Veranstaltung zufrieden gewesen seien: "Mit dem Tivoli konnten sie einen Teil ihrer Fixkosten decken", sagt er. Dass die Bremer Schausteller wegen des geplanten Alkoholverbots um Besucher und damit um ihre Einnahmen fürchten, kann er nachvollziehen: "So ein Bierchen schafft Verweilqualität und sorgt dafür, dass das Kind im Karussell bleibt."

Schausteller Karlheinz Heine könnte sich für den Ersatz-Freimarkt auch einen Kompromiss vorstellen: So könne Bremen den Ausschank von Wein und Bier nach einigen Tagen doch noch erlauben, wenn sich das Hygienekonzept bis dahin bewähre. "Wir wollen beweisen, dass wir es können", sagt Heine. Sein Kollege Rudolf Robrahn findet noch deutlichere Worte: "Das soll dieses Jahr ein Familienfest werden, aber kein Kindergeburtstag."

Was wird aus dem Bremer Freimarkt 2020?

Video vom 9. September 2020
Mehrere Bierkrüge stehen auf einem Tisch.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 10. September 2020, 16 Uhr