Diese Fotos machten Bremerhavener Seemänner vor mehr als 50 Jahren

Autorin Julia Dellith war von den alten Bildern aus der Seefahrer-Zeit ihres Vaters begeistert. Sie suchte nach weiteren Fotos – die besten hat sie jetzt veröffentlicht.

Seemänner malen den Namen am Heck der "M.S. Bieberstein" nach.
Im Hafen von Corpus Christi in Texas mussten diese Seeleute den Namen des Schiffes "MS Bieberstein" an das Heck malen. Ziel der Reise 1955/56 war Mexiko. Bild: sailorsphotos.de | Gerd Witte

"Wir lagen mit der 'Nabob` vor Borongan und hatten sonntags frei. Mit einem Motorboot sind wir zu einer kleinen Insel gefahren, haben vor einem Dorf geankert und sind von da aus ins Wasser gesprungen. Dann kamen plötzlich viele Kinder aus dem Dorf und haben uns neugierig beobachtet, sehr niedlich." Dieser Moment seiner Seefahrer-Karriere 1956 auf den Philippinen ist Adolf Dellith besonders in Erinnerung geblieben. Ein Foto davon klebt in seinem Fotoalbum. Und das ist nicht das einzige Bild. Von 1953 bis 1970 fuhr er für die Bremer Reederei "Norddeutsche Lloyd" zur See.

1956 auf den Philippinen: Kinder umringen einen Seemann der "T.S. Nabob"
1956 war Adolf Dellith mit seinen Kameraden auf den Philippinen. Die Kinder dort begutachteten den damals 19-jährigen Dellith neugierig. Bild: sailorsphotos.de | Adolf Dellith

Besonders fasziniert von diesen Fotos ist seine Tochter Julia. Sie hat Kunstgeschichte und Geschichte studiert und sich in den letzten Jahren vor allem mit Fotografie und Fotogeschichte beschäftigt. Dabei kam ihr die Idee, ein Buch daraus zu machen und dafür noch mehr Fotos zu recherchieren. Sie startete einen Aufruf und bekam Kontakt zu rund 60 ehemaligen Seeleuten, von denen sie einige sogar treffen konnte. Insgesamt kamen so rund 5.000 Fotografien zusammen. Die besten Aufnahmen sind in Julia Delliths Buch "The Great Escape: Geschichten von der Seefahrt 1950-1970" im Kettler-Verlag erschienen.

Die Fotos zeigen die Entwicklung von Segelschulschiffen bis hin zur Containerschifffahrt. Angeordnet sind die Bilder nach den üblichen Reiserouten nach Nordamerika, Südamerika und Südostasien. Außerdem sind beliebte Passagierfahrten nach Nordeuropa, Richtung Kanaren und in die Karibik abgebildet.

Kleinbildkameras waren damals gerade so erschwinglich, wie die Seefahrer berichteten. Die damals gängige Agfa Clack kostete beispielsweise in den 50er-Jahren 15 Deutsche Mark (DM). 1958 bekam ein Decksjunge 65 DM pro Monat inklusive Verpflegung, ein Leichtmatrose schon 150 und ein Matrose ab 300 DM aufwärts.

Eine Frau lächelt in die Kamera.
Julia Dellith hat die schönsten Seemannsbilder in einem Buch veröffentlicht. Bild: Julia Dellith

Für die Bremerhavener Männer war die Seefahrt damals die Gelegenheit, mehr von der Welt zu sehen und Abenteuer zu erleben. Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts zerstört, an unbeschwertes Reisen war nicht zu denken. Und oft herrschte Langeweile, insbesondere, wenn die Schiffe lange in einem Hafen liegen bleiben mussten. Die Seefahrer hatten dann oft die Gelegenheit, das Landesinnere zu erkunden. So entstanden nicht nur Bilder von Bord, sondern auch Aufnahmen von Landschaften und Menschen aus verschiedensten Ländern.

Ich bin immer noch begeistert, was für schöne Fotos ich zu sehen bekommen habe.

Julia Dellith, Autorin

Rückblick: Wie leben die Matrosen? (1962)

Video vom 21. Juli 1962
Schiffe im Bremer Überseehafen bei Nacht, 1962.
Bild: Radio Bremen | Jutta Vialon

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Autorin

  • Sonja Harbers Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 26. Februar 2021, 23:30 Uhr