Corona in Schulen: Bremerhavener Eltern kritisieren diese 3 Punkte

Einige Eltern fühlen sich allein gelassen und schlecht informiert. Die Corona-Regeln finden sie zu lasch. Der Magistrat bezieht Stellung zu den Vorwürfen.

Grundschulklasse in einem Schulneubau in Bremerhaven.
Viele Eltern in Bremerhaven sind verunsichert. Bild: Radio Bremen

"Die Situation ist für uns Eltern zum Verzweifeln, weil eben nicht transparent mit der Situation umgegangen wird. Das meiste läuft über Buschfunk der Eltern und das führt zu großer Verunsicherung." Diese und ähnliche Nachrichten erreichten buten un binnen in den vergangenen Tagen von Bremerhavener Eltern. Drei Kritikpunkte tauchen dabei am häufigsten auf. buten un binnen hat den Bremerhavener Magistrat um Stellungnahme gebeten.

1 Die Corona-Maßnahmen sind zu lasch

Warum gibt es keine Maskenpflicht für alle Klassenstufen? Warum wird nicht wieder in Halbgruppen unterrichtet? Warum werden die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) nicht eingehalten? Warum sind die Regeln für jüngere Kinder lockerer? Und warum werden die Maßnahmen nicht verschärft, wenn an einer Schule mehrere Klassen in Quarantäne sind? Diese Fragen stellen die Eltern zu diesem Komplex.

Magistratssprecher Volker Heigenmooser nimmt im Namen des Schuldezernenten Michael Frost Stellung zur Kritik. Er weist auf die Corona-Verordnung des Landes Bremen hin, die festlegt, welche Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Daran würden sich das Schulamt und die Schulen in Bremerhaven halten. Auch die Empfehlungen des RKI würden bei der Umsetzung der Maßnahmen berücksichtigt. An Grundschulen werde darauf geachtet, dass die Kinder in ihren Kohorten bleiben und zwischen den Kohorten der Mindestabstand eingehalten wird. Bisher habe es an Bremerhavener Schulen noch keinen bekannten Fall einer Übertragung innerhalb einer Schule gegeben. Für wenige Tage seien viele Schülerinnen und Schüler in Quarantäne gewesen, diese Zahlen seien jedoch sehr schnell wieder gesunken.

Heigenmooser weist darauf hin, dass Homeschooling nicht in allen Familien so leicht umsetzbar ist: "Die Einführung von Halbgruppen in einer Grundschule stellt für berufstätige Eltern eine große Belastung dar. Ebenso ist das Lernen zu Hause für Kinder, die zu Hause keine geeignete Lernumgebung haben, eine Belastung", erklärt er. Die Einführung von Halbgruppen bis zur 7. Klasse werde deshalb sorgfältig abgewogen. Bisher habe das Infektionsgeschehen das nicht erforderlich gemacht. Das Schulamt favorisiere jedoch die Weiterentwicklung des Hybridunterrichts, also eines Wechsels zwischen digitalem und analogem Lernen, ab Klasse 7. "Hierbei befindet sich das Amt im Gespräch mit den Schulleitungen, um entsprechende Konzepte entwickeln und umsetzen zu können."

2 Warum werden die Eltern nicht über alle Maßnahmen an Schulen informiert?

Warum werden nicht alle Eltern an einer Schule informiert, wenn Klassen in Quarantäne müssen? Warum werden vom Magistrat generell nicht alle Corona-Fälle an Schulen veröffentlicht? Einige Eltern schreiben, dass das Vertrauen in den Magistrat und die Schulleitungen sinke, wenn Informationen die Eltern nur über Umwege erreiche. Sie wünschen sich mehr Transparenz. Unter den Eltern besteht der Verdacht, man wolle Fälle verschleiern.

"Der Vorwurf der Verschleierung geht ins Leere", sagt Heigenmooser. Der Magistrat informiere alle, die betroffen sind. Zudem würden sich Situationen schnell ändern. Es komme immer wieder vor, dass vorläufige Quarantäne angeordnet werde, die auch schnell wieder aufgehoben werden könne. Corona-Fälle an Schulen würden "nicht für die Kommunikation verwertbar erhoben".

3 Warum gibt es unterschiedliche Regeln an den Schulen?

Unterschiedliche Regeln an den Schulen würden die Kinder verunsichern, schreiben einige Eltern. So gebe es an einigen Grundschulen eine Maskenpflicht, an anderen wiederum nicht.

Grundsätzlich gelte die Corona-Verordnung, die eine Mund-Nasen-Bedeckung ab Klasse 7 vorsieht. In einigen Grundschulen tragen die Kinder aufgrund beengter räumlicher Verhältnisse dennoch in einigen Bereichen einen Mund-Nasen-Schutz, so Heigenmooser. Die Regeln richten sich also nach den Gegebenheiten an den jeweiligen Schulen.

Zentralelternbeirat teilt Kritik nicht

Der Bremerhavener Zentralelternbeirat teilt die Kritik übrigens nicht: "Nach unseren Erkenntnissen werden die Vorschriften von den Schulen sehr genau genommen", teilt Christian Lüth im Auftrag des Beirates mit. "Wir möchten die Möglichkeit nicht ausschließen, dass es Einzelfälle gibt, in denen sich Lehrer oder Erzieher nicht an die Vorschriften halten, allerdings sind uns keine Fälle bekannt." Er sehe vielmehr das Problem, dass sich die Kinder außerhalb des Schulgeländes mit Schülern anderer Kohorten treffen. Beim Wunsch nach Homeschooling unterstützt der Beirat die Kritik einiger Eltern. "Das Festhalten der Politik an der Präsenzpflicht können wir nur bedingt nachvollziehen", so Lüth.

Die Informationspolitik des Magistrats hält der Zentralelternbeirat für ausreichend: "Bei Corona-Fällen in Schulen gibt es ein vorgeschriebenes Prozedere, welches abgearbeitet wird, und an das sich Schulen, Schulamt und Gesundheitsamt strikt halten", so Lüth. Die Personen, die in Kenntnis gesetzt werden müssten, werden laut Lüth auch informiert. "Alle anderen erhalten die allgemeinen Informationen über die öffentlichen Medien, was dann gegebenenfalls auch erst ein paar Tage später passiert. Dieses Vorgehen ist nach unserem Verständnis absolut legitim, es gibt keine rechtliche Grundlage, die die Schulen verpflichtet, nicht betroffene Eltern und Kinder über Corona-Fällen an deren Schule zu informieren."

Der Zentralelternbeirat bittet die Eltern auch um Verständnis. Die Lage ändere sich rasch. Das mache es für alle schwierig. Insgesamt wünscht sich der Beirat, dass die Schulen mehr in Eigenverantwortung regeln können, da die Gegebenheiten in den Schulen sehr unterschiedlich seien.

Das hält ein Epidemiologe von den Beschlüssen des Corona-Gipfels

Video vom 26. November 2020
Der Epidemiologe Hajo Zeeb im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Morgen, 26. November 2020, 9:10 Uhr