Exklusiv

Personalmangel: Schon wieder Koffer-Chaos am Flughafen

Seit Monaten beschweren sich Passagiere über die Gepäckausgabe am Bremer Flughafen. Während der Sommerferien hatte es dort teils stundenlange Wartezeiten gegeben. Der Grund: zu wenig Bodenpersonal. Der Flughafenchef versprach Abhilfe, aber noch hat sich offenbar nichts getan, wie ein Beispiel vom letzten Wochenende zeigt.

Gepäckabfertigung am Flughafen Bremen
Dem Bremer Flughafen fehlt Bodenpersonal. Die Gepäckausgabe leidet darunter.

Hunderte Male, sagt Frank Fromme, ist er schon ab Bremen geflogen und eigentlich mit dem Flughafen zufrieden. Doch am Sonntagabend war er es nicht. Zurück von einer Urlaubsreise mit seiner Frau habe er in Bremen eine Stunde lang auf das Gepäck gewartet. Inmitten Hunderter anderer, so der Geschäftsmann. Per Durchsage seien die Passagiere wieder und wieder um Geduld gebeten worden. Doch irgendwann war es Fromme zu viel. Wo denn das Gepäck bleibe, fragte er einige Flughafen-Mitarbeiter. "Die haben dann einfach die Augen gerollt und gesagt: 'Wir können nichts daran ändern. Wir haben kein Personal. Da sind heute Abend nur noch zwei oder drei Leute, und die kommen da nicht hinterher'."

Hat Lufthansa Vorrang?

Kurz darauf habe es die nächste Ansage gegeben: Passagiere des Lufthansa-Fluges aus München, der zuletzt gelandet war, bekämen ihr Gepäck vor den wartenden Urlaubsrückkehrern – denn Lufthansa habe Vorrang. "In dem Augenblick, als das gesagt wurde, kam von den Fluggästen die Frage: 'Wie? Das kann doch jetzt wohl nicht sein? Wir warten doch schon 'ne gute halbe Stunde hier. Und die, nur weil sie Lufthansa sind, werden dann bevorzugt abgefertigt?' 'Ja, das ist so geregelt', sagte man uns." Letztlich mussten sich aber auch die Lufthansa-Passagiere einreihen, sagt Fromme. Die Entrüstung der anderen sei zu groß gewesen. Hat Bremen also tatsächlich einen Zwei-Klassen-Flughafen?

Florian Kruse vom Bremen Airport
Florian Kruse vom Flughafen Bremen.

Sprecher Florian Kruse weist das für die Geschäftsleitung zurück. "Grundsätzlich ist diese Sache unabhängig von Airlines. Wir bevorzugen da keinen, hatten hier aber am Sonntag Extremfälle, wo wir acht Airlines innerhalb von 43 Minuten abfertigen mussten. Das ist viel für uns, gerade an einem Sonntag, der sonst eher verkehrsärmer ist, so dass wir hier eine starke Belastung hatten." Unerwartet viel Betrieb also – doch auch weniger Gepäckabfertiger. Denn Anfang des Jahres hatte der Bremer Flughafen sein Bodenpersonal ausgelagert und dabei auch kräftig ausgedünnt.

Zu wenig Bodenpersonal nach Auslagerung

"Beim Bodenpersonal herrscht nach wie vor Alarm", sagt dazu Betriebsratschef Andree Hoberg. Vor allem am Wochenende fehlten Kräfte. 11 bis 15 Mitarbeiter würden zusätzlich gebraucht. Das zuvor möglicherweise zu viele Kräfte eingespart wurden, weist der Flughafen-Sprecher aber zurück. "Der Flughafen hat nicht zu viel Personal abgebaut, und es wurde auch niemandem gekündigt." Allerdings gebe es Fluktuation, so der Sprecher weiter, und deshalb suche der Flughafen neue Bodenabfertiger. Das geht allerdings nicht von heute auf morgen, denn bei jedem neuen Bewerber müssen erst die Sicherheitsbehörden ihr Okay geben. So lange werden Mitarbeiter anderer Abteilungen des Flughafens bei der Gepäckausgabe helfen müssen.

Frank Fromme
Vielflieger Frank Fromme hat zuletzt lange aufs Gepäck warten müssen.

Selbst die Feuerwehrleute vom Airport springen dafür schon mal ein. Der Sprecher des Flughafens ist aber optimistisch. "Wir hatten im Sommer noch zusätzlich Probleme mit kleinen Störungen in der Gepäckförderanlage. Die haben wir nachgebessert, so dass wir davon ausgehen, auch zukünftig wieder normal mit der guten Servicequalität, die man hier in Bremen sonst gewöhnt ist, am Markt agieren zu können."

Vergangenen Sonntag aber könnte der Bremer Flughafen einige Fluggäste verprellt haben. Das glaubt jedenfalls Frank Fromme, der so lange warten musste. "Es sind einige Gäste dabei gewesen, die das ganz klar formuliert haben, dass so etwas nicht sein darf. Und dann nehmen wir doch das nächste Mal wieder Hannover oder Münster und so weiter. Und das kann dem Bremer Flughafen doch nicht wirklich in die Karten gespielt haben."

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, 24. August 2017, 8:40 Uhr