Experten sehen erste Erfolge im Kampf gegen Clankriminalität

  • Verschärftes Vorgehen zeige bundesweit Wirkung
  • Polizei braucht für langfristigen Erfolg mehr Personal
  • BDK-Landesgeschäftsführer Heiko Kück begrüßt Aufstockung bei Bremer Polizei
Polizisten führen eine festgenommene Person ab.
Auch in Bremen werden verstärkt Razzien gegen Clankriminalität durchgeführt (Archivbild).

Der verstärkte Kampf gegen Clan-Kriminalität zeigt Experten zufolge Wirkung. "Einige Ruhrgebietsstädte zum Beispiel beobachten, dass die Maßnahmen mehr Sicherheit erzeugt haben", sagte der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir bekommen auch mehr Erkenntnisse." Ähnlich äußerte sich die Kriminologie-Professorin Dorothee Dienstbühl von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW. "Das Verhalten gegenüber den Polizeibeamten wird gemäßigter, die Gewalt geht zumindest aktuell zurück."

Bremer BDK-Geschäftsführer: Geldfluss an Clans stoppen

Auch der Geschäftsführer des Bremer Landesverbands im BDK, Heiko Kück, berichtet von positiven bundesweiten Rückmeldungen, was die täglichen Probleme im Umgang mit Clanmitgliedern betrifft. In Bremen, das neben Berlin, dem Ruhrgebiet und Niedersachsen als Hochburg krimineller Familienclans gilt, habe man diese täglichen Kontakte allerdings nicht. "Um generell von einem Erfolg zu sprechen, ist es natürlich noch zu früh", sagt Kück auf Nachfrage von buten un binnen. Dennoch sei er optimistisch, dass der verstärkte Kampf gegen Familienclans langfristig erfolgreich sein wird.

In Bremen stehe man noch relativ am Anfang. Die Abschiebung des Clan-Chefs Ibrahim M. sei zwar "ein Schlag ins Gesicht" des Bremer Familienclans gewesen, doch müsse es noch viel weiter gehen. "Ein großer Teil ist die Vermögensabschöpfung, um den Geldfluss der Clans zu stoppen", sagt Kück. Zentral dafür: Mehr Personal. Kück begrüßt, dass die Bremer Polizei die Einstellungszahlen erhöht. Dementsprechend müsste auch die Zahl der für Clankriminalität zuständigen Kriminalbeamte aufgestockt werden.

Ausweisungen erschwert

Auch Kriminologie-Professorin Dienstbühl hält es "für verfrüht, jetzt schon Erfolge zu benennen". Die Polizei habe einen Prozess in Gang gesetzt. "Wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Monaten und auch Jahren entwickelt." BDK-Chef Fiedler sagte: "Ich sehe noch kein auf Dauer angelegtes Erfolgskonzept." Dafür müsste die Zahl der Ermittler aufgestockt werden. Im Brennpunkt Ruhrgebiet zum Beispiel gebe es nur eine zweistellige Zahl von zuständigen Polizisten.

Die Intensivierung von Durchsuchungen wie die Razzia mit rund 1.300 Polizisten im Januar im Ruhrgebiet, Beschlagnahmungen von Immobilien wie 2018 in großem Stil in Berlin und Brandenburg sowie Ausweisungen von Clanchefs etwa aus Bremen bezeichnete Fiedler als die richtige Linie. Ausweisungen würden allerdings erschwert, weil viele kriminelle Clan-Mitglieder einen deutschen Pass hätten.

Wie steht es um kriminelle Clans in Bremen?

Polizeichef Daniel Heinke während eines Interviews in seinem Büro.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. September 2019, 23:30 Uhr