Fragen & Antworten

Was FFP2-Masken in Bremen leisten können – und was nicht

Bremerinnen und Bremer ab 65 Jahren können sich bald kostenlos mit FFP2-Masken eindecken. Doch was ist mit dem Rest der Bevölkerung? Die wichtigsten Fragen zum Thema.

FFP2-Masken werden in eine Tüte verpackt.
Immer mehr Bremerinnen und Bremer greifen zu FFP2-Masken. Sie filtern kleinste Partikel und können vor einer Corona-Infektion schützen. Bild: DPA | Britta Pedersen

In einer gemeinsamen Aktion des Landes Bremen mit der Bremer Apothekerkammer werden ab kommendem Freitag kostenlose FFP2-Masken für Menschen ab 65 Jahren ausgegeben. Nach Angaben der Apothekerkammer können die Gratis-Masken in den rund 140 Apotheken in Bremen und Bremerhaven abgeholt werden. Pro Person und Monat gibt es zehn sogenannter FFP2-Masken, die besonders wirksam vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Doch wie funktionieren diese Masken und warum wurde noch im Frühjahr dringend darum gebeten, auf den Gebrauch von FFP2-Masken im privaten Bereich zu verzichten?

Wie funktionieren FFP-Masken und wie hoch ist der Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus?
Partikelfilternde Masken, sogenannte FFP-Masken, bestehen aus einem stabilen Material, das die Luft filtert. Es wird zwischen verschiedenen Schutzklassen unterschieden: FFP1 filtert bis zu 80 Prozent der Partikel aus der Luft, die größer sind als 0,6 Mikrometer (μm). Masken der Klasse FFP3 filtern 99 Prozent dieser Partikel heraus. Laut Robert-Koch-Institut schützen die Masken der Klasse FFP2 oder FFP3 vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut weist aber auch darauf hin, dass der Schutzeffekt der FFP2-Maske nur dann umfassend gewährleistet ist, wenn sie durchgehend und dicht sitzend getragen wird. Bei der Anwendung durch Laien sei ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nase-Schutzes hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben.
Wie unterscheiden sich die FFP2-Masken zu einem Mund-Nase-Schutz aus Stoff?
Der einfache Mund-Nase-Schutz aus Stoff stammt oft aus eigener Herstellung, ist demnach nicht zertifiziert und nur für den Privatgebrauch gedacht. Stoffmasken schützen die Menschen im Umkreis des Trägers vor einer Ansteckung, weil die ausgeatmeten Aerosole des Trägers durch den Stoff zum Teil zurückgehalten werden. Auch für den Träger der Stoffmaske sinkt das Infektionsrisiko durch Andere. FFP2-Masken gehören zur Kategorie der Atemschutzmasken und sind normalerweise nur für Einsätze durch medizinisches Personal gedacht. Sie verhindern die Aerosolübertragung kleinster Partikel und schützen laut Robert-Koch-Institut auch vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. FFP2-Masken mit einem Ventil schützen nur den Träger der Maske, da die ausgeatmete Luft ungefiltert durch das Ventil strömen kann.
Wie sinnvoll ist das Tragen von FFP2-Masken in der aktuellen Situation?
Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer spricht sich für einen breiteren Einsatz von FFP2-Masken innerhalb der Bevölkerung aus. Er bezieht sich dabei auf FFP2-Masken ohne Ventil. Diese hätten gerade bei einer langen Tragedauer die beste Wirkung hinsichtlich des Eigenschutzes und des Schutzes von anderen Personen, so Dotzauer. "Bei insgesamt hohen Infektionszahlen und auch wegen des damit verbundenen hohen Anteils symptomloser Überträger, sind solche Masken zum Schutz von einem selbst und von anderen angebracht", sagt der Virologe der Universität Bremen. Das Robert-Koch-Institut verweist auf die Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die den Einsatz von FFP2-Masken zur privaten Nutzung dagegen nicht empfiehlt.
Inwiefern ist es sinnvoll, dass sich vermehrt auch Menschen mit FFP2-Masken ausstatten, die keinen Risikogruppen angehören?
Das Robert-Koch-Institut meldet im letzten Lagebericht zur Ausbreitung des Coronavirus vom 8. November 2020 eine weitere Zunahme der Übertragungen innerhalb Deutschlands und appelliert an die gesamte Bevölkerung, sich für den Infektionsschutz zu engagieren. Angesichts der hohen Infektionszahlen und einer ungewissen Forschungslage findet Virologe Dotzauer die breite Verwendung von FFP2-Masken sinnvoll. "Man darf die möglichen Langzeitfolgen einer auch nur milden Infektion nicht unterschätzen und sollte durch das Tragen solcher Masken dazu beitragen, Übertragungswege einzuschränken."
