Ohne finanzielle Hilfe droht Bremer Krankenhäusern Stellenabbau

Bis Ende Januar werden coronabedingte Ausfälle derzeit kompensiert. Ohne neuen Rettungsschirm geraten auch Bremer Kliniken in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Video vom 26. Januar 2021
Überlastete Ärztin sitzt übermüdet in Flur einer Klinik in der Pause. (Symbolbild)
Bild: DPA | Zoonar | Robert Kneschke
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"Wenn den Kliniken die Puste ausgeht, müssen Stellen gestrichen werden", warnt Uwe Zimmer. Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen sieht in der Folge eine schlechtere Versorgung von Patientinnen und Patienten. Im schlimmsten Fall drohe einzelnen Kliniken sogar die Pleite.

Die Krankenhäuser leiden unter fehlenden Umsätzen. Coronabedingt werden Operationen verschoben, Betten für Notfälle freigehalten und Patienten verzichten aus Angst vor einer Infektion auf eine Behandlung. Und allzu schnell rechnet Zimmer mit keiner Normalisierung. Das Vertrauen müsse erst wieder aufgebaut werden.

Krankenhausgesellschaften fordern staatliche Zusagen

Sowohl die Krankenhausgesellschaft in Bremen wie auch die in Niedersachsen fordern staatliche Hilfen. Die Kliniken bräuchten einen finanziellen Ausgleich, um zumindest das Personal weiter bezahlen zu können. Erst für die Beschäftigten applaudieren und dann womöglich Stellen streichen, passe nicht zusammen, meint Zimmer.

Das Problem: Bislang gibt es nur bis Ende Januar Ausgleichszahlungen. Ein weiterer Rettungsschirm wurde laut Bundesgesundheitsministerium noch nicht verabschiedet. In dem buten un binnen vorliegenden Entwurf heißt es, dass die Ausgleichszahlungen bis Ende Februar verlängert werden sollen. Die geschätzten Mehrausgaben liegen bundesweit bei mehr als einer Milliarde Euro.

Minus bei der Gesundheit Nord: 40 Millionen Euro

Die Pandemie habe die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage des Bremer Klinikverbunds Gesundheit Nord (GeNo) weiter verschärft, so eine Sprecherin. Die Leistungen des Klinikverbunds sind im Jahr 2020 um 14 Prozent eingebrochen. Auch wenn der Jahresabschluss für 2020 noch nicht feststeht, geht das Management von einem Minus in Höhe von ungefähr 40 Millionen Euro aus.

Ähnlich hoch wird das Ergebnis wohl auch in diesem Jahr ausfallen, so die GeNo-Sprecherin. Um Kosten zu senken, steht bereits fest, dass rund 90 Stellen im Klinikverbund abgebaut werden. Um in den nächsten Jahren wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, werden wohl weitere Stellenkürzungen folgen.

St. Joseph-Stift sorgt sich um Virusmutationen

Auch im St. Joseph-Stift ist der Jahresabschluss für 2020 noch nicht fertig. Gleichwohl blickt das Krankenhaus im Bremer Stadtteil Schwachhausen bereits mit Sorge auf dieses Jahr. "Die Corona-Pandemie ist in ihrer zweiten Welle deutlich intensiver als im Frühjahr 2020", so ein Sprecher. Zudem seien auch die Corona-Mutationen in Deutschland angekommen – mit bisher unabsehbaren Einschränkungen der weiteren Behandlungen.

"Das Ende der Pandemie ist noch nicht in Sicht", so der Sprecher. Die Belastung bleibe hoch, deshalb müsse der Rettungsschirm für Krankenhäuser verlängert werden. Ohne verlässliche Ausgleichszahlungen für coronabedingte Einnahmeausfälle stünde auch das St. Joseph-Stift vor einer dramatischen Situation.

Wirtschaftlich erfolgreich: Diako in Gröpelingen

Seit 1993 schreibt das Diako in Bremen-Gröpelingen schwarze Zahlen. Das sagt Geschäftsführer Walter Eggers nicht ohne Stolz. Auch 2020 steht unterm Strich etwa eine halbe Million Gewinn – trotz Corona, aber: dank Schutzschirm. Sollte der bis Ende Februar verlängert werden und dann auslaufen, würde es schwierig. Es seien finanziell unsichere Zeiten, so Eggers. Gleichwohl will das Diako auch in diesem Jahr erneut mehr Personal einstellen.

Millionen-Ausfälle bei Häusern der Ameos-Gruppe

Weder Personal abbauen noch einstellen – das gilt für die Krankenhäuser der Ameos-Gruppe in Bremen und Bremerhaven sowie in Cuxhaven, Debstedt und Osterholz-Scharmbeck. Zumindest das soll eine Konstante in sonst unsicheren Zeiten sein. Michael Dieckmann aus dem Ameos-Vorstand sieht seine Häuser mit erheblichen Erlösausfällen zwischen 10 und 15 Prozent belastet. "Wir reden da über Millionen."

Hinzu komme, dass es ständig eine neue Situation gebe. "So können Sie kein großes Unternehmen steuern", sagt Dieckmann. "Jeder Tag ist anders, man weiß heute nicht, was morgen kommt." Es fehle an Unterstützung aus der Politik. Und auch der hohe Verwaltungsaufwand müsse reduziert werden. Allein fürs An- und Ausziehen der Schutzausrüstung gehe sehr viel Zeit drauf.

Reinkenheide vor wirtschaftlicher Herausforderung

Auch im Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide hofft man auf verbindlichere Zusagen von Bund und Ländern für einen Ausgleich für leerstehende Betten, die für Corona-Patienten freigehalten werden sollen. Reinkenheide habe zwar gut gewirtschaftet und daher einen gewissen Puffer. 2021 werde wirtschaftlich trotzdem herausfordernd, so ein Sprecher.

Autor

  • Sven Weingärtner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 26. Januar 2021, Der Morgen, 6:36 Uhr