Grünes Licht für Bremer Fitnessstudios: "Wir sind bereit"

Seit Mitte März sind die Bremer und Bremerhavener Fitnessstudios dicht. Betreiber erzählen, mit welchen Schritten sie versuchen, die Corona-Krise zu überstehen.

Ein Mann hebt eine Langhantel in die Luft.
Der Bremer Senat wird heute auch verkünden, wie es mit den Fitnessstudios weitergeht. (Symbolbild) Bild: Imago | Westend61

Friseure haben wieder geöffnet, Sport darf an der frischen Luft ausgeübt werden und auch die Bundesliga hat ihre Saison wieder aufgenommen. Doch was ist eigentlich mit den Fitnessstudios? Dazu hat der Senat am Dienstag einen Beschluss gefasst: Ab dem 27. Mai sollen die Studios wieder öffnen dürfen. Damit endet für die Betreiber das lange Warten

"Ich hab mir einen gewissen Zweckpessimismus angeeignet", erklärt Manfred Mauer, Leiter der Fitness Park Studios in Bremen und umzu. Da Bremen auf Lockerungen im Bereich Sport bisher eher reserviert reagiert habe, habe er gemeinsam mit anderen Studiobetreibern die Senatoren und den Bürgermeister angeschrieben und versucht, die Lage der Studiobetreiber und ihre Relevanz darzustellen. Doch Fakt ist: sehr lange ohne Erfolg. Und das hat den Studios zugesetzt.

Keine Übernahme von Auszubildenden

Unbenutzte Trainingsgeräte stehen in einem geschlossenen Fitnessstudio.
Leere "Muckibuden": Die Ausfälle sorgen für Angstschweiß bei vielen Betreibern. Bild: DPA | Jonas Walzberg

Ob in Aumund, Burglesum, Horn oder Brinkum: Seit dem 18. März sind alle Studios von Mauers Kette geschlossen. "Wir haben circa 14.000 Trainierende und 210 Mitarbeiter", sagt Mauer. Bis Ende des Jahres soll ein weiteres Studio in Delmenhorst eröffnet werden, in das bereits 8 Millionen Euro investiert wurden. "Da wir nicht wissen, wann und wie wir öffnen können und wie viele Menschen trainieren wollen, mussten wir den Auszubildenden und dualen Studenten mitteilen, dass wir sie nicht übernehmen können." Auch befristete Verträge könnten derzeit nicht verlängert werden.

Auf die Mitgliedsbeiträge verzichte man derzeit. "Es nützt ja nichts, den Beitrag weiter abzubuchen, wenn dann 20 Prozent Kündigungen ausgesprochen werden", erklärt der Studioleiter. Konkret bedeute das einen Verlust von mehreren 100.000 Euro Umsatz. "Wir sind ein gesundes wirtschaftliches Unternehmen, das seit 30 Jahren tätig ist." Entsprechend habe man Rücklagen gebildet. Doch was ist mit den Studios, die erst vor kurzem eröffnet wurden?

Zehner-Karten und Gutschrift während der Coronakrise

Patricia Herbst hat Patty’s Gym erst vor zweieinhalb Jahren in Findorff eröffnet. "Uns trifft diese Krise besonders hart, da wir noch gar keine Rücklagen bilden konnten", erklärt sie. Sechs Mitarbeiterinnen arbeiten normalerweise in dem Studio, in dem ausschließlich Frauen trainieren. Rund 75 Prozent der 450 Kundinnen zahlen noch ihren Mitgliedsbeitrag. "Bei dem Rest ruht die Mitgliedschaft."

Die während der Schließung bezahlten Beiträge gelten als Gutschrift, "dass Kundinnen zum Beispiel ihre Freundin mitbringen können oder bei auslaufendem Vertrag noch die entsprechend gezahlten Monate dranhängt werden." Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, eine "Solidaritäts-Zehner-Karte" zu kaufen. "Sonst kostet die Zehner-Karte 149 Euro, jetzt 50 Euro aufwärts. Der Käufer kann selbst entscheiden, wie viel er zahlen möchte", erklärt Herbst ihr Konzept.

Vor drei Wochen habe auch sie den Bremer Senat angeschrieben. "Das wurde so abgeschmettert." Bloß ein Standardschreiben habe sie als Antwort erhalten. Bis zur Wiedereröffnung bietet die Geschäftsführerin zwei bis drei Mal am Tag Online-Kurse über "Zoom" an. Das soll auch weitergeführt werden, wenn die Studios wieder öffnen dürfen. "Damit wir den Sicherheitsabstand gewährleisten können, passen maximal zehn Menschen in unseren Kursraum. Diese Plätze sind vor allen Dingen für diejenigen, die technisch nicht so versiert sind", so Herbst.

Jetzt Zoom – kein Zumba

Der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) hat bereits Empfehlungen ausgearbeitet, unter welchen Umständen die Studios ihr Angebot wieder aufnehmen können. "Neben einem Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern sollten 10 Quadratmeter pro Person gerechnet werden", erläutert Birgit Schwarze, Präsidentin des DSSV. Saunen, Duschen und Umkleiden sollten geschlossen und ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. Außerdem dürften keine allzu schweißtreibenden Kurse wie etwa Zumba stattfinden.

"Die Clubs bereiten sich seit Wochen darauf vor und haben Geräte umgestellt oder gesperrt, um zu gewährleisten, dass die Abstände eingehalten werden", schätzt Schwarze die Lage ein. Die Situation der Betreiber sei ernst. "Ich halte es für richtig, dass jedes Bundesland selbst entscheidet, denn die Ausbreitung des Coronavirus sollte regional gesehen werden."

"Wir könnten jetzt wiedereröffnen"

Auch die beiden Bremer Studiobetreiber haben bereits die empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. "Wir könnten morgen sicher anfangen", meint Mauer. "Es ist mir unverständlich, warum Nordrhein-Westfalen wiedereröffnen darf und wir nicht." Er schätzt Fitness-Studios als durchaus systemrelevant ein: "Wir haben Kunden, die nach einer Knie-Operation, einem Schlaganfall oder dem Einbau einer künstlichen Hüfte durch moderates Training versuchen, ihre Beweglichkeit wieder zu verbessern. Da sind ältere und kranke Leute, die wir da alleinlassen", äußert er seine Besorgnis.

Wir sind kein Anbieter für den dicksten Oberarm, sondern für die Gesundheit.

Manfred Mauer, Leiter der Fitness Park Studios

In Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein sind die Fitnessstudios mittlerweile wieder geöffnet. Bremen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern ziehen nun Ende Mai nach.

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Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Mai 2020, 19.30 Uhr