Wie sehr steigen in Bremen die Preise für Eigentumswohnungen?

Ein Online-Immobilienportal behauptet: 2020 muss man für Eigentumswohnungen 13 Prozent mehr bezahlen. Ist diese Prognose realistisch? Nein, meint ein Bremer Gutachter.

Häuser in Schwachhausen.
Teure Wohngegend: In Schwachhausen haben die Quadratmeterpreise wenig mit dem Bremer Durchschnitt gemein. Bild: Imago | Chromorange

Durchschnittlich 2.540 Euro pro Quadratmeter, 13 Prozent mehr als im Vorjahr: So viel Geld werde man in Bremen dieses Jahr durchschnittlich auf den Tisch legen müssen, wenn man eine Eigentumswohnung erwirbt. Das zumindest besagt eine neue Prognose des Immobilienportals "immowelt.de". Hiernach gehört Bremen neben München, Hannover, Berlin und Stuttgart zu den Großstädten Deutschlands, in denen die Preise am stärksten ansteigen.

Dass das tatsächlich so ist, hält Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte der Freien Hansestadt Bremen, zumindest für "denkbar". Auch findet er, dass das Immobilienportal "einige richtige Trends" aufzeige. Die Größenordnungen aus der Prognose aber seien "übertrieben und womöglich von Verkaufsinteressen geleitet." Auch, gibt Dautert zu bedenken, bedürfe der Markt an Eigentumswohnungen einer wesentlich genaueren Betrachtung.

Inserate oft Wunschdenken der Verkäufer

So stütze sich "immowelt.de" für seine Prognose auf Angebotspreise aus seinen Immobilieninseraten. Diese aber hätten mit dem Wunschdenken der Anbieter oft mehr zu tun als mit der Realität.

Die wahren Preise kann man nur in den tatsächlich abgeschlossenen Kaufverträgen nachlesen.

Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte

Und auf eben diese Kaufverträge stütze sich der Gutachterausschuss, wenn er Zahlen veröffentliche. Dabei unterscheidet der Ausschuss – anders als "immowelt.de" in seiner Prognose – unter anderem zwischen Neubauten und Gebrauchtwohnungen. Während eine Neubauwohnung in Bremen den Käufer voriges Jahr durchschnittlich etwa 4.500 Euro pro Quadratmeter gekostet hätte, habe der Durchschnittswert einer gebrauchten Eigentumswohnung im Stadtgebiet bei 2.000 Euro gelegen. Dazu muss man wissen: Von den insgesamt rund 3.200 Eigentumswohnungen, die 2019 in Bremen verkauft worden sind, handelte es sich lediglich bei etwa 200 um Neubauten.

Innerstädtische Lagen kaum zu vergleichen

Etwa um 5 Prozent, schätzt Dautert, könnten neu gebaute Eigentumswohnungen dieses Jahr in Bremen höher zu Buche schlagen als im Vorjahr. Für gebrauchte Eigentumswohnungen hält er eine Preissteigerung von 8 Prozent für realistisch. Das entspräche einer etwas niedrigeren Preissteigerung als in den vier Jahren zuvor.

Irgendwann ist die Wirtschaftlichkeitsgrenze für den Erwerb von Wohneigentum einfach erreicht.

Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte

Es sei auch grundsätzlich schwierig, mit nur einer Prognose Aussagen für das gesamte Bremer Stadtgebiet zu treffen, sagt Dautert. Die innerstädtischen Lagen seien kaum miteinander zu vergleichen. So erzielten neue Eigentumswohnungen an der Contrescarpe oder in Schwachhausen in Einzelfällen Quadratmeterpreise von 7.000 bis 8.000 Euro. Eine gebrauchte Eigentumswohnung in Bremen-Nord dagegen sei unter Umständen schon für 800 oder 900 Euro pro Quadratmeter zu haben. Die kompletten Zahlen für das Jahr 2019 wird der Gutachterausschuss voraussichtlich im März oder im April vorlegen.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 24. Januar 2020, 23:30 Uhr