Wo kann man FFP2-Masken kaufen und wie teuer sind sie?
FFP2-Masken erhält man beispielsweise in Apotheken, Drogerien oder im Online-Handel. Die Preise für die Atemschutzmasken variieren und sind auch abhängig von der abgenommenen Stückzahl: Pro Maske zahlen Verbraucher so in etwa zwischen 1,40 Euro und 4,50 Euro.
Wie lange können FFP2-Masken im Alltag getragen werden?
Laut Dotzauer können die FFP2-Masken mehrere Stunden getragen werden. "Bei kurzer Tragedauer können die Masken mehrmals benutzt werden. Innen feuchte oder verunreinigte Masken sollten nicht mehr getragen werden", empfiehlt der Virologe.
Kann man FFP2-Masken – ähnlich wie Stoffmasken – zu Hause reinigen, desinfizieren und damit wiederverwenden?
FFP2-Masken sind verhältnismäßig teuer, weshalb für viele Menschen eine mehrfache Verwendung der Maske eine kostensparende Option ist. Andreas Dotzauer rät davon aber dringend ab. "FFP2-Masken sind als Einwegprodukte hergestellt und konzipiert worden, das heißt der besonders gute Schutz kann durch Feuchtigkeit und ein Ausleiern der Maske auf Dauer nicht garantiert werden", sagt Dotzauer. In den Masken sei ein elektrostatischer Filter eingearbeitet, der besonders empfindlich auf Feuchtigkeit reagiere, das Material sei aber auch insgesamt für Waschvorgänge nicht vorgesehen. Auch von einer Desinfektion durch Hitze, zum Beispiel im Backofen, rät Dotzauer ab. "Das Material reagiert in jedem Fall und ob die Zuverlässigkeit des Schutzes dann noch gewährleistet ist, ist fraglich." Auch Desinfektionsmittel sollte man nicht direkt auf die Maske aufbringen: Abgesehen von der kontraproduktiven Feuchtigkeit greife dies ebenfalls das Material der Maske – und damit die Wirksamkeit– stark an.
Im Frühjahr 2020 wurde betont, auf das Tragen von FFP2- oder FFP3-Masken zu verzichten – Engpässe bei Produktion und Lieferung sorgten für einen Mangel der Produkte im medizinischen Bereich. Inwiefern hat sich die Situation jetzt verändert?
Richtig ist laut Dotzauer, dass die Masken wegen der Knappheit für medizinisches Personal als Eigen- und Fremdschutz reserviert werden sollten. Nach Einschätzung des Virologen bestehe diese Knappheit momentan aber nicht. Das Robert-Koch-Institut betont jedoch, dass bei fortschreitendem Infektionsgeschehen nicht auszuschließen ist, dass es – wie zu Beginn der Pandemie – zu Engpässen in der Versorgung mit FFP-Masken im Gesundheitswesen kommen könnte.
Maske ist nicht gleich Maske – welche Qualitätskriterien sind für FFP2-Masken wichtig?
Vor allem online gibt es auf verschiedenen Plattformen zahlreiche Angebote zu FFP2-Masken, nicht alle garantieren jedoch einen geprüften Schutz vor Coronaviren, berichtet das ZDF-Verbrauchermagazin WISO, das FFP2-Masken getestet hat. Masken, die offizielle Prüfstellen durchlaufen haben, erkennt man an der Kennung "CE" und vier dahinterstehenden Ziffern, die die jeweilige Prüfstelle angeben.
Erspart das Tragen einer FFP2-Maske eine eventuelle Quarantäne?
Laut Lukas Fuhrmann, dem Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard, handelt es sich bei FFP2-Masken um Arbeitsschutzprodukte, die beispielsweise in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen getragen werden, um dort vor Infektionen zu schützen. Einen Einfluss auf die geltenden Quarantäne-Bestimmungen haben FFP2-Masken nicht. "Daraus lässt sich keine allgemeine Regel ableiten. Das Tragen von FFP2-Masken schützt demnach nicht automatisch davor, dass Sie als Kontaktperson der ersten Kategorie eingestuft werden und in Quarantäne müssen", sagt Fuhrmann. Menschen, die eine FFP2-Maske tragen sind eigentlich vollkommen vor dem Coronavirus geschützt. Der Behörde reicht diese Tatsache als Grund für das Aussetzen der Quarantänepflicht jedoch nicht aus. Man könne nicht davon ausgehen, dass die Masken durchweg und korrekt getragen wurden, so Fuhrmann.

Wie halten die Bremerinnen und Bremer es mit der Maskenhygiene?

Video vom 25. Oktober 2020
Die Innenseite einer Mund-Nasen-Bedeckung mit Make-Up Flecken.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. November 2020, 19:30 Uhr