Bremerhaven: Lässt sich mit Abluft einer Fliesenfirma Fisch trocknen?

Es klingt kurios, soll aber für einen geringeren CO2-Ausstoß sorgen: Ein Fischhändler und ein Fliesenhersteller wollen zusammenarbeiten, um die Umwelt zu schonen.

Fische liegen auf einem Haufen.
Das Projekt "Trocknfish" in Bremerhaven wird mit 500.000 Euro gefördert (Symbolbild). Bild: Imago | imageBROKER/Olaf Krüger

Fliesen und Trockenfisch haben auf den ersten – und auch auf den zweiten – Blick nichts miteinander zu tun. In Bremerhaven kann beides aber zukünftig für einen geringeren CO2-Ausstoß sorgen: Zwei Unternehmen und die Hochschule haben sich zusammengetan, um die Herstellung von Fliesen und das Trocknen von Fisch zu verbinden.

Die Idee hatte die Firma Lübbert, ein Fischhändler aus dem Fischereihafen. Sie hat sich damit an die Hochschule Bremerhaven gewandt. "Die haben geguckt, wie man Fisch in der Region trocknen kann – und das möglichst kostengünstig", erklärt Benjamin Küther von der Hochschule Bremerhaven, die das Projekt "Trocknfish" nun koordiniert und begleitet. Er machte sich auf die Suche nach "heißer Luft", die man dafür nutzbar machen könnte: Fündig wurde er beim Fliesenhersteller Nordceram, der seinen Sitz in der Nachbarschaft des Fischhändlers hat.

Ein Mann und eine Frau stehen nebeneinander auf einer Straße.
Frederike Reimold und Benjamin Küther von der Hochschule Bremerhaven betreuen das Projekt. Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Denn wenn etwas hergestellt wird, dann entstehen dabei normalerweise auch Abfallprodukte, die oftmals nicht weiterverwendet werden. Bei der Herstellung von Fliesen ist das unter anderem Abwärme, also die warme Luft, mit der zuvor die Fliesen getrocknet wurden. Und genau diese Abwärme soll jetzt beim Trocknen von Fisch helfen.

Für Frederike Reimold, Lebensmitteltechnologin an der Hochschule, ist aber wichtig, dass die Abwärme nicht eins zu eins für die Trocknung eingesetzt wird: "Ganz oben steht erstmal die Lebensmittelsicherheit oder die Sicherheit des Menschen. Darum werden wir nichts tun, was irgendjemanden gefährden könnte." Die Abwärme soll beispielsweise für die Erwärmung von Wasser oder den Betrieb von Generatoren genutzt werden, um darüber zu helfen, den Fisch zu trocknen.

Idee auch auf andere Bereiche übertragen

Die Hochschule und die beiden Firmen werden bei ihrem Vorhaben von der Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS unterstützt. Ziel des Projekts ist dabei unter anderem die Entwicklung eines Prototypen. Die Hochschule will möglichst ein Verfahren entwickeln, dass dann auch in anderen Bereichen angewandt werden kann.

Das eine ist die Fischtrocknung hier im konkreten Beispiel. Und das andere ist dann: Wir wollen schauen, welche Potenziale da sind und wie man die nutzen kann.

Benjamin Küther, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich der Hochschule Bremerhaven

Das Projekt ist für anderthalb Jahre geplant und wird sowohl mit Bremer als auch mit europäischen Mitteln gefördert. Rund 500.000 Euro stehen zur Verfügung. Bremen steuert rund 180.000 Euro aus dem "Programm zur Förderung anwendungsnaher Umwelttechniken" des Umweltministeriums bei.

Aktuell läuft noch die Planungsphase. In einem ersten Schritt soll es um Trockenfischprodukte als Tierfutter gehen. Aber es ist laut Reimold auch denkbar, dieses Verfahren im nächsten Schritt für die Lebensmittelproduktion zu nutzen.

Rückblick: Fischbestände scheinen sich zu erholen – wegen Corona

Video vom 23. Mai 2020
Mehrere Fische liegen auf einem Bett aus Eis.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Patrick Florenkowsky

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 20. September 2020, 14:40 Uhr