Bremer Ermittler werten rund 500 Nutzer von Encrochat-Handys aus

Audio vom 9. September 2021
Ein Handydisplay, im Hintergrund ein Computer-Desktop.
Bild: DPA | Arne Dedert
Bild: DPA | Arne Dedert
  • Bremer Ermittlungen haben schon zu vier Gerichtsurteilen geführt
  • Gegen drei Personen wird international gefahndet
  • 19 Haftbefehle wurden auf Grundlage der Handydaten vollstreckt

Die Innendeputation der Bremischen Bürgerschaft befasst sich mit dem aktuellen Lagebericht zur Organisierten und zur Clan-Kriminalität. Dabei geht es vor allem um Ermittlungsergebnisse, die aus der Auswertung sogenannter Encrochat-Daten resultieren. Im Juni vergangenen Jahres haben die französischen Behörden eine Vielzahl von Daten des Kryptochat-Anbieters Encrochat von einem Server gesichert und den deutschen Behörden zur Verfügung gestellt.

In Bremen ermitteln 40 bis 50 Beamte in diesem Kriminalitätsfeld. Sie haben in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Bremen bis Mai dieses Jahres rund 500 anonymisierte Nutzer von Encrochat-Handys ausgewertet. Diese Krypto-Handys ermöglichten eine komplett verschlüsselte Kommunikation mit anderen Encrochat-Teilnehmern. Lange Zeit konnten sie nicht abgehört werden und waren deshalb im kriminellen Milieu verbreitet.

52 identifizierte Bremer Encrochat Nutzer haben Bezüge zur Clan-Kriminalität

Von identifizierten kriminellen Enchrochat-Nutzern haben nach aktuellem Kenntnisstand 52 Personen im Land Bremen Bezüge zur Clan-Kriminalität. Die Hälfte davon gehöre zu Großfamilien, die unmittelbar der Clan-Kriminalität zuzuordnen seien, heißt es in einer Vorlage für die Innendeputation.

Gegen 37 Personen ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft. Bisher gibt es 22 Haftbefehle, von denen 19 vollstreckt wurden. Nach drei Personen wird noch international gefahndet. Auch hat es in Bremen bereits vier Gerichtsurteile mit Bezug auf Enchrochat-Daten gegeben. Dabei ging es um Rauschgiftschmuggel und Waffenhandel. Das Gericht ordnete neben hohen Freiheitsstrafen auch eine Vermögensabschöpfung von insgesamt knapp fünf Millionen Euro an. Tatsächlich eingezogen wurde bisher aber nur gut eine Million Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 9. September 2021, 8 Uhr