Fragen & Antworten

Fällt die Freibad-Saison 2021 wegen Corona ins Wasser?

Bald startet die Freibad-Saison – eigentlich. Die Bäder im Land Bremen und im Umland hoffen, zumindest mit Hygienekonzept öffnen zu dürfen. Ob und wann das geht, ist unklar.

Video vom 29. April 2021
Das Stadionbad am Weserstadion ohne Gäste an einem trüben Tag bei Regen.
Bild: Radio Bremen
Kann die Freibadsaison ganz normal starten?
Das wissen die Betreiber der Schwimmbäder in Bremen und Bremerhaven selbst noch nicht. Die Entscheidung hänge natürlich davon ab, wie die Situation sich entwickelt, sagen die Bremer Bäder. Normalerweise startet die Saison in den städtischen Freibädern Anfang bis Mitte Juni. Ob das dieses Jahr auch so sein wird und welche Regeln es geben wird, ist aber noch unklar. In Bremerhaven sollen alle Bäder bis zum 9. Mai soweit vorbereitet sein, dass sie innerhalb weniger Tage öffnen können – sobald die Politik das "Go" gibt, so die Bädergesellschaft Bremerhaven.

Doch auch, wenn die Freibäder schließlich öffnen dürfen, müssen sie wohl einige Regeln beachten. So durfte im vergangenen Jahr zum Beispiel nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern gleichzeitig in die Freibäder. Außerdem gab es eine Maskenpflicht auf der Liegewiese und der Mindestabstand musste eingehalten werden. Mit ähnlichen Regeln rechnet das Bremer Gesundheitsressort laut Sprecher Lukas Fuhrmann auch in diesem Jahr.
Wie geht es den Schwimm- und Freibädern im Land Bremen?
Ohne Badegäste fehlen selbstverständlich auch den Schwimmbädern die Einnahmen. Doch sowohl die Bädergesellschaft Bremerhaven als auch die Bremer Bäder werden durch die Städte finanziell unterstützt.
Die Bremer Bäder haben fürs vergangene Jahr ein coronabedingtes Minus von zwei Millionen Euro zu verzeichnen. Das Defizit will die Bremer Bäder Gesellschaft beim Land anmelden, damit es über den Bremen Fonds ausgeglichen wird. Eine Zusage dafür gibt es noch nicht. Mitte vergangenen Jahres war der Verlust sogar auf drei Millionen Euro geschätzt worden. Allein die Freibäder verzeichneten weniger als die Hälfte der Besucher des Vorjahres.
Gibt es andere Möglichkeiten, schwimmen zu gehen?
Eine Möglichkeit, trotz geschlossener Schwimm- und Freibäder schwimmen zu gehen, sind natürlich die Badeseen im Land Bremen und in der Umgebung. Im vergangenen Jahr war der Aufenthalt und das Schwimmen dort unter Einhaltung der Hygiene- und Kontaktregeln durchgehend erlaubt. Das wird wohl auch in diesem Jahr wieder so sein.

Im Bremer Umland gibt es zudem die Möglichkeit, ein Becken oder direkt ein ganzes Schwimmbad privat zu mieten. Unter Beachtung der Kontaktbeschränkungen darf man dort dann als Familie oder Kleingruppe für den bezahlen Zeitraum nach Lust und Laune Schwimmen und Planschen. Angeboten wird das zum Beispiel von der Grafttherme in Delmenhorst oder im Hallenbad in Worpswede. In Bremen und Bremerhaven ist solch ein Angebot allerdings nicht geplant: Der Aufwand sei zu groß und der Ertrag zu niedrig, so die Bädergesellschaft Bremerhaven.
Wie sieht es mit Schwimmkursen aus?
Während das Schulschwimmen für die Drittklässer im Land Bremen bis vor Kurzem noch stattgefunden hat, sind die Kurse der Schwimmvereine wie die der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in den letzten Monaten komplett ausgefallen. Und auch mit ihren Eltern konnten die Kinder wegen der geschlossenen Schwimmbäder nicht üben. Das ist ein großes Problem, sagt Philipp Postulka vom Bremer DLRG-Landesverband. Denn schon vor Corona konnte laut einer Studie in Deutschland nur jedes zweite Kind sicher schwimmen.

Durch Corona verschärft sich die Situation noch weiter – und auch, wenn die Bäder irgendwann wieder öffnen dürfen, werden sich die Folgen noch bemerkbar machen, befürchtet Postulka. Zwar seien die Schwimmlehrer und Schwimmlehrerinnen bereit, sofort wieder mit den Kursen anzufangen. Doch all die Kinder, deren Schwimmkurse aktuell ausfallen, müssten diese dann nachholen. "Die Wartelisten explodieren", beschreibt Postulka.

Schon vor Corona hat man zwei bis drei Jahre für einen Seepferdchen-Kurs gewartet. Aktuell ist das noch mal mehr geworden.

Philipp Postulka, Sprecher des DLRG-Landesverbands Bremen

Um dem entgegenzuwirken und "den Stau aufzufangen" fordern Philipp Postulka und die DLRG, die Bäder möglichst bald wieder für Vereine zu öffnen – und dann das Vereinsschwimmen zu priorisieren und ausreichend Zeit- und Bahnkapazitäten zur Verfügung zu stellen. Das es durch die vielen Ausfälle einiges nachzuholen gibt, sagt auch Laura Schmitt von den Bremer Bädern. "Wir sind aber bemüht, ein ausreichendes Angebot zur Verfügung zu stellen, damit wir in den nächsten Jahren nicht zu viele Nichtschwimmer haben", so Schmitt.

Wie steht es um die Bauarbeiten an den Bremer Schwimmbädern?
Seit 2018 ist das Horner Bad geschlossen und wird komplett umgebaut. Trotz Corona schreiten die Arbeiten laut der Bremer Bäder GmbH gut voran. Die Eröffnung sei für Anfang 2022 geplant. Auch das Westbad wird umgebaut, vermutlich mindestens bis Sommer 2025. Bis diese beiden Schwimmbäder fertig sind, soll das Unibad weiter genutzt werden. Allerdings gibt es immer wieder Diskussionen, ob das in die Jahre gekommene Bad noch solange durchhält. "Bisher hält es – und wir hoffen natürlich, dass das so bleibt", sagen die Bremer Bäder.

Neben diesen großen Projekten wollen die Bremer Bäder möglichst viele Arbeiten, die in den anderen Schwimmbädern eigentlich für den Sommer geplant waren, vorziehen und schon jetzt erledigen. Das war auch im vergangenen Jahr so. Was dabei umgesetzt werden kann, hänge aber auch von der Verfügbarkeit der beiligten Firmen ab.

Rückblick: Schwimmvereine frustriert über Lage der Bremer Bäder

Video vom 2. September 2020
Eine Aufnahme des Richtfestes des Horner Bades.
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Autoren

  • Rebecca Küsters
  • Sven Weingärtner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. April 2021, 19:30 Uhr