So wollen Bremerhaven und die Region fairen Handel fördern

Hätten Sie’s gewusst? Bremerhaven ist Fairtrade-Stadt und Teil der Fairtrade-Region Unterweser. Was das bedeutet und woran es dabei noch hapert.

Fairtrade-Logo an einem Regal in einem Supermarkt
Das Fairtrade-Logo ist ein geschütztes Siegel und steht für soziale sowie teilweise ökologische Standards bei der Herstellung von Produkten. Bild: Imago | Belga

Die zuletzt gewachsene Gruppe der Fairtrade-Region Unterweser hat viel vor. Gleichzeitig ist jedoch auch noch viel Arbeit nötig, sagt Stephanie Klotz. Die 34-Jährige gehört der Steuerungsgruppe des Projektes an. Bereits seit 2014 ist Bremerhaven mit dem Fairtrade-Siegel ausgestattet und wird seitdem alle zwei Jahre rezertifiziert. 2017 wurde gemeinsam mit Brake, Geestland sowie den Gemeinden Hagen und Lemwerder die Fairtrade-Region Unterweser gegründet, 2019 traten die Gemeinde Stadland und Beverstedt sowie der Landkreis Wesermarsch bei. Alle acht Kommunen verpflichten sich mit der Unterzeichnung eines Strategiepapiers den fairen Handel in der Region zu unterstützen. Also Produkte, deren Herstellung bestimmte soziale, aber auch ökologische Bedingungen erfüllen und so Mensch und Umwelt schützen.

Bremerhaven muss fünf Kriterien erfüllen

Regelmäßig gibt es Treffen und gemeinsame Projekte sowie gegenseitigen Austausch und Unterstützung. Um den Titel führen zu dürfen, müssen je nach Größe der Kommune bestimmte Kriterien erfüllt werden. "Fairtrade ist eine geschützte Marke im Gegensatz zu fairem Handel", erklärt Klotz. "Das wird oft verwechselt." Während die Region laut Klotz Grundvoraussetzungen auf den Weg bringen muss, sich die Teilnehmer aber auf unterschiedlichen Levels befinden, hat Bremerhaven laut der 34-Jährigen fünf Vorgaben zu erfüllen: Es fange damit an, dass im Rathaus Faitrade-Kaffee genutzt werde. Es müsse zudem eine lokale Steuergruppe geben, die alle Aktivitäten koordiniere. Sie setze sich aus Vertretern von Stadt, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Kirchen und interessierten Einzelpersonen zusammen. Außerdem müssten Fairtrade-Produkte in mindestens 22 Geschäfte und Cafés der Stadt angeboten sowie von öffentlichen Einrichtungen genutzt werden – Bremerhaven liege weit darüber.

In Bremerhaven wird sich das bisher nicht so auf die Fahne geschrieben.

Stephanie Klotz, Mitglied der Fairtrade-Steuergruppe
Eine junge Frau mit kurzen Haaren lächelt vor einem grünen Hintergrund in die Kamera.
Stephanie Klotz gehört über das Nord-Süd-Forum der Steuerungsgruppe Fairtrade-Region Unterweser an. Außerdem ist sie Promoterin der globalen UN-Nachhaltigkeitsziele. Bild: Bremer Entwicklungspolitisches Netzwerk e.V.

Auch solle aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden, doch daran hapere es laut Klotz in Bremerhaven noch. Denn obwohl die Initiative der Stadt auf einen Ratsbeschluss des Magistrats zurückgeht, hat die 34-Jährige eine gewisse Zurückhaltung ausgemacht. "Andere Städte scheinen sich damit mehr zu brüsten", so Klotz. "In Bremerhaven wird sich das bisher nicht so auf die Fahne geschrieben." Auch beim öffentlichen Interesse bestehe noch Luft nach oben. In Bremen, das ebenfalls Fairtrade-Stadt ist, sei davon mehr zu spüren, findet Klotz.

Dabei passiere in der Seestadt einiges zum Thema. Viele Projekte gingen vor allem auf ehrenamtliches Engagement zurück. Erst kürzlich habe es einen Pop-up Store im Columbus Center gegeben. Mit der Berufsbildenden Sophie Scholl Schule steht die einzige Fairtrade-Schule des Bundeslandes in der Seestadt. Laut Klotz machen sich zudem Kitas auf dem Weg als fair zertifiziert zu werden. "Das ist gut", sagt Klotz. "Denn über die Kinder lassen sich auch Eltern erreichen, bei denen das sonst schwieriger ist."

Gesteigertes Interesse am fairen Handel

Insgesamt hat sie im Zuge der "Fridays For Future"-Bewegung zusammen mit dem Thema Nachhaltigkeit dann aber doch ein gesteigertes Interesse am fairen Handel ausgemacht. Sie begrüßt es, dass beim Fair- und Regionalmarkt im Schaufenster Fischereihafen die Schwerpunkte Fair, Regional und Bio verknüpft werden. "Für mich macht die Verbindung das Interessante an dem Markt aus", sagt Klotz. Es gehe darum sich zu informieren und zu unterhalten, zu probieren und zu verweilen. "Das ist kein einschläfernder Vortrag."

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Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Der Tag, Bremen Eins, 14. Oktober 2019, 23:30 Uhr