Tiefkühlfrösche: Bremer Tierschützer sorgen sich um falsche Tierliebe

Frösche im Eisfach, ein Puma auf dem Rücksitz: Der Naturschutzbund Bremen warnt vor der Entfremdung von der Natur – die in Corona-Zeiten noch schlimmer werden könnte.

Ein Teichfrosch sitzt an einem Gartenteich.
Unter anderem hat ein Mann aus dem Umland in Bremen Frösche in ein Tiefkühlfach gelegt – um sie überwintern zu lassen. Das haben die Tiere nicht überlebt (Symbolfoto). Bild: DPA | Andreas Franke

Tierliebe wird oft falsch verstanden – besonders, wenn es um Wildtiere geht. Das merkt man nicht nur im Winter, wenn viele Menschen Wildtiere anfüttern, ohne sich an bestehende Regeln zu halten. Das Phänomen lässt sich ganzjährig beobachten. Von solchen Situationen kann der Naturschutzbund (Nabu) ein Lied singen – auch in Bremen.

Sönke Hofmann vom Nabu Bremen berichtet vor allem von Menschen, die derzeit Tauben füttern – wohl aus Sorge, dass sie zu wenig zu essen finden.

Wir hatten mal den Fall einer Oma, die von den Nachbarn das Vogelfüttern verboten bekommen sollte. Es stellte sich heraus, dass sie fünf Kilogramm Haferflocken täglich verfütterte! Da muss der Himmel schwarz vor Vögeln gewesen sein.

Sönke Hofmann, Nabu Bremen

Die kurioseste Situation, die Hofmann in seiner Zeit beim Nabu Bremen bislang erlebt hat, war ein Mann, der mit seinem roten Cabrio vorfuhr – und fragte, ob der Nabu einen Puma haben wollte. "Der saß bei ihm auf dem Rücksitz", sagt Hofmann. Sein Kollege stammelte nur fassungslos: "Nee, können wir nicht brauchen." – und prompt brauste der Mann mit seiner Beifahrerin und dem Tier am Bürofenster vorbei.

Ein Zeichen der Entfremdung von der Natur sind die Schottergärten, die laut Hofmann ein echtes Problem darstellen und zeigen, die wenig Naturverständnis oft vorhanden ist.

Frösche im Eisfach

Auch seine Kollegen beim Nabu im Oldenburger Land sind regelmäßig Anlaufstelle für kuriose Geschichten. Demnach hatte ein Anrufer Frösche aus seinem Teich genommen und sie "zum Überwintern" in das Eisfach seines Kühlschranks gelegt. Im späten Frühjahr habe er sich dann bei den Tierschützern erkundigt, ob noch weiterhin Frost drohe – oder ob er die Frösche aus der "Überwinterung" nehmen könne.

Der Trend der kuriosen Anfragen habe sich "enorm verstärkt", wie Rüdiger Wohlers vom Nabu Niedersachsen berichtet.

Die Naturentfremdung vieler Menschen schreitet leider fort. Das ist eine gesellschaftliche Zeitbombe, denn nur was man kennt, kann man auch schützen.

Rüdiger Wohlers, Nabu Niedersachsen

Durch die Coronakrise sei es aktuell schwer, gegen diese Entfremdung vorzugehen, da alle Führungen, Exkursionen und anderen Veranstaltungen der Nabu-Umweltbildungszentren abgesagt werden mussten.

Schwalben mit einem Kescher eingefangen

Rüdiger Wohlers leitete beinahe 26 Jahre die Regionalgeschäftsstelle des Nabu im Oldenburger Land. Seit einem Jahr ist er für die Verbandsentwicklung des Landesverbandes Niedersachsen zuständig. In all den Jahren hat er viele Gespräche mit Menschen geführt, die Tierliebe missverstanden haben.

Dazu gehörte ein Anruf eines Herrn aus der Nähe von Oldenburg, der beim Nabu in einem November anfragte, wo er Fliegen bekommen könne. Da er seine Frage beharrlich wiederholte, hakte der Nabu-Geschäftsführer nach und traute seinen Ohren nicht: Der Mann hatte eigenmächtig mit einem großen Kescher Schwalben eingefangen und in seine Scheune gesperrt. Seine Begründung: "Ich will nicht, dass die im Süden gefressen werden!" Die Tiere wurden sofort freigelassen, nachdem der Nabu den Mann aufgeklärt hatte.

Marienkäfer im Kopfkissen

Beinahe genauso erstaunlich war der Anruf einer Dame, die den Nabu darum bat, an einem Dezembertag eine große Anzahl Marienkäfer abzuholen: "Die stinken in diesem Jahr zu sehr." Was war passiert? Wie offenbar – laut ihrer Erzählung – seit mehreren Jahren, hatte die Frau im Herbst Marienkäfer, die sich unter dem Laub verborgen hatten, eingesammelt und in einen eigens umgenähten Kissenbezug gefüllt – um sie dann "mit ans Fußende ins Bett zu nehmen, da ist es schön warm". Aber – in diesem Jahr rochen sie ihr zu stark.

Mindestens genauso haarsträubend war der Anruf einer Großmutter, die vor dem anstehenden Weihnachtsfest für ihr Enkelkind, das Harry-Potter-Fan war, eine lebende Eule beim Nabu kaufen wollte – als Geschenk.

Nur mit Wissen über die Natur ließe sich Naturschutz umsetzen

In einem anderen Fall war ein – angeblich sollte dies dem Tier helfen – Eichhörnchen eingefangen und in eine Werkstatt eingesperrt worden, wo es verständlicherweise randaliert“. Auch in diesem Fall konnte der Nabu den Eichhörnchen-Häscher überzeugen, das Tier freizulassen, so Wohlers.

Wenn wir Wissen über die Natur haben und einen emotionalen Zugang dazu, verstehen wir, warum Naturschutz so wichtig ist und wir ihn umsetzen müssen.

Rüdiger Wohlers, Nabu Niedersachsen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 8. April 2020, 8:15 Uhr