Fragen & Antworten

Bombenfund in Bremen-Walle? Warum die Polizei bis Sonntag wartet

Auf einer Baustelle wurde ein verdächtiger Gegenstand gefunden. Ob es sich um eine Bombe handelt, wird erst am Sonntag geklärt werden. Wir erklären warum.

Eine Bombenentschärfung bei einer Baustelle.
Möglicherweise schlummert in der Erde in Bremen-Walle so eine Weltkriegsbombe. Mehr als 10.000 Menschen müssen sich darauf vorbereiten, ihre Wohnungen zu verlassen. (Archivbild)

Die Polizei bereitet sich auf eine der größten Evakuierungsmaßnahmen in der Bremer Geschichte vor. Weil auf einer Baustelle in Bremen-Walle ein metallischer Gegenstand entdeckt wurde, bei dem es sich um eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg handeln könnte, rechnet die Polizei mit dem schlimmsten. Mehr als 10.000 Menschen müssen möglicherweise ihre Wohnungen verlassen. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Warum wartet die Polizei bis Sonntag und lässt die mögliche Bombe bis dahin in der Erde?
Der Gegenstand wurde bei Sondierungsarbeiten auf einem Baufeld gefunden. "Wir wissen, dass im Bremer Westen viele Bomben runtergekommen sind", sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Daher mache man in dem Gebiet immer mit einer Spezialsonde Bilder vom Erdreich, bevor irgendwo gebaut wird. Auf diesen Bildern sei der Gegenstand, der noch in der verschlossenen Erde stecke, entdeckt worden.

Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine Bombe handelt, müsse man ihn freilegen. "Wenn wir dann aber feststellen, dass es eine Bombe ist, dann müssen wir auch sofort handeln", sagt Matthiesen. Daher sei es nicht möglich, den Gegenstand zunächst zu untersuchen und die mögliche Evakuierung einige Tage später über die Bühne zu bringen. Die Polizei muss das Evakuierungsszenario also möglichst gut vorbereiten, ohne dass klar ist, ob es tatsächlich zu einer Evakuierung kommt.
Was geschieht, wenn sich herausstellt, dass der Gegenstand eine Bombe ist?
Am Sonntagmorgen wird die Bombe freigelegt und untersucht. Falls sie entschärft werden muss, wird die Polizei die Menschen, die in einem Radius von 300 bis 400 Metern rund um den Fundort wohnen, auffordern, ihre Wohnungen zu verlassen. "Wir bitten die Menschen jetzt schon, sich darauf einzustellen, ab 9 Uhr ihre Wohnungen zu verlassen", sagt Matthiesen. Die Überprüfung des Gegenstandes soll vorher abgeschlossen sein.

Als Übergangsquartier bereitet die Polizei die Messehalle 4 vor. "Wir gehen aber davon aus, dass die Menschen sich in Parks, bei Freunden oder Verwandten aufhalten", sagt Matthiesen. Für alle anderen wird es ab 9 Uhr einen Shuttle-Service vom Osterfeuerberger Ring zu der Messehalle auf der Bürgerweide geben. Erst wenn die mögliche Bombe entschärft ist, dürfen die Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
Was plant die Polizei für den Fall, dass sich die Entschärfung bis in die Nacht hinzieht?
In anderen Städten gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen sich ähnliche Evakuierungen über Stunden, teils sogar bis in die Nacht hinein hinzogen. Verzögerungen kann es unter anderem dann geben, wenn sich Menschen weigern, ihre Wohnung zu verlassen. Für diesen Fall stellt Matthiesen klar: "Wir bitten die Menschen zunächst, ihre Wohnung zu verlassen, falls sich Menschen aber weigern sollten, sind auch Zwangsmaßnahmen und Bußgelder denkbar."

Außerdem wird die Polizei kurzfristig Übernachtungsmöglichkeiten schaffen, wenn sich herausstellen sollte, dass die Entschärfung länger dauert. "Wir können dann Feldbetten aufstellen und Hotelzimmer anmieten", sagt Matthiesen.
Karte von Bremen-Walle mit zwei Kreisen, die einen Radius um den möglichen Fundort einer Weltkriegsbombe am Osterfeuerberger Ring markieren.
Die umkreisten Gebiete könnten von einer Evakuierung betroffen sein. Bild: Google Maps | Polizei Bremen, Montage Radio Bremen
Die Polizei geht davon aus, dass im Fall der Fälle mehr als 10.000 Menschen evakuiert werden müssten. Wie will sie in solch einer Situation für die Einhaltung der Corona-Regeln sorgen?
Die wichtigste Antwort auf diese Frage lautet: "Wir gehen davon aus, dass die meisten Menschen privat unterkommen werden oder solange es Tag ist, sich in Parks oder an ähnlichen Orten aufhalten", sagt Matthiesen. Erfahrungsgemäß würden die wenigsten Menschen bei solchen Aktionen Notunterkünfte nutzen. Ansonsten wird die Polizei dafür sorgen, dass Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen und an den Übergangsquartieren die Einhaltung des Mindestabstands möglich ist.

So läuft die Suche nach Bomben im Bürgerpark

Video vom 18. Februar 2020
Eine Granate aus dem zweiten Weltkrieg, die im Bürgerpark ausgegraben wurde.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 30. Juni 2020, 23:30 Uhr