So sorgt Bussard Sinje am Flughafen Bremen für Sicherheit

Falke auf dem Airport Bremen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mit den Schulferien startet die Reisezeit. Damit sich am Flughafen Vögel und Flieger nicht in die Quere kommen, arbeitet dort ein Falkner mit zwei Greifvögeln.

Schwere Triebwerksschäden durch Vogelschlag sind bundesweit etwa so selten wie ein Sechser im Lotto, wie Simon Köcher sagt. Damit das auch so bleibt, sorgen die Flughäfen vor und beschäftigten Experten wie ihn. Köcher soll die Vögel vom Gelände vergrämen. Und sein Beispiel zeigt: Um Vögel zu verjagen, muss man sie nicht hassen.

Für den Naturschützer Simon Köcher sind Rabekrähen überhaupt kein Grund, nervös zu werden, obwohl er auf dem Vorfeld des Bremer Flughafens steht und vier von ihnen auf ihn zufliegen: "Die sind unheimlich schlau", meint er. "Da gibt’s ja ganze Bücher drüber, was die alles können. Die können Ampeln lesen und legen dann die Nüsse vorher auf die Straße." Wenn die Autos dann über die grüne Ampel fahren, knacken sie die Nüsse auf. Die Rabenkrähen kommen dann später wieder, um die Nüsse zu fressen. "Das machen die hier auf der Randstraße auch", erzählt Köcher.

Flauschige Begleiterin

Die Vogeljagd am Airport Bremen ist Teamwork. Simon ist der Teamchef. In seiner rechten Hand an der Leine ist Jagdhündin Hera, die wie das Herrchen eine gelbe Leuchtweste trägt. Mit ihr patroulliert er über das Gelände. Wenn Hera Vögel auf dem Feld sieht, weiß sie auch schon genau, was zu tun ist: Sie rennt darauf zu und bellt. Der kleine bretonische Vorstehhund ist 52 Zentimeter hoch und 40 Stundenkilometer schnell. Und damit schneller als Simon Köcher. Und durchaus effektiv. Wenn es nötig ist, greift der Landschaftsnutzungsingenieur aber auch mal selbst ein. Gerade jetzt zwischen Juli bis in die erste Augusthälfte hinein feuert er etwa einmal wöchentlich auch Pyrotechnik mit der Schreckschusspistole ab: "Es gibt Vogelarten, die brauchen das, dass ihnen da auch was nahe kommt."

Falkner Simon Köcher mit Bussard auf der Hand in einem Raum im Airport Bremen.
Simon Köcher mit einem seiner tierischen Helfer. Bild: Radio Bremen

Und dann gibt es da im "Team Vogelscheuche" noch die beiden Wüstenbussarde Norbert und Sinje, die gerade aus einer halbjährigen Elternzeit zurückgekehrt sind. Während Sinje mit ihrem gebogenen Schnabel, den wuchtigen Krallen und ihrer gesamten Silhouette durch reines Rumsitzen sechs Hektar frei hält, jagt Norbert anderen Vögeln nach. Im Sturzflug wird er locker 120 Stundenkilometer schnell.

Wen er dabei schützt? Die Flieger vor den Vögeln und umkehrt. Allerdings bleibt es nicht immer nur beim Vertreiben der Vögel, sagt Köcher. So domestiziert der Falke auch ist, bleibt er ein Raubvogel: "Er hat sicher ein, zweimal im Jahr auch Erfolg." Auch wenn stets eine Belohnung in Form von Leckereien auf Köchers Falkner-Handschuh serviert wird.

Fünf verunfallte Vögel in einem Jahr

So sehr sich Köchers Team darum bemüht, Flugzeuge wie auch Vögel zu schützen, gelingt das nicht zu Hundert Prozent. Dieses Jahr hat er trotz all seiner Bemühungen schon fünf verunfallte Vögel auf dem Flughafengelände entdeckt. Jungtiere, die weder Vergrämung noch Flugbetrieb schnell genug verstanden haben.

Häufig ist gar nicht ersichtlich, woran der Vogel tatsächlich gestorben ist: "Es wird was gemeldet, man fährt dann raus und schaut nach und findet dann einen kleinen Vogel, der da tot liegt und man weiß gar nicht, wo der dran eingegangen ist, weil nichts zu sehen ist."

Die wiegen ja oft nur 14, 15 oder 20 Gramm. Das größte Insekt in Deutschland wiegt 10 Gramm. Also es ist halt ein relativ leichtes Tier.

Simon Köcher, Falkner

Jährlich kommen am Bremer Flughafen zwischen ein und zwei Dutzend Vogelschläge zusammen. Auf den rund 300 Hektar Flughafengelände sind zurzeit zehn Turmfalken unterwegs, aber auch Feldlerchen, Wiesenpieper oder Stieglitze. Tauben und Möwen fliegen immer wieder drüber hinweg. Ob es zum Zusammenstoß mit einem Flieger kommt, bleibt bei allen Bemühungen, das zu verhindern, auch immer auch ein klein bisschen Zufall.   

Wie ein Falkner zwischen Bremen und Bremerhaven sein Geld verdient

Video vom 25. April 2021
Im Vordergrund der Reporter Frederik Radeke mit einem Greifvogel auf dem Arm. Hinter ihm steht ein Mann.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 20. Juli 2021, 11:38 Uhr