Infografik

Fleischkonsum in der Diskussion: Diese Fakten sollten Sie kennen

Selten war Fleisch so sehr im Gespräch wie derzeit. Prekäre Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen, Tierwohl-Debatte und Klimawandel. Wir haben die Statistiken gewälzt.

Luftgetrocknete Mettwurst hängt vor einer grauen Wand (Symbolbild)
Von der Wurst bis zum Hähnchenschenkel: Die meisten Deutschen essen Wurst und Fleisch. Geschätzt sieben Prozent der Bevölkerung lebt vegetarisch. Bild: Imago | Chromorange

Rund 60 Kilogramm Fleisch isst ein Mensch in Deutschland pro Jahr im Schnitt – Tendenz leicht sinkend. 2010 waren es noch 68,9 Kilogramm. Dass der Konsum von Fleischprodukten derzeit rückläufig ist, zeigt auch der Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums, der im Mai vorgestellt wurde. Dort gaben 26 Prozent der Befragten an, jeden Tag Wurst oder Fleisch zu essen. In der ersten Befragung vor fünf Jahren waren es noch 34 Prozent. Der Ernährungsreport ist eine repräsentative Forsa-Umfrage.

Trotzdem sind selbst die derzeit rund 60 Kilo pro Jahr und Kopf immer noch doppelt so viel, wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Auch die Bremer Verbraucherzentrale rät zu einem bewussteren Umgang mit dem Nahrungsmittel Fleisch.

Zurück zum Sonntagsbraten ist eine schöne Idee. Es geht darum, zu wissen, wo kommt das Fleisch her, wie hat das Tier gelebt, wie wurde es geschlachtet, wie ist der Verarbeitungsgrad. Man sollte sich bewusst machen, was es bedeutet, Fleisch zu essen.

Sonja Pannenbecker, Verbraucherzentrale Bremen

Schwein – der Deutschen liebstes Fleisch

Schweinefleisch ist nach wie vor das beliebteste Fleisch in Deutschland. Nach Zahlen von Statista hat ein Deutscher 2018 35 Kilo Schweinefleisch gegessen. Geflügel ist demnach das zweitbeliebteste Fleisch mit rund 13 Kilo pro Kopf. Dann folgen Rind- und Kalbsfleisch (rund 10 Kilo). Schaf und Ziege machen nur 600 Gramm pro Person und Jahr aus.

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In Deutschland wird mehr Schweinefleisch produziert als gegessen wird, daher ist der Außenhandel ein wichtiger Bestandteil der Branche. Deutschland gehört zu den weltweit größten Exporteuren von Schweinefleisch. Die Produktion hat sich spezialisiert, das Leben der Schweine ist durchgetaktet. Drei bis vier Wochen werden die Ferkel gesäugt, dann weitere sechs bis acht Wochen aufgezogen bis sie vom Ferkelzüchter an den Mäster verkauft werden. Dort werden sie in drei Monaten auf ihr Schlachtgewicht gebracht, bis sie, ein halbes Jahr alt, den Weg zum Schlachthof antreten.

In der konventionellen Landwirtschaft ist Stallhaltung die Norm. Die Schweine haben von ihrer Geburt bis zum Tod in den meisten Fällen nicht einmal die Sonne gesehen. Die Zuchtsauen verbringen außerdem viele Monate ihres Lebens in so genannten Kastenständen, in denen sie nur liegen und stehen, sich aber nicht umdrehen können.

Das Schwein: Wie alt sie werden und wie viel Platz sie haben

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Eine illustriertes Schwein welches an Bauch, Nacken und Hinterteil Informationen über den Fleischkonsum der Deutschen verbirgt. 95 Kilo wiegt ein Schweinbei der Schlachtung im Schnitt Platz: Laut gesetzlichem Standard stehen einem Schwein bis 110 Kilo 0,75 qm Platz zu.Ein Zugang nach draußenist nicht vorgeschrieben.Bei EU-Bio sind es mindestens 1 qm, Zugang zu Frischluft und Wühlmaterial 52 Millionen Schweine aus deutscher Zucht wurden 2019 geschlachtet Von 0 auf über 100 Kilo: In 6 Monaten werden die Ferkel zum schlachtreifen Schwein gemästet – sie könnten bis zu 10 Jahre alt werden
Bild: Radio Bremen

Niedersachsen ist übrigens "Schweineland". Rund ein Drittel der deutschen Tiere stammen hierher. Laut Statistischem Bundesamt haben 2019 25,63 Millionen Schweine in Deutschland gelebt, rund acht Millionen davon in Niedersachsen. 5.300 Schweinehalter gibt es dort, doch die Zahl der Betriebe sinkt seit Jahren. Viele kleine Höfe geben auf. Weniger und dafür größere Betriebe beherrschen den Markt. Bremen hat übrigens nicht einen einzigen Landwirt, der Schweine züchtet oder mästet.

