Zoff um Freimarkt: Schausteller vom Bremer Senat "maßlos enttäuscht"

Schausteller und Senat suchen weiter nach einer Lösung für den Freimarkt 2020 – das Alkoholverbot sorgt dabei weiter für Zorn. Ein Treffen am Donnerstag blieb ohne Ergebnis.

Ein Fahrgeschäft auf dem Bremer Freimarkt.
Auch wenn die Lage noch so ausweglos erscheinen mag, wollen Bremer Schausteller und Senat heute einen erneuten Anlauf für die Suche nach einer Lösung für den Freimarkt 2020 unternehmen. (Archivbild) Bild: DPA | Torsten Krüger

Die Diskussion über die Zukunft des Freimarkts tritt weiter auf der Stelle: Ein Treffen am Donnerstag blieb ohne Ergebnis. Das teilten Schautellervertreter mit.

Vor dem Gespräch mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte hatte die Geschäftsführerin der Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller (VBS), Bettina Robrahn-Böker, noch gehofft, dass mehr dabei herauskommen könnte. Mit dem Vorgehen des Bremer Senats in den vergangenen Tagen war die VBS-Geschäftsführerin allerdings ganz und gar nicht einverstanden und daraus macht sie auch keinen Hehl.

Wir sind maßlos vom Bremer Senat enttäuscht.

Bettina Robrahn-Böker, Geschäftsführerin Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller

Laut Robrahn-Böker hatte es in den vergangenen Wochen sehr gute Gespräche mit dem Bremer Senat gegeben. Als der Bremer Senat dann am vergangenen Dienstag seinen Beschluss zum diesjährigen Freimarkt vorstellte, seien die Schausteller aber aus allen Wolken gefallen.

Ich habe es noch nie erlebt, dass mir jemand so in den Rücken fällt, wie es der Bremer Senat mit uns Schaustellern mit seinem Beschluss zum Freimarkt gemacht hat.

Bettina Robrahn-Böker, Geschäftsführerin Veranstaltungsgesellschaft Bremer Schausteller

Stein des Anstoßes war hierbei vor allem das angekündigte Alkoholverbot. Wie der "Weser-Kurier" berichtete, war das auch innerhalb des Senats höchst umstritten. So soll die Wirtschaftsbehörde, die formal für den Freimarkt zuständig ist, zunächst eine maximale Besucheranzahl von 10.000 Menschen gleichzeitig und eine Erlaubnis für den Wein- und Bierausschank vorgeschlagen haben. Damit konnte sich Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) aber nicht durchsetzen, was auch der Grund dafür sein soll, warum Vogt bei der Pressekonferenz, auf der der Senatsbeschluss verkündet wurde, nicht dabei war.

Was wird aus dem Bremer Freimarkt 2020?

Video vom 9. September 2020
Mehrere Bierkrüge stehen auf einem Tisch.
Bild: Radio Bremen

Robrahn-Böker will nun nach vorne schauen und hofft darauf, dass man sich doch noch irgendwie zusammenrauft. Vor allem kommt es ihr dabei darauf an, dass die Schausteller zu Unrecht die Rolle des schwarzen Peters bekommen hätten. "Das wollen wir geraderücken."

Wie das konkret geschehen könnte, zeigt derweil der stellvertretende Vorsitzende des Schaustellerverbandes des Landes Bremen, Karlheinz Heine, auf. So könne Bremen den Ausschank von Wein und Bier nach einigen Tagen doch noch erlauben, wenn sich das Hygienekonzept bis dahin bewähre. Heine beruft sich dabei auf das Beispiel Koblenz, wo die Stadt den Schaustellern auf einer ähnlichen Veranstaltung den Ausschank von Wein und Bier nachträglich erlaubt hatte. "Wir wollen beweisen, dass wir es können", sagt Heine.

Nur die Firma der Schausteller kann Freimarkt ausrichten

Eines steht Robrahn-Böker zufolge indes jetzt schon fest: Der Freimarkt-Ersatz kann nur von der VBS, also von der Firma der beiden Bremer Schaustellerverbände veranstaltet werden. Ein anderer Veranstalter sei in der Kürze der Zeit nicht in der Lage, das zu machen.

Außerdem wird der Freimarkt wird in diesem Jahr – wenn überhaupt – nur als temporärer Freizeitpark stattfinden. Wahrscheinlich wird er dann auch nicht den Namen Freimarkt tragen. So praktizieren es die Schausteller auch in anderen Städten. Der Ersatz für den Kramermarkt in Oldenburg heißt beispielsweise "La OLa", der Ersatz für den Stoppelmarkt in Vechta heißt "Freizeitpark Vechta". Dieser startet am Donnerstag. Brisant: Der Ausschank von Wein und Bier ist dort erlaubt. Der Geschäftsführer des Vereins reisender Schausteller Vechta, Karl-Heinz-Wehry, sagt, dass er es sich nicht vorstellen kann, dass die Schausteller den Freizeitpark ohne Wein und Bier veranstalten würden. "Bier ist ein zusätzlicher Anreiz für die Leute, ohne den sie nicht kommen."

Autoren

  • Milan Jaeger
  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. September 2020, 19:30 Uhr