Erzieher werden neben dem Beruf – so macht es Bremerhaven

Es gibt zu wenig Erzieher, das ist bekannt. Doch wie gewinnt man mehr Menschen für den Beruf? Bremerhaven bietet jetzt eine berufsbegleitende Ausbildung an.

Galina Liessner mit einem Kleinkind auf dem Schoß
Galina Liessner macht die Erzieherinnen-Ausbildung aus Überzeugung.

Zwölf Frauen und zwei Männer in Bremerhaven drücken wieder die Schulbank. Im August hat der erste Teilzeitjahrgang für angehende Erzieherinnen und Erzieher an der Berufsbildenden Schule "Sophie Scholl" begonnen. Drei Jahre lang wollen die Teilnehmer Theorie und Praxis des Berufs lernen. Das ist ein Jahr mehr als wenn sie die klassische Ausbildung machen würden.

Erwachsene in einer Schulklasse
Zwölf Frauen und zwei Männer lassen sich in Bremerhaven berufsbegleitend zu Erziehern ausbilden.

Eine Teilnehmerin ist Galina Liessner. "Ich wollte gerne die Ausbildung zur Erzieherin machen, nur finanziell war das nicht möglich", erzählt sie. Schon seit Längerem hätte sie nach einem Weg gesucht, die Ausbildung berufsbegleitend zu machen. "Zum Glück gab es die Teilzeitausbildung in Bremerhaven. Ich habe mich sofort beworben, als ich das erfahren habe" – sie bekam den Platz.

Ausbildung nebenbei: "So einfach ist das nicht"

Porträt Thorsten Strehlow
Thorsten Strehlow, Industriemechaniker

Liessner arbeitet als gelernte Sozialassistentin schon in einer Kinderkrippe. Doch sie darf allein – noch – keine Gruppe führen. Ihre Arbeitszeit in der Krippe hat sie halbiert, die anderen zweieinhalb Tage geht sie zur Schule: "Arbeit und Schule – und nach der Arbeit noch Hausaufgaben und am Wochenende lernen? So einfach ist das nicht", gibt sie zu.

In der Schule sitzt sie nun mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen. Doch alle sind froh, dass sie neben ihren Jobs die Möglichkeit haben, sich beruflich weiterzuentwickeln. Thorsten Strehlow ist eigentlich Industriemechaniker, doch er arbeitet derzeit als pädagogischer Assistent am Ossietzky-Schulzentrum in Bremerhaven. "Ich hätte gern eine qualifizierte Ausbildung im pädagogischen Bereich", sagt er. Auch, weil seine Verdienstmöglichkeiten damit steigen würden. Ganz nebenbei würde er im Gegenzug die Männer-Quote in Kitas erhöhen.

"Schüler sind wissbegierig und motiviert"

Porträt Maria Bauer
Maria Bauer, Arzthelferin

Für Lehrerin Barbara Gabisch-Schulte von der Berufbildenden Schule "Sophie Scholl" ist das Teilzeit-Modell ein Erfolg. "Weil wir Menschen haben, die sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden haben. Das sind Leute, die wirklich auch was wollen. Die wollen hier sein, die sind wissbegierig, die nehmen viel mit, die sind motiviert und engagiert."

Maria Bauer war früher Arzthelferin: "Doch für mich als Alleinerziehende waren Arbeitszeiten teils bis 19 Uhr nicht machbar." Nun gehört auch sie zu denen, die wissen, was sie wollen. Nach einem Jahrespraktikum in einer Krippe habe sie sich ganz bewusst für die Teilzeitausbildung entschieden. Etwas anderes hätte auch sie sich wohl nicht leisten können. Die Ausbildung finanziert sie mit einem Job in der Gastronomie. Für sie ist das der Weg zum beruflichen Happy End: "Meine Findungsphase war lang und sehr lehrreich – aber ich habe mich gefunden, ja!"

  • Sina Derezynski

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus Bremerhaven, 24. Februar 2019, 12.05 Uhr