Gastronomen nach Feiern im Viertel: "Polizei nur schwer ernstzunehmen"

Weil im Bremer Viertel trotz Corona gefeiert wurde, darf nachts kein Alkohol mehr verkauft werden. In den sozialen Medien werden Feiernde und Behörden scharf kritisiert.

Menschenmenge an der Sielwallkreuzung
Bis zu 500 Menschen hatten am vergangenen Wochenende im Viertel gefeiert. Bild: Radio Bremen | Kristian Klooss

Noch vor wenigen Monaten ein normales Bild, doch in Corona-Zeiten Grund für große Aufregung: Vollgepackte Gehwege in einer lauen Sommernacht im Bremer Viertel. Am vergangenen Wochenende haben sich hunderte Menschen dort getroffen, um gemeinsam zu feiern – ohne Abstand oder Mundschutz.

Diese Verstöße gegen die Corona-Verordnungen haben nicht nur für Unverständnis gesorgt, sondern auch für ein Einschreiten des Bremer Senats: Nun darf an Wochenenden im Viertel und Teilen der Innenstadt ab 22 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden.

Feiernde Menschen "unverantwortlich"

In den sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. Allerdings richtet sich die Wut oft nicht gegen die Entscheidung des Senats, sondern die Rücksichtslosigkeit der Feiernden.

Es hätte genug Möglichkeiten gegeben, Abstand zu halten. Das Problem ist die fehlende Eigenverantwortung der Leute. Ich habe ja sogar ein gewisses Verständnis dafür, dass man unter Alkoholeinfluss nicht mehr drauf achtet, aber der Innensenator hat dann keine andere Wahl als einzugreifen.

Maximilian Neumeyer - 17. Juni 2020, 07:12 Uhr.

Allerdings wird ein Teil der Schuld auch bei der Polizei gesehen: Einige User hätten sich ein konsequenteres Einschreiten der Ordnungsbehörden gewünscht.

[...] Komplette Umsetzung der Vorgaben durch die Polizei, mit dementsprechend Bußgeldern. Aber wahrscheinlich hat man gar nicht genügend Personal um so viele Bußgelder zu verteilen. Ich persönlich finde es scheiße, wenn man sich an manche Regeln halten muss und an andere nicht, da es keine Konsequenzen gibt. Wer gegen Regeln verstößt, muss Konsequenzen dafür ernten, ansonsten könnte man gleich alle Regeln ignorieren.

Danny Chan - 17. Juni 2020, 14:59 Uhr.

Gastronomen: Behörden nicht konsequent genug

Dass nichts gegen die Feiernden auf der Straße getan worden sei, die Regeln für Kneipen und Gaststätten aber hart umgesetzt werden, kritisieren auch Gastronomen im Viertel – unter anderem die "Heldenbar". Sie postete zunächst ein Video der Feiernden auf ihrer Facebook-Seite und adressierte es direkt an den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

Herr Mäurer , [...] Schauen Sie doch bitte mal, wie wir Gastronomen uns zerreissen, um alle Auflagen umzusetzen (um dabei nur einen Bruchteil des normalen Umsatzes zu erwirtschaften), während auf den Straßen gefeiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr.

Facebook-Eintrag der "Heldenbar"

Auch das "Eisen" beschreibt bei Twitter, wie ernst die Lage für Clubbetreiber durch die Corona-Regeln bereits sei – und mahnt die Menschen zu mehr Rücksicht, um die Szene und Kultur im Viertel zu erhalten.

Wir Clubs haben in diesem Spiel mit Regeln und Pflichten, die nur für uns gelten (und die wir definitiv gut finden) so wenig Chancen wie Werder in der Championsleague. [...]

Twitter-Thread des "Eisen" - 15. Juni 2020, 13:52 Uhr.

Neben den Bars und Clubs schreiben auch die Betreiber des Cafés "Coffee Corner" an der Sielwallkreuzung auf ihrer Facebook-Seite, sie seien "unglaublich entsetzt und traurig" darüber, dass viele Menschen immer wieder die Corona-Regeln ignorierten und damit den Gastronomen schadeten. Um dagegen vorzugehen, seien Kontrollen durch die Behörden nötig – was aber nicht geschehe.

Leider helfen da wohl nur mehr Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt, die mehrfach untätig vorbeifuhren ohne entsprechende Sanktionen auszusprechen. [...] Warum gelten die Regeln eigentlich nur in den Läden und nicht auf der Straße. Das Ordnungsamt und die Polizei sind somit nur schwer ernstzunehmen.

Facebook-Eintrag des "Coffee Corner"

User: Verkaufsverbot leicht zu umgehen

Einige User der sozialen Netzwerke bezweifeln allerdings, dass das nun eingeführte Verkaufsverbot für Alkohol – in seiner aktuellen Form – der richtige Weg ist, das Problem zu lösen. Insbesondere, da das Verbot nur in bestimmten Bereichen des Viertels, der Innenstadt und um den Bahnhof gilt.

Ist doch Blödsinn. Dann bringen die sich den Alkohol mit, wenn sie vor Ort keinen bekommen

Bärbel Harjes - 17. Juni 2020, 07:31 Uhr.

Auch merken einige User an, dass es genug Möglichkeiten gebe, die Getränke vor dem Einsetzen des Verbots um 22 Uhr zu kaufen.

Ganz ehrlich die leute da wollen den abstand nicht halten. [...] So kauft man einfach um 21:50 3 bier mehr und jut is

Annalena Langendorf - 17. Juni 2020, 08:55 Uhr.

Ob diese Befürchtungen sich bewahrheiten und wie streng die Ordnungsbehörden die Regeln in Zukunft umsetzen werden, wird sich wohl in den kommenden Tagen zeigen – wenn nicht ohnehin das Wetter den Feierwütigen die Laune auf ein Bierchen an der Sielwallkreuzung verdirbt.

Corona-Verstöße in Bremen: Senat beschließt Alkohol-Verkaufsverbot

Video vom 16. Juni 2020
Ein gefüllter Bierkrug auf einem Tisch.
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Juni 2020, 19:30 Uhr