Kommentar

Wir brauchen keinen neuen Feiertag, wir brauchen andere Feiertage!

Heute haben alle alten Bundesländer südlich von Niedersachsen einen Feiertag: Fronleichnam, ein katholischer Feiertag. Das macht uns im Norden wieder bewusst, dass es uns an Feiertagen fehlt. Das soll ja nun ausgeglichen werden, vermutlich durch den Reformationstag. Aber diese Debatte greift zu kurz, meint Guido Schulenberg

Einzelne Blätter eines Tageskalenders.
Einen völlig neuen Feiertagskalender fordert unser Kollege Guido Schulenberg. Bild: DPA | Chromorange

Religion und Glaube sind weitestgehend Privatsache. Was an christlichen Feiertagen gefeiert wird, wissen immer weniger Leute. Ebenso ergeht es den weltlichen Feiertagen. Deshalb ist es an der Zeit, mit der bestehenden Feiertagsregelung aufzuräumen. Ich bin der Meinung: wir brauchen keinen neuen Feiertag, wir brauchen ganz und gar einen neuen Feiertagskalender.

Mein Vorschlag: Drei christliche Feiertage bleiben. Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Allerdings ohne den Ostermontag – im Gegensatz zu Pfingstmontag, der soll bleiben – denn in einer meist schönen Jahreszeit gibt es zahlreiche internationale Begegnungen in Gesellschaft, Sport und Kirche. Das sollte nicht gefährdet werden. Außerdem wäre das ein guter Zeitraum für Katholiken- und Kirchentag. Denn Christi Himmelfahrt, der traditionelle Termin für die kirchlichen Großveranstaltungen, würde in meinem Feiertagsjahr gestrichen.

Stattdessen bin ich für einen gesetzlichen Feiertag am 1. Juni. Das ist der Weltkindertag, früher im Osten der Republik schon sehr beliebt. Und es wäre ein Tag, an dem die gefeiert werden, die schon bald unsere Zukunft gestalten.

Wir brauchen auch keinen 1. Mai als Feiertag. Stattdessen sollten wir den Tag begehen, der symbolisch für all das steht, wofür wir dankbar sein können: den 23. Mai. Der Tag des Grundgesetzes garantiert uns  die Tarifautonomie, das Demonstrationsrecht, die Meinungs- und Religionsfreiheit, den Sozialstaat, den Rechtsstaat und vieles mehr: schlicht unser demokratisches Gemeinwesen. Und der 23. Mai steht ja auch für die Deutsche Einheit, die das Grundgesetz immer angestrebt hat.

Deshalb brauchen wir auch keinen 3. Oktober mehr als Tag der Deutschen Einheit. Denn in dieser Welt müssen wir eine andere Idee verfolgen: die des Europatages am 5. Mai. Ein Signal aus Deutschland für ein Europa, in dem man zwar Nationalstolz empfinden darf aber den Nationalismus überwindet. Alternativ böte sich der 24. Oktober an: der Gründungstag der Vereinten Nationen.

Einen vergleichbaren symbolischen Tag gibt es für alle Glaubensrichtungen: etwa den Weltgebetstag am 2. März – oder der Weltreligionstag am 21. Januar – beides ökumenisch ausgerichtete Tage, an denen sich Kirchen, Religionen und Glaubensrichtungen wiederfinden. Der Reformationstag ist ungeeignet, weil er nicht für Ökumene steht.

Das gilt auch für den heutigen Fronleichnamstag und Allerheiligen. Auch da gäbe es andere Möglichkeiten: etwa den Weltfrauentag oder den 22. Februar, der Gedenktag an die Geschwister Scholl. Die sollten dann natürlich bundesweit sein.

Und was machen wir mit dem von mir gestrichenen Ostermontag? Mein Vorschlag: der 27. Januar. Ein Gedenktag für Menschen, die wegen ihres Andersseins getötet, gejagt, verfolgt oder benachteiligt wurden und werden. Dieser Tag stünde auch für die Fähigkeit, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen.

Ich lade ein zum Nachdenken – zu feiern, sagt der Volksmund, gibt es immer etwas. Vielleicht finden wir ja den Mut, andere Ereignisse und Gedenken zu feiern als bislang.

  • Guido Schulenberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Mai 2018, 15:10 Uhr