Fragen & Antworten

Wie das Farewell-Festival ab Herbst den alten Columbusbahnhof belebt

Video vom 9. Juni 2021
Ein Menschenleerer Raum des Columbusbahnhofs in Bremerhaven.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Der Bremerhavener Columbusbahnhof hat schon viel erlebt. Vor seinem Abriss kommt nun Kultur hinzu. Statt Staub sollen sich bald wieder Besucher in den alten Hallen ausbreiten.

Elvis Presley war 1958 am Bremerhavener Columbusbahnhof zu Besuch. Und auch die Queen war schon da. Viele Menschen sind von der Stelle aus ausgewandert. Gebaut wurde der Komplex für den komfortablen Umstieg vom Zug auf das Schiff. Aber: Seit einigen Jahren steht das große Gebäude direkt im Hafen in Bremerhaven leer. Das soll sich ändern, ein Neubau ist geplant. Bis es soweit ist, gibt es aber erstmal Kultur zu sehen. Heute wurden die Pläne vorgestellt.

Was für ein Gebäude ist der alte Columbusbahnhof?
Die Anlage wurde 1962 gebaut und das sieht man ihr auch an. Aber die alten Mauern versprühen viel Charme. Direkt am Wasser gelegen, kann man durch eine große Fensterscheibe in die Weite schauen. Und viele Bremerhavener haben eine ganz besondere Erinnerung an das Gebäude. Die Auswandererschiffe haben hier unter anderem damals abgelegt. Aber auch Restaurants waren in dem Gebäude. Abschlussbälle und Partys wurden gefeiert. Zuletzt hat sich allerdings Staub in den Hallen breit gemacht.
Mehrere Menschen stehen auf einer Treppe und schauen in die Kamera.
Jens-Erwin Siemssen vom Letzten Kleinod, Häfensenatorin Claudia Schilling (beide hinten), Juliane Lenssen, ebenfalls Letztes Kleinod sowie Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Was soll dort jetzt passieren?
In den nächsten Monaten laufen die Planungen für den Neubau. Es sollen unter anderem Büros entstehen. Aber auch Kreuzfahrttouristen sollen hier wieder einchecken können. So will man das Kreuzfahrtterminal näher an die Stadt heran holen. Das ist das Ziel. Und während diese Planungen laufen, soll Kultur das alte Gebäude beleben. Auf diesem Wege wird Bremerhavenern eine besondere Bühne geboten – und die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Rund zwei Jahre geht das Projekt "Farewell". Dann sollen die Planungen für den neuen Columbusbahnhof abgeschlossen sein und das Kulturprojekt den Baggern weichen.
In einer leeren Halle liegt Staub auf dem Boden.
Statt Staub sollen sich demnächst wieder Besucher im Columbusbahnhof ausbreiten. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Wie sehen die Kultur-Pläne konkret aus?
"Das letzte Kleinod" heißt die Künstlergruppe, die den Ort unterstützt von der Hafengesellschaft Bremenports künftig bespielen will. Das Ensemble inszeniert immer außergewöhnliche Kulissen. Beispielsweise haben die Schauspieler schon eine verlassene Insel oder ein Tiefkühlhaus zur Bühne gemacht. Und jetzt eben den alten Columbusbahnhof in Bremerhaven. Geplant ist ein Abschied, der im Herbst mit einer begehbaren Theaterinszenierung zum Gebäude beginnen soll. 2022 gehe es in einem Eisenbahntheater um die Auswanderung auf der Amerikalinie, die als Eisenbahnverbindung den Osten Europas und Berlin mit den Nordseehäfen verband. Auch ein Open-Air-Theater soll es geben.

Der künstlerische Leiter der Gruppe ist Jens-Erwin Siemssen. Seine Vorfreude, der feierlichen Vergangenheit mit Theater zu begegnen, ist groß: "Das ist ein Nadelöhr der Geschichte gewesen", sagt Siemssen. "Eine Nachbarin hat mir erzählt, wie sie dabei war, als Elvis hier damals an Land kam. Und die Queen und der thailändische König waren hier." Verschiedenste Menschen von Rang und Namen seien hier zu Staatsbesuchen in Bremen angekommen. "Also hier ist Weltgeschichte geschrieben worden."

Rückblick: La Strada 2020 – Trotz Corona restlos ausverkauft

Video vom 5. September 2020
Eine Musikerin und ein Künstler bei der Kunst- und Kulturveranstaltung "La Strada".
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Leonard Steinbeck
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 9. Juni 2021, 17:40 Uhr