Tierwohl und Einkaufsverhalten

In Deutschland ist Fleisch billig – viel zu billig sagen Tierschützer, Landwirte und mittlerweile auch einige Politiker. Eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte, eine Tierwohlabgabe und teurere Fleischpreise: Seit Monaten werden verschiedene Maßnahmen mal mehr mal weniger engagiert diskutiert. Im Februar gab es sogar einen "Fleischgipfel" im Kanzleramt, wo über die Niedrigpreise im Einzelhandel gesprochen wurde. Mindestpreise für Fleischprodukte hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dort aber abgelehnt.

Momentan wird vor allem über eine Tierwohlabgabe gesprochen, um höhere Lebensstandards für Tiere finanzieren zu können. Ein Grund: Anfang Juli hat der Bundesrat eine Novelle der Nutztierhaltungsverordnung auf den Weg gebracht, die beispielsweise die Kastenstände in der Schweinehaltung zukünftig massiv einschränkt – allerdings erst in acht bis 17 Jahren.

Auch Verbraucher haben in Umfragen wie auch im jüngsten Ernährungsreport immer wieder gesagt, sie seien bereit für mehr Tierwohl mehr zu bezahlen. Allein: An der Ladentheke ist das kaum zu erkennen. Zwar steigt die Nachfrage nach Bio seit Jahren, allerdings auf niedrigem Niveau. Nur zwei Prozent der Fleischproduktion in Deutschland kommt aus dem Bio-Sektor.

Der Bioanteil der Fleischproduktion beträgt zwei Prozent.
Bild: Radio Bremen | Ivan Marinsky

Auch der Weg hin zu einem bewussteren Konsumverhalten, weg vom Discounterfleisch hin zum Fachgeschäft, scheint oftmals nur ein Lippenbekenntnis zu sein. Denn 2018 betrug der Verkauf von verpacktem Fleisch 69,9 Prozent. 25,5 Prozent der Fleischprodukte wurden lose, also an der Fleischertheke verkauft. 1990 war diese Aufteilung laut Statista fast umgekehrt. Damals wurde 61 Prozent Fleisch- und Wurstwaren lose abgesetzt und 30,4 Prozent vorverpackt. 8,6 Prozent waren Konserven.

Ganz ohne Fleisch geht es aber auch finden immer mehr Menschen in Deutschland. Die Schätzungen über die genaue Zahl gehen auseinander. Die Organisation Proveg rechnet mit zehn Prozent der Bevölkerung, davon ein bis zwei Prozent, die vegan leben. Der Ernährunsreport schätzt, rund fünf Prozent der Bevölkerung sind Vegetarier. Im Mittel dürfte es sich also um rund sieben Prozent handeln, die ohne Fleisch auskommen – Tendenz steigend.

Vegetarier-Anteil in Deutschland liegt bei rund 7 Prozent
Bild: Radio Bremen | Ivan Marinsky

Die meisten Vegetarier und Veganer verzichten aus ethischen Gründen aus den Konsum von Fleisch oder gleich ganz auf tierische Produkte wie Milch, Käse oder Eier. Es gäbe schließlich genug Alternativen, sich auch ohne Fleisch zu ernähren. Denn rechnet man den durchschnittlichen Fleischkonsum eines Menschen in Deutschland in Tiere um, ist die Anzahl der Lebewesen, die er im Laufe seines Lebens verdrückt, beeindruckend. Rund 1.100 sind es, darunter 1.000 Hühner und 45 Schweine.

So viele Tiere isst ein Mensch in Deutschland in seinem Leben

Video vom 3. August 2020
Grafik Tierkonsum
Bild: Radio Bremen | Ivan Marinsky

Die Daten in unserem Video orientieren sich an Hochrechnugen unterschiedlicher Organisationen, die Konsumdaten und Lebenserwartung miteinander verknüpft haben.

Autorin

  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. August 2020, 19:30 Uhr