Bremerinnen aus Tenever kämpfen für neuen Discounter

Vor zwei Jahren schloss ein Aldi in Bremen-Tenever. Seitdem gibt es dort keinen günstigen Supermarkt mehr. Eine Gruppe engagierter Frauen will das nun endlich ändern.

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Protestplakat für eine bessere Nahversorgung in Bremen-Tenever. Bild: buten un binnen

Mal eben günstig eine Milch oder eine Packung Zucker kaufen? Geht nicht, der nächste Supermarkt ist zu weit weg. Diese Erfahrung kennen sicher viele Bewohner in abgelegenen, ländlichen Gebieten. Doch es überrascht, dass auch Menschen in Tenever mit diesem Problem zu kämpfen haben – ausgerechnet in Tenever, einem der am dichtesten besiedelten Stadtteile Bremens.

Einen Discounter vor Ort gibt es nicht mehr, seit dort vor zwei Jahren ein Aldi-Markt dicht gemacht hat und im Weserpark neu eröffnet wurde. Wer nun günstig Lebensmittel einkaufen will, muss sich also entweder auf den Weg ins große Einkaufszentrum machen oder alternativ in die Straßenbahn steigen und ins Schweizer Viertel nach Osterholz fahren.

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Katrin Höpker vom Quartiersmanagement in Tenever. Bild: buten un binnen

Für viele in Tenever sind diese beiden Möglichkeiten keine Lösung. Es sind vor allem Rentner und ärmere Menschen, die oft wenig Geld und kein Auto haben. Weil jeder Euro zählt, können sie nicht extra für jeden Einkauf eine Fahrkarte kaufen.
Hinzu kommt: "Mit einem Rollator oder mit dem Kinderwagen und zwei Kindern an den Händen in die Bahn einzusteigen, dann einen Familieneinkauf zu machen und wieder zurück – das ist schon sehr umständlich. Auch mit dem Fahrrad ist das nicht leistbar", sagt Katrin Höpker vom Quartiersmanagement.

Politik offen für Discounter-Ansiedlung

Inzwischen haben sich mehrere Frauen in Tenever zusammengetan, um gegen die Situation zu protestieren. Und auch die Gewoba, die derzeit Häuser in Höhe der Neuwieder Straße in Tenever baut, ist offen für die Ansiedlung eines neuen Discounters. Sie geht davon aus, dass mögliche Betreiber mehr als 1.000 Quadratmeter Fläche benötigten. Eine freie Fläche gibt es zwar, allerdings müsse die Politik einen entsprechenden Bebauungsplan auflegen.

Bei der Politik stößt dies auf offene Ohren. „Hier könnte man zügig rangehen“, sagt der baupolitische Sprecher der SPD, Mustafa Güngör. "Die Politik wird da nicht im Weg stehen. Ganz im Gegenteil", so Güngör. Nach den bisherigen Regelwerken könne man dort Einzelhandelsflächen zumindest bis 800 Quadratmeter planen, meint auch Robert Bücking von den Grünen.

Das gibt unser Zentren- und Nahversorgungskonzept her. Da bin ich auch der Meinung, dass wir nicht länger warten sollten.

Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen

Ob 800 Quadratmeter einem Discounter tatsächlich reichen, ist allerdings fraglich. Die Frauen aus Tenever wollen dennoch weiter dafür kämpfen, damit endlich wieder ein günstiger Discounter in der Nachbarschaft einzieht.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. März 2019, 19.30 Uhr