Fragen & Antworten

Ungewisse Zukunft: Was passiert mit der Bremer Pilotenschule?

Seit einem halben Jahrhundert wird fast jeder Pilot der Lufthansa in Bremen ausgebildet. Doch nun muss die Airline sparen und 500 Flugschüler ihre Ausbildung abbrechen.

Angehende Flugpilotin in einem Simulator (Symbolbild)
Die Bremer Flugschule hat Tradition. Ob diese fortleben kann, ist aktuell jedoch mehr als ungewiss. (Archivbild) Bild: Imago | Aurora Photos
In Bremen lernen fast alle Piloten der Lufthansa das Fliegen. Bleibt das so?
Schwer zu sagen – heute haben etwa 500 Flugschüler jedenfalls erfahren, dass ihr Weg an der European Flight Academy Bremen nicht weiter geht. Die Lufthansa beendet vorzeitig ihre Ausbildungsverträge. Das heißt: sie dürfen den Pilotenschein im Konzern nicht mehr machen. 170 angehende Piloten und Pilotinnen haben dagegen Glück, sie können den Flugschein beenden – die allermeisten auch in Bremen.
Einen Bedarf an weiteren Piloten gibt es aktuell jedoch nicht wirklich. Gehen diese 170 Flugschüler nach ihrer Ausbildung direkt in die Arbeitslosigkeit?
Tatsächlich eine Stelle zu finden, scheint momentan ausgesprochen schwer. Aus diesem Grund habe die Lufthansa Aviation Training laut Sprecher auch dringend dazu geraten, die Ausbildung abzubrechen – und zwar auch den 170 Schülern, die weiter machen dürften. Es gebe im Moment einen riesigen Piloten-Überhang. Wenn das Geschäft wieder anzieht, kämen erst tausende andere Piloten zum Zug, die jetzt in Kurzarbeit sind.
Und es gibt noch ein weiteres Risiko für die Flugschüler: Sie müssen ihre Ausbildungskosten zurückzahlen. An sich unproblematisch, wenn sie gleich einen Job bei der Lufthansa bekommen. Da das aber mehr als unwahrscheinlich sei, hätten sie laut Sprecher nicht nur keinen Job, sondern auch noch 80.000 Euro Schulden.

Bremer Luftfahrtexperte: "Weltweite Bremer Berühmtheit würde wegfallen"

Video vom 23. September 2020
Der ehem. Prof. für Luftfahrttechnik und Fluglehrer Bernd Hamacher im Interview bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Was machen jetzt die 500 Flugschüler, die raus sind?
Die haben zwei Möglichkeiten. Erstens: Die Schüler pochen auf ihre Ausbildung. Es gibt ja schließlich einen Ausbildungsvertrag zwischen Schüler und Lufthansa – heißt: auch die Lufthansa ist Verpflichtungen eingegangen. Deswegen, so ein Personalvertreter aus der Flugschule, biete die Lufthansa an, dass die Schüler ihre Ausbildung an einer anderen Flugschule beenden können. Der Nachteil ist dann: mit einem solchen Pilotenschein kommt man kaum ins Cockpit einer Lufthansa-Maschine. Damit gilt dann auch nicht der Krisen-Tarifvertrag. Dass man mit so einem Pilotenschein Arbeit findet, ist also nicht ausgemacht.
Die zweite Möglichkeit: man macht etwas anderes, sucht sich also eine neue Ausbildung. Dazu rät auch der Lufthansa-Vorstand den Schülern – sie sollten sich doch umorientieren.
In einem Jahr sind auch diejenigen fertig, die weitermachen dürfen – was passiert dann mit der Schule?
Das ist noch offen, hängt aber unter anderem auch noch an einem ganz anderen Beteiligten: der Bundeswehr. Diese lässt ihre Piloten auch in Bremen ausbilden – bis jetzt. Im November soll es eine Entscheidung geben, ob das so bleibt. Wenn ja, habe die Flugschule eine Chancen, die Krise zu überstehen, sagt Fluglehrer Peter Hahn. Und tatsächlich gibt es Signale aus dem Bundesverteidigungsministerium, die Hoffnung machen. Sicher ist aber auch: in den kommenden Jahren werden in Bremen weniger Piloten ausgebildet werden. Was das für die 150 Mitarbeitenden in der Schule heißt, wird man sehen. Hahn zufolge, der auch Personalvertreter ist, seien alle bereit, einen Beitrag zu leisten, damit die Schule mit möglichst allen Kollegen an Bord bleibt.

Wie geht es für die Lufthansa-Flugschule Bremen weiter?

Video vom 23. September 2020
Ein Schild vor einem Gebäude trägt die Aufschrift "European Flight Academy".
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Nachmittag, 29. September 2020, 16:40 Uhr